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Über Jesus rappen

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Für viele Laien steht Hip-Hop für eine Musik der harten Jungs, die sich durch provokante Texte beweisen wollen. Philip Obrigewitsch alias Fil da Elephant ist Diakon und Hip-Hopper. Sein Musikgenre: Christlicher Hip-Hop. Fil meint: "Leider verwechseln viele Menschen den Musikstil mit dem Inhalt. Es gibt auch sehr viel Poetisches, Intelligentes, Weltverbesserndes oder einfach schöne Hip-Hop-Texte. Mir als Rapmusiker tut es weh, wenn mein Musikstil immer nur mit einem Inhalt wahrgenommen wird.“

Gemeinsam mit ihm lernten knapp 40 Konfirmanden in der Böckinger Kirchengemeinde, wie man einen Raptext schreibt und was zu beachten ist. "Fil“ erzählte dabei viel über Hip-Hop-Kultur und wieso Rap mehr ist, als nur Angebermusik. Außerdem sprach er über Mobbing und Ausgrenzung – denn genau darum sollten sich die ersten selbstgeschriebenen Zeilen der Jugendlichen drehen. Zum Ende des Workshops waren einige Textblätter vollgeschrieben und ein paar Mutige trauten sich, ihre Textentwürfe vorzustellen. Fil zeigte sich begeistert: "Böckingen kann was. Definitiv!“

Nach dem Workshop – und einer kleinen kulinarischen Stärkung – ging es dann mit einem ungewöhnlichen Gottesdienst in der Versöhnungskirche weiter. Schwarzlicht, bunte LED-Strahler und große Lautsprecher veränderten das gewohnte Bild der Kirche. Böckingens erster Rap-Gottesdienst konnte starten. Nach einem gerappten Vater Unser und einigen weiteren Songs folgte eine Predigt zu Zachäus – und noch einige Lieder. Konfirmanden und Pfarrer zeigten sich begeistert: "Das müssen wir eigentlich nächstes Jahr direkt wieder machen!“

Bei einem weiteren Konzert in Gochsen durften Jugendliche aus Niedernhall ein Interview mit ihm für "Stimmt!" machen.

Hip-Hop und Glaube stehen für ihn nicht im Konflikt. Viele seiner Fans sind von seinen Liedern sehr berührt. Kommentare wie z.B.: "Dieses Lied hat mir in schwierigen Phasen des Lebens weitergeholfen – bin zwar Atheist, finde aber die Musik trotzdem verdammt nice", schreiben ihm Fans.
"Ich glaube, jeder Mensch ist von Gott einzigartig geschaffen und auch mit einzigartigen Talenten ausgestattet. Ich bin fest davon überzeugt, dass jede schwierige Situation im Leben mich auch wachsen lässt und ich mit Gott an meiner Seite siegreich sein kann und sagen kann, ich lerne etwas dazu", meint der Musiker. "Steh auf, geh da raus, gib alles, gib nicht auf!" - ein Lied schrieb er auch für den Boxeuropameister Alexander Dimitrenko.
 
Wie geht deine Familie mit dem Fame als Rapper um?

So viel Fame ist es nicht. Unser Leben läuft größtenteils sehr normal. Die Familie muss damit umgehen, dass ich oft weg bin. Dafür bin ich auch oft tagsüber da. Ich kann mich dann um die Kids kümmern; dafür bin ich oft am Wochenende weg, oder abends oder nachts. Bis jetzt finden sie es cool. Meine Kinder sind sieben und elf Jahre alt und sie feiern natürlich, dass Papa ein Rapper ist, und sie kennen die CDs auswendig. Sie finden es voll cool und sagen es auch zu ihren Freunden: 'Mein Papa ist Rapper.' Wenn sie dann mal Jugendliche sind, werden sie mich vielleicht ein bisschen peinlicher finden, aber im Moment finden sie es einfach super. Schön, dass meine Frau stolz auf mich ist und sagt: 'Schön, du kannst das und machst das gut.' Das ist ein wunderschönes Gefühl.

Eine YouTuberin hat dieses Video hochgeladen:

Als Reaktion kam dieses:

 

Wie siehst du Deutschrap und Gospelrap?

