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Neue Idee zum Erhalt des Wollhauszentrums

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Die Lösung für das Wollhaus steht aus, die Debatte um das Gebäude geht weiter. In seiner Masterarbeit an der Uni Stuttgart hat Architekt Felix Krummlauf ein Konzept zur Revitalisierung des Wollhauszentrums entwickelt mit dem Titel: Aufbruch statt Abbruch. Der 30-Jährige stammt aus Heilbronn und hat seine Pläne im Knotenpunkt Inselspitze präsentiert – auf Einladung des Planungs- und Baurechtsamts der Stadt Heilbronn.

Freie Herangehensweise

Die Pläne sind detailliert, als Student habe er "sehr frei“ an das Thema herangehen können. Fragen wie Finanzierbarkeit und statische Prüfung, die Uneinigkeit der Eigentümer oder Entscheidungen des Gemeinderats konnte der junge Architekt außen vor lassen.

Das Konzept zum Erhalt des Wollhauszentrums setzt auf eine weitreichende Umgestaltung innen wie außen: Geplant wäre "eine radikale Öffnung der Fassaden“ statt einer in sich geschlossenen Shoppingmall mit großzügigen Außentreppen. Dachflächen sind als öffentlich zugängliche Grünräume gedacht. Der Plan sieht vor, den Wollhausturm um sechs Geschosse aufzustocken – für Wohnungen.

Neue Ideen

Der flache Baukörper soll Handelszentrum bleiben: aber mit offenen Flächen und einer neuen Nutzung, etwa durch sogenannte Concept Stores, die auf Erlebniseinkauf setzen. Durch eine Dachöffnung soll Licht in den Innenraum strömen. Ein Supermarkt ist im Untergeschoss angedacht, auf der Ebene der Fleiner Straße könnte eine Markthalle realisiert werden. Gastronomie und moderne, gemeinschaftliche Büronutzung sind ebenfalls vorgesehen.

Dass Wollhaus erlebbar machen, ihm seine frühere Akzeptanz zurückgeben und als Teil der Heilbronner Stadtgeschichte erhalten, das ist das Ziel des Architekten. Krummlauf sieht seine Idee vor allem auch als Plädoyer für Nachhaltigkeit: "Es wird zu viel und zu voreilig abgerissen.“ Es sei um ein Vielfaches ökologischer, das Wollhaus umzubauen, statt es durch etwas Gleiches, Größeres zu ersetzen.“ Ein Neubau wäre "anonyme Architektur ohne Verbindung zum Ort“.

Skeptische Fragen

Beim Publikum in der voll besetzen Inselspitze finden die Vorstellungen des jungen Planers viel Anklang. In das Wohlwollen mischt sich bei manchen auch eine Portion Skepsis. "Wer soll die wunderschön gedachten Aufenthalts- und Flanierflächen finanzieren“, fragt sich zum Beispiel Apotheker und Wollhaus-Nachbar Dieter Harfensteller.

Auch Patrick Letzel hält eine Markthalle und alternative Handelsformen wie Start-ups nur für realisierbar, "wenn die Stadt Kosten übernimmt“. Dennoch gefällt dem Spielwarenhändler das Konzept des Architekten: "Man kann mit dem Wollhaus etwas machen, ein Abriss ist nicht die beste Idee.“

Lob und Unterstützung

Bei Schreibwarenhändlerin Eva Schnepf hat der Abend einen Meinungsumschwung bewirkt: "Ich kann mir jetzt vorstellen, dass man das Wollhaus stehen lässt.“ Die sensible Herangehensweise des jungen Architekten, neu zu planen und auf das Alte Bezug nehmen, das gefällt Stadtinitiative-Vorstandsmitglied Schnepf. Sie hält gar im Gemeinderat einen Sinneswandel für möglich. Nachwuchs-Architekt Felix Krummlauf erhält Unterstützung von gestandenen Kollegen wie Franz-Josef Mattes, der die Verzahnung des Gebäudes mit der Stadt und die Öffnung nach Außen lobt.

Seitens der Stadt "ist der Sachstand unverändert“, sprich Abriss und Neubau. Projektentwickler Strabag sei zuversichtlich, ihre Pläne in absehbarer Zeit hinzubekommen. Rathaussprecher Christian Britzke: "Diese Lösung favorisieren wir weiterhin.“

 

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