Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Stadtbahnen zu oft zu spät

zurück zur Übersicht

Der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) fehlt es an Lokführern für Stadtbahnen. Der Regelbetrieb ist schwer zu organisieren, kommt eine Krankheitswelle hinzu, wird die Einsatzplanung zur Mangelverwaltung. Offizielle Zahlen zeigen, dass die Stadtbahnen der S4 zwischen Karlsruhe und Öhringen im vergangenen Jahr eine Pünktlichkeit von nur 81,6 Prozent erreicht haben. Das liegt deutlich unter den Vorgaben des Landes. Allerdings müht sich das kommunale Verkehrsunternehmen, mehr Lokführer auszubilden. 

Niedrige Pünktlichkeitsquote

Der FDP-Abgeordnete Nico Weinmann (Heilbronn) konfrontierte das Landesverkehrsministerium mit einer Anfrage zur S4. Die Antwort liegt der Stimme vor. Demnach waren knapp 82 Prozent der Züge pünktlich – was laut Definition aber nur heißt, dass sie eine Verspätung von maximal vier Minuten hatten. Das Land fordert eine Quote von 90 Prozent, das Verkehrsunternehmen selbst setzte sich eine Marke von 86 Prozent. "Die Zielwerte wurden leider deutlich verfehlt“, erklärt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Mehr als 1,6 Prozent der Zugkilometer seien wegen Ausfällen gar nicht bedient worden. Das Ziel der AVG war, höchstens ein Prozent streichen zu müssen. 

Das Verkehrsministerium macht eine Reihe von Gründen für das schlechte Ergebnis verantwortlich: mehrere Langsamfahrstellen über längere Zeiträume hinweg, die starke Bautätigkeit in der Karlsruher Innenstadt, eine deutlich gestiegene Störungsanfälligkeit im Netz der AVG. Probleme gibt es mit Fahrzeugen, Unfällen, der Infrastruktur generell. Das Verkehrsunternehmen hat ein internes Projekt aufgelegt, um die Ursachen dieser Störungsanfälligkeit abzustellen.

Ausbau der Infrastruktur

Handlungsbedarf besteht im Kraichgau, wo eingleisige Abschnitte die Stadtbahnwagen ausbremsen. "Um die Verspätungen zu verkleinern, müsste ein konsequenter Ausbau der Streckeninfrastruktur vorgenommen werden, so wie es zwischen Schwaigern und Leingarten vorgesehen ist“, meint Minister Hermann. "Natürlich wünschen wir uns mehr Züge. Bevor diese eingesetzt werden können, muss aber zunächst einmal die Infrastruktur ertüchtigt werden hin zu einem durchgehend zweigleisigen Netz, gerade zwischen Leingarten und Schwaigern“, nimmt Nico Weinmann auch das Land in die Pflicht. Das zu realisieren, sei in diesem Zusammenhang die dringlichste Aufgabe der Verkehrspolitik.“ Die AVG zieht noch an einem anderen Stellhebel: Sie baut den Standort Heilbronn aus, um Ausfallzeiten reparaturbedürftiger Fahrzeuge zu reduzieren.

Zu den Aufgaben des Standorts gehört inzwischen auch die Ausbildung. Die AVG bietet für angehende Stadtbahnführer insgesamt sieben Kurse mit jeweils zwölf Plätzen an. Mit großem Aufwand betreibt das Unternehmen Werbung für die neunmonatige Zusatzqualifizierung. Denn: "Wir stehen mit der gesamten Wirtschaft in großer Konkurrenz um Arbeitskräfte“, sagt AVG-Sprecher Nicolas Lutterbach.
Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 350 Stadtbahnführer – deutlich zu wenig. Das war auch gestern zu erkennen. Wegen der Krankheitswelle sind unter anderem auf der S4 einige Fahrten ausgefallen. Trotzdem: "Wir haben den Eindruck, dass es insgesamt etwas wird“, sagt Manfred Körner, Pressesprecher des Landkreises Heilbronn. Betont aber auch: "Am Ziel sind wir noch nicht.“

 

Galerien

Regionale Events

Barrierefreie Lesung

Hasnain Kazim liest in der Stadtbibliothek im K3 Heilbronn aus „Mein Kalifat“.