Leider verwechseln viele Menschen, auch diese YouTuberin, den Musikstil mit dem Inhalt. Es gibt viel sexistische, dumme, gewaltverherrlichende deutsche Rapmusik – aber auch eben viel poetisches, intelligentes, weltverbesserndes oder einfach Schönes. Mir als Rapmusiker tut es weh, wenn mein Musikstil immer nur mit einem Inhalt wahrgenommen wird.Die "Reaktion“ des anderen YouTubers war leider ähnlich flach. Auch für ihn ist diese eine Art Deutschrap "der“ deutsche Rap, nur dass er ihn eben gut findet…

Es war eine Pressekonferenz, die höchstwahrscheinlich in die Annalen der Bundesliga eingehen wird: Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic teilten gegen Medien, Experten und Spieler am vergangenen Freitag kräftig aus - Wie denkst du darüber?

Meine Meinung dazu ist recht easy: "Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ (Matthäus 7,12) In meinen Augen blamiert sich, wer mit hohen Standards behandelt werden möchte aber sich selbst nicht an diese Wünsche hält. Deshalb kann ich nur lächeln, wenn die hohen Herren zwar über Jahre austeilen konnten, aber nach drei Spielen schon wütend sind, wenn sie selbst hart kritisiert oder auch ausgelacht werden. Es ist grundsätzlich richtig, wenn ein Verein sich hinter seine Spieler stellt. Das ist sogar sehr zu begrüßen! Aber guten Stil kann man den Herren leider nicht unterstellen. An die Bayern Funktionäre würde ich gerne folgende Worte richten: "Veränderung beginnt immer bei einem selbst."

Maja Loretta, die zu dem Zeitpunkt todkrank war, war auch einmal Besucherin auf einem deiner Konzerte. Sie musste von einer Freundin gestützt werden. War das für dich nicht auch "Gänsehaut pur"?

Maja war todkrank, schon als junges Mädchen. Sie hat sich nicht unterkriegen lassen und ihr Leben genossen und ist dann auch angstfrei in das nächste Leben gegangen, das ewige Leben. Sie war tatsächlich einmal bei einem Konzert von uns. Im Vorfeld haben wir kommuniziert und sie meinte, sie bräuchte einen Platz, wo sie eher im Hintergrund sitzen kann, weil sie sehr empfindliche Knochen hat. Ein Schubser oder Hinfaller wäre schon körperlich sehr schwierig geworden. Wir haben dann alles vorbereitet, dass es hinten einen Sitzplatz gab. Aber sie hat dann vorne in der ersten Reihe vor der Bühne verbracht und sie hat gefeiert und getanzt. Es war eine Riesenfreude, sie so zu sehen, und ihre beste Freundin war dabei und hat ihr im wahrsten Sinne des Wortes ihren Rücken geschützt. Sie stand hinter ihr, sie hat auf sie aufgepasst. Das war richtig schön. Und als es daran ging, sich hinzusetzen, hat die Freundin sich auf ein Bein gekniet und das andere als Sitzplatz für die Maja zur Verfügung gestellt. Da saß Maja dann drauf. Das war ein unglaublich schöner Anblick, dass Freundschaft auch trägt und dass sie Schwächen ausgleicht. Das hat auch nochmals mein Denken auf den Kopf gestellt und mich überzeugt.

Maja Loretta hat gesagt "Wir laufen durch die Straßen und schauen nicht nach links und rechts. Wir hören nicht mehr die Stimmen von anderen Leuten. Die Leute suchen gar nicht mehr deine Augen. Wir verkriechen uns so in unseren Medien." Wie stehst du zu diesen Aussagen?

Es gibt ja mittlerweile den Begriff Head-Down-Generation. Einfach den Blick aufs Handydisplay, kaum noch auszuhalten, wenn irgendetwas mal nicht ist, wenn man mal offline ist oder keinen Akku hat. Es fällt uns sehr schwer, auch die anderen Zeiten zu genießen, abzuschalten. Ich glaube, wenn es etwas gibt, wobei wir dringend fasten sollten, dann ist das unser "Onlineleben“.

Bei YouTube wird einem immer das perfekte Leben vorgespielt. Alles sieht nach Friede, Freude, Eierkuchen aus. Es kommt oft nichts Negatives, oft ist alles fernab der Realität. Manche YouTuber verarbeiten auch Schickschalsschläge in ihren Videos:

 

 

Wie findest du so etwas? Gibt es da auch Grenzen?

