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Wertschätzung statt Kuschelpädagogik

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Es war nie sein erklärtes Ziel, trotzdem ist Michael Schatz mit Leidenschaft und ganzem Herzen Schulleiter. Seit vier Jahren ist der 64-Jährige Rektor der Johann-Jakob-Widmann-Schule in Heilbronn. Am 20. Juli wird er in den Ruhestand verabschiedet. So richtig könne er sich das noch gar nicht vorstellen, sagt Schatz. Die Berufsschule sei sein Leben – aber es gebe auch eine Zeit danach, ist er sich sicher. Zusammen mit seiner Frau will er ab Oktober ein Jahr auf Mallorca leben, um anschließend wieder zurückzukehren. "Ich kann mir gut vorstellen, mich hier ehrenamtlich zu engagieren“, sagt Michael Schatz

Heimat

Denn Heilbronn ist in den vergangenen Jahrzehnten zur Heimat des Norddeutschen geworden. "Ich fühle mich hier sehr verbunden.“ Seit 1981 ist der Pädagoge an der Johann-Jakob-Widmann-Schule tätig. "Ich hatte damals keine Ahnung, was mich an einer Berufsschule erwartet“, erinnert sich Michael Schatz, der nach dem Studium von Politik und Germanistik in Göttingen sein Referendariat am Heilbronner Robert-Mayer-Gymnasium und in Besigheim absolviert hat. Danach kam das Stellenangebot aus Heilbronn. "Es war schwierig mit meinen Fächern“, sagt Schatz. Also übernahm er Jungarbeiterklassen am Neckar. "Da musste ich mich durchkämpfen – manchmal mit dem Rücken zur Wand.“ 

Es war eine große Herausforderung für den ausgebildeten Gymnasiallehrer, trotzdem sei ihm niemals in den Sinn gekommen, die Schule oder gar den Beruf zu wechseln. "Ich habe hier viele Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Michael Schatz. Die nutzte er an verschiedenen Positionen, als Lehrer, Abteilungsleiter, im Personalrat, als Verbindungslehrer der SMV und zuletzt als Schulleiter sowie geschäftsführender Schulleiter der Heilbronner Berufsschulen. Er kennt sein Haus aus verschiedenen Perspektiven, baute unter anderem in den 90er Jahren das Berufskolleg mit auf und brachte unzählige Projekte mit auf den Weg. Sogar Segeln war er mit den Schülern: "Da lernt man sich anders kennen“, erinnert sich der Schulleiter. Die Johann-Jakob-Widmann-Schule biete tolle Möglichkeiten mit ihren unterschiedlichen Abteilungen und Abschlüssen.

Regeln

Heterogenität gab es an der Berufsschule auch schon vor 35 Jahren. Inzwischen lernen 1500 Schüler aus 48 Nationen hier gemeinsam. Dafür brauche man klare Regeln, sagt der Schulleiter. Prävention aber auch Rahmenbedingungen wie ein Fehlzeitenkonzept seien wichtig. "Wir machen hier keine Kuschelpädagogik“, betont Schatz. Er setzt auf eine "Pädagogik der Wertschätzung“. Mit Erfolg: Bei einer Umfrage gaben 90 Prozent der Schüler an, sie fühlten sich mit ihrem kulturellen Hintergrund akzeptiert. "Ein toller Wert“, findet Michael Schatz. Aber er weiß auch, dass der hohe Migrationsanteil eine tägliche Herausforderung ist, die viele Gespräche und ein Miteinander braucht. 

Das Wir-Gefühl habe sich verändert, sagt Schatz nach fast 40 Jahren an der Berufsschule. Die Zufriedenheit bei Kollegen und Schülern sei hoch. "Wir haben in den letzten Jahren was bewegt“, so der Schulleiter. In einer schnelllebigen Zeit müsse Schule sich verändern und in der "Konstanz immer neue Ressourcen“ nutzen. Das sei gelungen: "Hier ist Bewegung drin“, weiß der Schulleiter, der mit manchem seiner Absolventen noch Kontakt hält: "Da weiß man, es war nicht umsonst.“

 

 

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