Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Weniger Adjektive, mehr Vorstellungskraft

zurück zur Übersicht

"Mir hat es viel Spaß gemacht, es war sehr schön dort“, berichtet Daniela Gisbrecht von ihrer Zeit bei der Kreativwoche der Stiftung Kinderland im Literaturarchiv Marbach. Hier hat die 14-Jährige aus der neunten Klasse der Hermann-Greiner-Realschule in Neckarsulm zusammen mit 19 anderen jungen Talenten aus Baden-Württemberg an Autorenlesungen und Schreibkursen teilgenommen. Die Schüler werden dabei mit einem Bewerbungsverfahren ausgewählt. "Meine Lehrerin hat mir ein Prospekt überreicht und vorgeschlagen, es doch einmal zu versuchen.“

Literaturbegeistert 

Um teilzunehmen, müssen die literaturbegeisterten Schüler eine Geschichte zum Thema "Gabe“ einreichen. "Ich habe dann eine Geschichte über ein Mädchen geschrieben, das eine übernatürliche Gabe hat: Sie kann durch Gedanken ihre Gestalt wechseln.“ Mit ihrem Werk überzeugt sie die Juroren: "Ein paar Wochen später hatte ich schon die Zusage.“

Daniela Gisbrecht liebt das Schreiben, für die Schule oder als Hobby. "Ich schreibe eher realitätsgetreu und über alle möglichen Themen. Inspiration finde ich meistens im Alltag, ich beobachte gerne Leute auf der Straße und denke mir Geschichten über sie aus.“ Sie verfasst aber nicht nur Texte, sondern ist auch eine leidenschaftliche Leserin, die am liebsten Liebesgeschichten oder Fantasyromane verschlingt – zum Bespiel die Reihe "Chroniken der Unterwelt“ von Cassandra Clare. "Mir gefällt daran, dass eine übernatürliche Welt so real dargestellt wird“, erzählt die Schülerin.

Schreibschüler und Autoren 

In Marbach nimmt sie an Schreibseminaren mit den Autoren Nadja Küchenmeister und Matthias Göritz teil. Manchmal arbeiten die Dichterlehrlinge ganz frei, manchmal bekommen sie Themenvorschläge, aus denen jeder etwas ganz eigenes machen kann. Danach lesen sie die Texte vor und überarbeiten diese gemeinsam mit den Autoren.

Dabei unterscheiden sich die Ansprüche der Schriftsteller deutlich von denen an der Schule: "Es war anders als im Deutschunterricht, wo wir gesagt bekommen, wir sollen in unseren Texte viele Adjektive benutzen.“ In Marbach sollen die Schreibschüler jetzt alle streichen, nach dem Motto "show, don‘t tell.“ Die Leser müssen die Lücken mit ihrer eigenen Vorstellungskraft füllen. "Die Autoren haben oft gesagt: Kürzen geht immer. Das ist mir sehr im Gedächtnis geblieben“, sagt Daniela Gisbrecht lachend.

Am Ende dürfen die jungen Talente selbst eine Lesung halten, vor rund 100 Teilnehmern: "Da war ich echt ein bisschen nervös“, erzählt sie. Zwei Gedichte, die sie in der Woche verfasst hat, trägt sie vor. Eins handelt vom Schreiben, eins vom Vergessen. Geschrieben hat Daniela Gisbrecht viel in dieser Woche, vergessen wird sie sie wohl nicht so schnell. "Ich hatte viel Spaß in Marbach, das Archiv mit den vielen tausend Schriften war sehr beeindruckend und ich habe sehr viel neues über das Schreiben gelernt“, sagt die Realschülerin.

 

Galerien

Regionale Events