Ich finde es richtig, dass YouTuber Schicksalsschläge in ihren Videos verarbeiten. Aber ich finde, es ist ein Feld, wo es ein bisschen Pietät braucht. Ich kann einen Schicksalsschlag vermarkten und versuchen damit irgendwie Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das finde ich ein sehr gefährliches Feld. Ich finde ein Schicksalsschlag ist etwas, bei dem ich, wenn ich darüber hinwegkomme, Hoffnung für andere schöpfe. Und ich finde, dass wir viel mehr Dinge tun müssten, die anderen in schwierigen Zeiten wieder Hoffnung geben. Das ist super. Aber es ist natürlich auch ein 'dünner‘ Bereich. Zu merken, ich brauche da ein bisschen Pietät. Ich kann mich da nicht in Plattitüden flüchten bzw. Oberflächlichkeiten heraushauen. Und ich mache mich angreifbar. Ich hatte da einen Schicksalsschlag. Beispielsweise: Ich habe den Song 'Trotz all dem Schmerz‘ geschrieben und da geht es darum, wie ich damit umgegangen bin, mit Familie und Gewalt, und auch was mein Hass und mein Zorn war. Für manche Leute war das sehr schwierig zu hören, dass ich meinen Vater töten wollte als Jugendlicher und eine Riesenwut auf ihn hatte. Viele haben mich sehr ermutigt, und vieles habe ich auch als Feedback bekommen, was dann sehr schwierig war. Du bist sehr persönlich betroffen von einem Feedback. Ich finde diejenigen, die Schicksalsschläge über YouTube und in Musikvideos verarbeiten wollen, gut daran tun, erst mal mit guten Freunden zu reden, einen guten Stil und eine gute Art zu finden und erst ihre Motivation zu klären.

Die Rapperin Lumaraa hat ein Album von sich "Gib mir mehr" genannt. Weil sie sich noch so viel vom Leben erhoffe und das, was sie gemacht hat, noch lange nicht alles gewesen sein soll. Deswegen "Gib mir mehr. Gib mir mehr Beats. Gib mir mehr Lyrics. Gib mir mehr Musik.“ Ihr Album ist Lebenssehnsucht pur. Wie sieht für dich dieses "mehr" aus?
 

Kann ich nachvollziehen. Paulus sagt das ja auch. Wenn die Botschaft von Jesus nicht stimmen würde, dann lasst uns essen und trinken, feiern und fröhlich sein, weil danach eh alles herum ist. Es gibt wirklich zwei Möglichkeiten. Entweder du holst aus diesem Leben wirklich alles heraus, was du kannst, weil du nur dieses Leben hast, oder zu zielst auf die Ewigkeit, weil du darauf vertraust, dass ein guter Gott dir den Weg geebnet hat und du diesen Weg gehen kannst. Dann ist es Zeit, sich auf diesen Weg zu stellen. Ich habe mich für diesen Weg entschieden. Ich glaube an einen guten Gott, ich glaube an Jesus Christus. Ich glaube an eine Ewigkeit und daran, dass es sich lohnt, dass ich alles Mögliche auf der Welt verpasse. Wenn ich das nicht hätte, wäre "Gib mir mehr“ mein Lebensmotto.

Muss die Kirche moderner werden, damit vor allem jüngere Leute wieder einfacher Zugang zu ihr finden?
 
Ich glaube, 'moderner‘ ist das falsche Wort. Ich glaube nicht an eine modernere Kirche. Ich glaube an eine weniger institutionalisierte Kirche ohne diese Liturgie und Abläufe und Riten. Ich glaube, es geht nicht um Modernität, sondern es geht um Leben, Beziehungen, Freundschaften, um wieder guter Hoffnung zu sein. Ich muss nicht in eine Kirche hineinkommen und wissen, hier treffe ich Menschen, die etwas mit mir gemeinsam haben, die für mich sind, dass ich da ganz ruhig bin und jedem nur zunicken darf und nachher noch einen mäßig guten Filterkaffee trinken darf bei so einem halblauten Gespräch. Und dass es mehr so ein Sehen und Gesehen-Werden ist. Ich glaube, es braucht vielmehr einen Ort, wo ich nicht nur von einem Pfarrer, der ganz alleine diese Arbeit macht, sondern von ganz vielen Menschen als Mensch wahrgenommen werde. Und mit mir wird geredet. Und klar, man will dann auch Lieder singen, die man singen kann. Es ist schon schwierig, Kirchenlieder zu singen, wenn man keine Kirchenchorausbildung hat. Es braucht einfach eine sehr viel menschlichere Kirche, wo man mit seinem Leben vor Ort ist und Hoffnung tanken darf und nicht nur einer für die Lebenssituation unpassende Predigt zuhören muss und Lieder singen muss, die man nicht singen kann, und dann wieder herausgeht und gar nicht persönlich vorgekommen ist.

