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Die Zukunfts-Vampire sind unter uns

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Die Suchmaschine Google ist kostenlos. Wirklich? Nein: Facebook, Google und andere sammeln Daten. Dinge, die man nur dem besten Freund erzählt. Dass Google kein Freund ist, zeigen die drei Schauspieler vom Wittener Theater Sonni Maier den Achtklässlern des Ganerben-Gymnasiums in der Künzelsauer Stadthalle. Ihr Theaterstück "Druck“ ist eine Parabel auf die Gefahren des Digitalen

Aus Spiel ...

Im Stück heißt Google Digicorp. Die Software-Schmiede verkauft die Gesundheits-App "Suri“. Suri misst alle Körperfunktionen und erklärt, wie man sie verbessert. Das funktioniert: Suris Erfinderin Cynthia (Sonni Maier) ist erfolgreich. Rote Haare, weißes Stirnband, perfekter Blutdruck, nur 20 Prozent Körperfett – oder wie Suri sagt: zu 91 Prozent optimiert. 

Alles läuft perfekt. Bis Cynthias Ex-Freund Andi (Tobias Vorberg) sie entführt. Ist er ein Stalker? Nein, Andi ist Hacker. Er knackt Computer, um Missstände aufzudecken – und zeigt Cynthia, was sie mit ihrer allwissenden App angerichtet hat. Am Anfang war es ein Spiel. Cynthia erfand Suri, damit die Menschen gesünder leben.

... Wird ernst

Dann will die machthungrige und einnehmende Digicorp-Managerin Eliza (Stefanie Linnenberg) die App haben. Cynthia verfällt Elizas Versprechen und verlässt Andi für die Karriere. Mit Erfolg: Am Ende trägt jeder die App auf einem Chip unter der Haut. Dass Digicorp den Standort jedes Einzelnen kennt und dass man ohne Fitness-App keine Krankenkasse mehr bekommt, ist Cynthia egal. Schließlich haben die Leute ihr alle Daten freiwillig gegeben.

Doch Andi weiß mehr: Eliza verwendet die App, um Menschen im Schlaf fernzusteuern. Sie lotst Leute zu einer Trafostation und saugt ihre Lebensenergie ins Stromnetz. Als Cynthia das erfährt, steigt sie aus.
Die Zukunfts-Vampirgeschichte wirkt am Ende abgedreht. Aber so weit hergeholt ist es nicht: Fitness-Apps gibt es bereits, und digitale Weltkonzerne sammeln unsere Daten – saugen uns wie Vampire die Lebensinformationen aus. Die Story ist eine Parabel auf die Gefahren, die im Internet lauern. Sonni Maier bespricht sie mit den Schülern

Intimes

Es geht nicht nur um allwissende Firmen, sondern um gesellschaftlichen Druck, den Menschen im Internet ausüben. Wer stellt sich auf Facebook denn nicht toller dar, als er ist? Also muss man mitmachen, wenn man angesagt sein will. Die Folge: "Ich bediene nur noch fremde Erwartungen und sauge mich dabei selbst aus“, beschreibt Maier.

Hannah (14) weiß, was gemeint ist: "Man muss cool sein im Freundeskreis.“ Besser ist’s, selbstbewusst zu sein und sich und andere so zu akzeptieren, wie sie sind, erklärt Maier. "Sagt nicht: "Andere machen das so, also mach ich es auch".“ 

Björn (14) gibt ungern Dinge im Netz preis. "Wenn ich jemandem etwas Intimes sagen möchte, warte ich, bis ich ihn wiedersehe.“ Angst vor der Zukunft hat er nicht: "Die Wirklichkeit ist nicht so extrem wie im Theater.“ Aber er weiß von Mobbing im Internet: "Ich kenne einen Schüler, er ist körperlich unterlegen und traut sich nicht, offen zu sprechen. Im Internet greift er dann an.“

 

 

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