Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Heute begehrt: Maultaschen

zurück zur Übersicht

Das ganze Jahr über Maultaschen essen, aber an Gründonnerstag einen großen Bogen um die schwäbische Spezialität machen? Das geht gar nicht. Heute gibt es Maultaschen – wie vielleicht gestern und morgen. Die in Nudelteig versteckte kleine Fleischeslust ist in der Karwoche ein Muss. Seit gut zehn Tagen produzieren die handwerklichen Metzgereien fast ohne Ende Maultaschen. Es ist Hauptsaison für die Herrgottsbscheißerle.

Man nehme: Brät, Zwiebeln, Spinat, Lauch, Petersilie, gerauchten Bauch und fertige aus diesen Zutaten eine geschmeidige Masse. In der Metzgerei Braun in Sontheim ist dafür der Chef zuständig. Peter Kuhn rührt dreifach grünes Gemüse in seine Maultaschenfülle, aber ja nicht zu viel. "Die einen sind froh, dass sie bei uns nicht so grün sind“, erklärt seine Frau Susanne Kuhn, „für die anderen könnte mehr drin sein.“ Es ist also gar nicht einfach, die richtige Mischung zu treffen. Man darf es nicht übertreiben mit dem Spinat, finden die Kuhns. Sie machen auch keine vegetarischen, und schon gleich gar keine veganen Maultaschen. "Vegan?“, spöttelt Susanne Kuhn: "Da hört’s auf. Wir sind doch Metzger.“

So funktioniert’s

Lilija Leongart rollt die zwei Meter lange Nudelbahn in der Wurstküche auf dem Metalltisch aus – mitsamt dem Papier, in dem die Bäckerei Herrmann den Teig angeliefert hat. Der Länge nach verteilt sie auf etwa zwei Dritteln der Bahnbreite die grünliche Maultaschenfülle und bestreicht die obere Kante des Teigstreifens mit Ei. Dann breitet die sie Arme ganz weit aus, greift nach dem Papier und faltet die Bahn auf voller Länge zu einer etwa zehn Zentimeter breiten Nudelwurst. Das Ei klebt Teig auf Teig zusammen.

Mit einem Rührlöffelstiel drückt Lilija Leongart in Zehn-Zentimeter- Abständen eine Kerbe in die ellenlange "Wurst“. Und Susanne Kuhn schneidet mit dem Teigrädle die Maultaschen auseinander. Die Frauen setzen etwa 20 solche zehn auf zehn Zentimeter große Nudelkissen auf ein Blech. Der Dampfgarer fasst sechs Bleche. Und eine halbe Stunde später sind die Maultaschen fertig. Susanne Kuhn schneidet eine Maultasche zu "Reiterle“, probiert selber und stellt den Rest als kleine Kostprobe auf die Verkaufstheke.

Offen gestanden, sie hat keine Ahnung, wie viele Maultaschen sie in den zwei Wochen vor Ostern herstellen. "Wir zählen die nicht. Wir machen das immer nach Bedarf.“ Wenn der Maultaschenberg in der Theke schwindet, wird schnell nachproduziert. Frisch aus dem Ofen sind sie im am besten.

Und das gilt nicht nur zur Fastenzeit. Vielen Sontheimern, die es in alle Welt verschlagen hat, sind die Kuhnschen Maultaschen eine Kindheitserinnerung. Dem Berliner zum Beispiel: Jedes Mal, wenn er seine Mutter besucht, schaut er, inzwischen selbst Rentner, in der Metzgerei vorbei und deckt sich mit seiner Leibspeise ein. Deshalb gilt bei Kuhns die Regel: Vor allem in der Ferienzeit – im Sommer wie im Winter – dürfen Maultaschen nie ausgehen.

Allerweltsnudel

Das findet Lilija Leongart auch. Sie lernt im dritten Jahr Metzgereifachverkäuferin und ist mit Pelmeni aufgewachsen, der russischen Maultasche. Die ist mit Hackfleisch gefüllt, garantiert ohne Grünzeug. Solche Nudeltaschen sind immer gut für ein schnelles Essen, findet Leongart. Sonst wären sie nicht in aller Welt beliebt: Jiazoi und Wan Tan in China, Gyoza in Japan, Piroggen in Polen, Ravioli und Schlutzkrapfen in Italien.

 

Galerien

Regionale Events

Würth feiert Jubiläum

Würth feiert 2020 Jubiläum mit den Würth Philharmoniker, Open Air und einem Tag der offenen Tür.