Die YouTuberin Dagi Bee meint: "Jeder hat seine eigene Vorzüge und ist perfekt, so, wie er ist“, auch meint sie: "Jede Veränderung ist auch eine neue Erfahrung!“ Wie stehst du dazu?
 

Ich kann beides vollkommen unterstreichen. Ich glaube, jeder Mensch ist von Gott einzigartig geschaffen und auch mit einzigartigen Talenten ausgestattet. Ich bin fest davon überzeugt dass jede schwierige Situation im Leben mich auch wachsen lässt und ich mit Gott an meiner Seite siegreich sein kann und sagen kann, ich lerne etwas dazu.
  
Im Lied "We are N“ singst du über Christenverfolgung. Gibt es auch Christenverfolgung in Deutschland?

Christenverfolgung ist ein spannendes Thema. Es gibt ja nicht nur Christenverfolgung – viele Religionen werden verfolgt. Ich schätze aber, das Christentum ist die am meisten verfolgte Religion. Sogar bis nach Deutschland hinein, wo du merkst: mir haben sie schon die Autoscheiben eingeschlagen, weil da 'Jesus‘ drauf stand. Ich habe über Facebook Beleidigungen und Bedrohungen bekommen. Ich habe schon auf Konzerten gemerkt: Leute rasten gleich aus und wollen ein paar Bierflaschen werfen, oder mein DJ und mein Sänger wurden bedroht. Trotzdem gilt es auch zu merken: Ich habe sehr viel Freiheit, über meinen Glauben zu reden. Und nach 2018 Jahren Christenverfolgung zu merken: Wir sind ja immer noch da – mit Gott an unserer Seite geht auch was.
 
Wie stehst du zu Martin Luther?

Manches Mal erschreckt mich Martin Luther. Auf der einen Seite hatte er einen klaren Gottesauftrag: Die Bibel zu übersetzen, gegen eine große Religion auch noch einmal für die Wahrheit der Bibel stehen. Das ist fantastisch. Er hat gerungen um Gnade, um Freiheit, um Nähe Gottes, um Erbarmen, um Vergebung. Und dass er dann zum Schluss seines Lebens so ein harter Mensch war, der eben die Juden so verachtet hat.
Er hat den Adeligen zugestanden, den Aufstand der Bauern mit Gewalt niederzuschlagen. Das macht mir Sorge. Ich bin als Christ unterwegs und verkünde Jesus und lebe für Nächstenliebe, für Feindesliebe, für Erbarmen für Vergebung, für Leben mit Jesus. Um dann festzustellen: das rettet dich nicht zum Schluss deines Lebens, trotzdem ein verhärteter, enttäuschter und verhärmter Mensch zu sein. Luthers Lebensleistung ist riesig. Und ich bin mit Freude evangelischer Diakon; das verdanke ich ihm. Sein Ende und seine Gedanken zum Schluss erschrecken mich trotzdem sehr. Ich habe den Eindruck, er hat auch den Weg der Liebe Gottes ein Stück weit verlassen und ist wieder verhärtet geworden. Martin Luther hat viel Tolles gemacht. Es tut weh zu sehen, wie jemand richtig viel bewegt hat und dann nicht in dieser Liebe geblieben ist.

Hast du das auch schon erlebt wie Dagi Bee, dass dich ein Lehrer nicht leiden konnte?


Ich hatte Lehrer, die mich sehr mochten. Ich weiß gar nicht warum. Und ich hatte Lehrer, die mich gar nicht mochten. Spannend für mich: Ich lerne eigentlich gerne fremde Sprachen. Bei Französisch haben mich zwei Lehrer gar nicht gemocht und mich schlecht behandelt und dann wollte ich kein Französisch mehr lernen. Ich war dann richtig schlecht in Französisch. Erst als ich Jahre später in Frankreich war, habe ich festgestellt: die Sprache ist total cool. Aber in der Schule wollte ich es nicht mehr lernen. Weil meine Lehrer und ich – das hat nicht gut funktioniert! Auf der anderen Seite denke ich auch, habe ich es nicht jedem Lehrer einfach gemacht.

