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Eine gute Schule ist menschlich

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Das ist einmalig. Die fünfte Heilbronner Realschule bekommt ihren Namen – und hat gleichzeitig schon eine wunderschöne Schulhymne. Luise Bronner (1912 bis 1999) war nämlich auch Dichterin. Ihr Gedicht übers Menschsein will die neue Schulleiterin Carolin Jesser (40) beherzigen. Diese Verse sollten an jeder Lehrerzimmertür stehen: "Sprich nicht von gut oder böse, von groß oder klein, von plus oder minus oder: ’So müsst es sein’. Es zählt nur eins: Ein Mensch zu sein.“

Stolpersteine mal anders

Noch bevor Carolin Jesser Luise Bronner zitierte, stellte Christiane Ziemer dieses Menschsein in den Mittelpunkt ihrer kleinen Rede. Als Vertreterin des örtlichen Personalrats, nicht als Rektorin der benachbarten Fritz-Ulrich-Gemeinschaftsschule, schilderte sie, was eine gute Schule ausmacht: "Mensch, ja menschlich zu sein“. Bronners Gedicht verlangt, dass nicht nach gut und schlecht sortiert wird. Ziemer zog daraus den Schluss: "Es gibt nicht die gute Schule, es gibt vielmehr die Schule, in die man gern geht“ – Schüler und Lehrer, Eltern, Sekretärin und Hausmeister, einfach alle, die zur Schulgemeinschaft gehören.

Anfangs waren die 280 Realschüler ja enttäuscht. Kennedy wäre ihnen viel lieber gewesen, Bronner sagte ihnen so rein gar nichts. Das hat sich inzwischen geändert. Schüler aus der Klasse 10a haben eine Stolpersteingruppe gegründet. Sie wissen jetzt viel über Luise und Lotte Bronner. Im Juli sollen die Schwestern vor ihrem Elternhaus in der Heilbronner Schillerstraße 48 Stolpersteine bekommen. Zwei Steine liegen da schon. Sie erinnern an Franziska und Berthold Heilbronner. Der jüdische Seifenfabrikant und seine Frau waren 1942 deportiert und in Theresienstadt und Auschwitz ums Leben gebracht worden. Ihren Töchtern gelang in den 1930er Jahren die Flucht.

Lebensweg 

Luise wanderte nach Amerika aus, wurde in späten Jahren Germanistikprofessorin. Sie besuchte Heilbronn, suchte das Gespräch mit Alt und Jung, unterstützte den Theaterneubau, ließ eine Stele auf den jüdischen Friedhof setzen. Und sie vermachte den Heilbronner Realschulen 100 000 Mark für Schüleraustausch mit den USA.

Völkerverständigung, Versöhnung, das Aufeinanderzugehen verschiedener Kulturen waren die großen Lebensthemen von Luise Bronner. Lehrerin Viola Widmaier, die beim Festakt Luise Bronners Lebensbild zeichnete, beschrieb diese ethnische Grundhaltung als "ideelles Vermächtnis“ für ihre Schule.
Mit Musik und Tanz feierten Schüler und Lehrkräfte, dass sie eine eigene Schulleiterin haben. Die Erleichterung ist spürbar. Jahrelang hatte die Realschule auf ihre Anerkennung aus Stuttgart – und auf eine Rektorin oder einen Rektor gewartet. 

 

 

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