Christen sind humorlos und Christen müssen immer freundlich sein. Wie stehst du zu diesen Vorurteilen gegenüber Christen?

Leider, leider sind so manche Vorurteile gegenüber Christen auch manches Mal wahr. Wenn ich Gott liebe und weiß, er hat meine Schuld vergeben, dann feiere ich viel. Auf die meisten Christen, die ich kenne, passt das Vorurteil eher nicht. 

In "Was du Liebe nennst" erzählt Bausa von einer Frau, in deren Arme er sich rettet, um zu vergessen, was war. Er holt sich für eine Nacht das, was sie Liebe nennt. Auch wenn die Liebe nicht echt ist, bietet sie ihm Trost für eine Nacht. Wie stehst Du zu "Fake Love“?
 
Das ganze "Fake Love“ ist wie Alkohol, Drogen und sonst was. Das ist alles billiger Trost und macht gar keinen Sinn. Du machst dein Leben kaputt und die Leute wissen es meistens auch. Es gibt nur eine Liebe, und die muss echt sein. Alles andere ist keine Liebe.
 
Lied von Fler: "Freunde werden Feinde, doch egal. Mann, ich muss weg. Ich geh' mein' Weg, tut mir leid, ich mach Schluss. Jetzt bitte sei nicht sauer, weil ich einfach mein Ding mache“ im Lied "Freunde werden Feinde“. Wie siehst du oft den Streit in der Gesellschaft und unter Christen, dass plötzlich aus Freunden Feinden werden?

 
Ich glaube, wir haben vergessen, was ein richtiger Freund wert ist. Ich erlebe ganz oft, dass Leute sagen: "Der hat sich verändert. Ich habe keinen Bock mehr, mit dem …“ und so. Und dann stellen sie fest, der war nie ein richtiger Freund. Ein Freund geht mit mir durch so viel Dreck. Ein Freund ist auch an meiner Seite, wenn mich die normalen Menschen hassen, weil ich einen Fehler gemacht habe. Ein Freund ist auch ehrlich zu mir. Ein Freund sagt nicht: "Ja, ja, alles, was du machst, ist cool.“ Ein Freund, wenn es nötig ist hilft mir bis ich verstanden habe, was richtig und falsch ist. Ein Freund kämpft mit mir, ein Freund streitet mit mir. Aber er liebt mich – fertig. Wenn es passieren würde, dass ein echter Freund mein Feind werden würde, dann hätte ich das größtmögliche Drama erlebt. Dann wäre jemand, der meinem Herzen ganz nahe ist … Die meisten Leute, die aus Freunden Feinde machen, die waren nie richtige Freunde.
 

In dem Lied "Weit weg“ von Bausa sind sehr viele christliche Gedanken enthalten. Er singt u.a.: "Ich werde Jesus Fragen stellen, bis er mich anschreit.“ Dürfen wir Jesus Fragen stellen?
 
Wir dürfen Jesus garantiert Fragen stellen. Wir dürfen mit ihm diskutieren, wir dürfen mit ihm streiten, wir dürfen ihn auch anschreien und alle Wut herauslassen. Ich denke, Jesus ist der geduldigste und offenste Gesprächspartner, den ich finden kann. Wenn ich eine Krise habe, dann diskutiere ich mit Gott. Wenn es mir nicht passt, dann schreie ich, diskutierte und heule ich, bis ich mich wieder abgeregt habe. Ich habe schon viele Streitereien mit Gott gehabt. Wobei ich zugeben muss, er hat viel öfter recht als ich.

Wie stehst du zu Frauenrap, wie z.B. Lumaraa, SXTN oder Ace Tee?

Grundsätzlich finde ich Frauenrap voll geil. Ich finde Frauenrap gibt es viel zu wenig. Ich habe einmal gehört, dass Frauen viel besser mit Sprache umgehen können als Männer, und dann frage ich mich, warum so wenige Frauen rappen. Weil: Eigentlich wäre das voll euer Ding. Also, ich bitte die Mädels, dass sie Rapperinnen werden.

Die Rapper Cro, Odd Future und Frauenarzt sind dafür bekannt, dass sie mit umgedrehten Kreuzen hantieren. Cro meint z.B. das Symbol habe keine Bedeutung bei ihm. Cro behauptet, dass er keine religiöse Botschaft vermitteln wolle, kein Satanist sei und es auch nicht böse meine. Dennoch nutzt er dieses menschenverachtende Symbol. Künstler wie Cro werden angehimmelt, ihre Mode gekauft und ihre Ansichten übernommen. Symbole wie das umgedrehte Kreuz werden automatisch mit den positiven Aspekten der Musik bewusst und unbewusst aufgenommen. Wie siehst du das?

 
Cros Maske – umgedrehtes Kreuz. Da habe ich erst gedacht, das ist ein Stilement und soll gar kein Kreuz darstellen. Das hat mich jetzt nicht so sehr aufgeregt. Ich bin eher irritiert, dass einige ein Kreuz tragen und gar nichts Christliches damit verbinden. Das Kreuz ist ein Folterinstrument. Wenn ich nicht das Kreuz mit der positiven Botschaft der Auferstehung verbinde, dann ist das so, wie wenn ich einen elektrischen Stuhl um den Hals tragen würde. Ich merke, dass die Leute die am massivsten gegenüber dem Christentum provozieren, doch die Leute sind, die am meisten suchen. Wenn ich jemanden mit Satanskreuzen und umgedrehten Kreuzen sehe, dann gehe ich ein offenes Gespräch über Jesus mit ihm ein. Jesus hat versprochen: "Wenn du mich suchst, dann wirst du mich finden.“

Beim Lied "Sonnenaufgang“ singst du: "Man kann mitten im Getriebe Gottes Liebe sehen – und wenn mir das Leben meine Beine bricht, kann ich trotzdem fliegen?“ Verbindest du dieses Lied mit einem Erlebnis aus deinem Leben? Wie hast du Gottes Liebe erfahren?

Darüber müsste ich jetzt ein Buch schreiben. Ich lebe jetzt 25 Jahren mit Jesus. Ich habe seine Liebe so oft erfahren. Ich erlebe Gottes Liebe täglich in so vielen Momenten. Ich habe erlebt, dass Gott mich so persönlich angesprochen hat und mich wirklich zum Heulen gebracht hat. Ich erlebe auch die Situationen, wo das Leben wirklich schiefgeht. Ich habe erlebt, dass ich eine schwierige Familie hatte, große Streitereien hatte – Menschen, denen ich eigentlich vertraut habe, die mir in den Rücken gefallen sind. Intrigen – wo Leute wirklich gegen mich gearbeitet haben. Und dann zu merken: Aber mit Gott stehe ich da drüber, als ob es keine Probleme auf der Welt geben würde. Wenn das Leben mir die Beine bricht, kann ich jetzt fliegen gehen.

Beim Lied "Wer hat behauptet“ singst du: "Wer hat behauptet, dass Christsein Spaß wie Freibier ist. Wer hat behauptet, Schwierigkeiten ... Niemand hat behauptet, dass es einfach immer gut geht. Du bist nicht allein.“ Geht es in diesem Lied um frustrierte Christen oder Ex-Christen? Was sind die Hintergründe von diesem Lied?

Es geht nicht um frustrierte Christen, sondern darum, gar nicht erst frustriert zu sein. Wenn ich jetzt Christ bin, dann hat Gott nicht gesagt, er macht an keiner Stelle irgendwelche Schwierigkeiten mehr für mich, sondern er hat gesagt, er ist immer dabei. In Psalm 23 sagt er ja nicht, ich verhindere für dich jeden Scheiß, sondern ich bin bei dir im Tal des Todesschattens. Du gehst weiterhin durch schlechte Situationen, aber du bist nie mehr allein. Sobald etwas schiefgeht, rufen wir zu Gott: "Gott, wie kannst du das zulassen? Gott hat nie gesagt, dass das nie passiert, sondern er hat nur gesagt: "Ich bin dabei, jetzt vertraue mir doch. Ich helfe dir.“

"Ich betrinke mich, dass ich klarkomme. Würde ich so sein wie du und nicht trinken, würde ich nicht klarkommen. Ich kann mit den ganzen Leuten ohne Suff nicht chillen“, meint Nura von dem Hip-Hop-Duo SXTN. Wie stehst du dazu, wenn man ohne Drogen nicht mehr mit seinem Leben zurechtkommt?

Das Leben kann echt kompliziert sein. Und wenn du viel auf der Bühne stehst, wenn du viel vorne bist, dann merkst du erst, wie scheinheilig oft das Leben ist. Wie viele Leute auch Show sind. Wie viel Druck auf dir lastest, wie viel du zu liefern hast. Wer alles etwas von dir erwartet. Und ich denke, das macht manche Menschen auch echt kaputt. Oft sind Künstler auch sehr kreative, sensible Menschen, und die müssen dann diesen Druck aushalten, und zeitgleich stellen sie fest, dass sie ausgebeutet werden. Ich sehe, dass viele in Drogen und Alkohol abdriften, um irgendwie zu Spaß oder zur Ruhe zu finden. Es funktioniert aber trotzdem nicht. Es ist irgendwie so wie diese "Fake Love“. Es ist ein Ersatzmittel – es löst nie das Problem. Das Problem kannst du nur selbst lösen, und nach meiner Meinung nur mit Gottes Hilfe. Ich bin sehr froh, dass ich ohne Drogen klarkomme.

Du hast einmal gesagt: "Einen unsichtbaren Gott, der nicht handelt, den brauche ich nicht“, oder: "Wir wollen Gott zutrauen, dass er aus einer Krise etwas Gutes machen kann.“ Wie hast du Gott in deinem Leben erlebt?

Gott hat sich mir gezeigt und hat sehr deutlich zu mir gesprochen. Er hat mein Herz berührt. Ich habe mir in der Vorweihnachtszeit die Kerze auf einem Gesteck angezündet und habe es dann vergessen, als ich das Haus verlassen habe, und dann ist bei mir die Bude abgebrannt. Danach hatte ich nichts mehr. Ich hatte noch die Kleider, die ich am Leib trug, meinen Geldbeutel und meinen Schlüssel und meinen Rucksack. Ich hatte große Sorge, dass das alles auf mich zurückfällt. Dass ich alles zahlen muss, die ganze Hausrenovierung. Das Verrückte war, dass ich drei Wochen vor diesem Brand eine Hausratversicherung abgeschlossen hatte. Auch weil mein Stiefvater gesagt hatte: "Du brauchst eine Hausratversicherung.“ Ich wusste gar nicht, was eine Hausratversicherung ist, und ich habe sie einfach abgeschlossen. Es war dann so, dass die Hausratversicherung den ganzen Inhalt meines Hauses mit Neuwert versichert hat. Und in meinem Haus waren nur gebrauchte Sachen. Die Möbel waren vom Sperrmüll und vom Flohmarkt und von Eltern und Verwandten, die uns so alte Dinge geschenkt hatten. Ich habe es dem Versicherungstypen gesagt: "Das war alles altes und wertloses Zeug.“ Und er hat gesagt: "Das ist egal. Es ist alles auf Neuwert versichert.“ Ein paar Wochen nach dem Brand war ich finanziell saniert. Ich wollte heiraten und ich hatte nicht das Geld, um auch nur ein gemeinsames Ehebett zu finanzieren. Danach hatte ich Geld, die komplette Wohnung zu renovieren. Als ich geheiratet habe, konnte ich mit meiner Frau in eine komplett eingerichtete Wohnung ziehen. Gott hat mich voll begleitet und auch getröstet.
 

"Glaube nicht alles, was du liest oder siehst. Sogar Salz sieht aus wie Zucker. Die Menschheit glaubt der Mehrheit, nicht der Wahrheit“, textet Daggi Bee. Bist du auch schon auf einer "Fake-Meldung“ hereingefallen?
 
Ich bin, glaube ich, noch nie auf eine "Fake-Meldung“ hereingefallen, weil ich Google benutze, wenn ich etwas lese und bevor ich es weiterverbreite … Viele Leute lesen etwas und verbreiten so etwas gleich weiter. Ich bin dafür verantwortlich, was ich verbreite und teile.

Was hast du so in nächster Zeit geplant? Wann kommt deine nächste CD heraus?

Ich mache gerade zwei Videodrehs fertig. Alleine jetzt im Oktober habe ich 19 Konzerte und 10 Workshops. Im November und Dezember werde ich mich vor allem um das Crowdfunding für das neue Album kümmern, denn ich möchte bis Pfingsten nächstes Jahr das neue Album veröffentlichen. "Audiofil“ soll auf dem Markt kommen. Es gibt dazu viele schöne Videos und einige Remixversionen. Ich hänge mich da richtig hinein, es wird mein bisher größtes Projekt. Ich bin sehr gespannt, wie das dann weitergeht.

 


 

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