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Sichtbarer Klimawandel

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Plötzlich raschelt es im Hintergrund. Ein Ast ist zu Boden gefallen. Einfach so, es weht nicht das geringste Lüftchen. "Wenn der jetzt jemanden auf dem Weg erwischt hätte“, sagt Günter Glaser, Leiter des Grünbereichs im Bauhof Neckarsulm, und schüttelt sich.

Auswirkung der Trockenheit

Er steht mitten im kleinen Wäldchen neben Alt-Amorbach. 40 Bäume, vornehmlich Buchen, mussten hier diese Woche gefällt werden, weil sie abgestorben waren und damit zur Gefahr für die Verkehrssicherheit wurden. Es ist nicht der einzige Ort im nördlichen Landkreis, wo der trockene Sommer 2018 seine tödlichen Nachwirkungen zeigt. 

Die Buchen sind teilweise 70 bis 80 Jahre alt. Teilweise haben sie dieses Jahr gar nicht mehr ausgetrieben, andere sind zu zwei Dritteln braun. "Da passiert nichts mehr“, bedauert Glaser. Beim direkten Blick in den Wald, den viele Anwohner als Erholungsraum nutzen, scheint erstmal alles in Ordnung. Hier und da mal ein braunes Ästchen. Nur die vielen grünen Markierungsstreifen, die Glaser gesetzt hat, fallen auf. 

Das wahre Dilemma zeigt sich erst, wenn die Augen nach oben wandern. Immer und immer wieder braune Kronen. "Wir haben sehr viele Bäume, die von oben eintrocknen, weil das Wasser fehlt, um die Krone noch zu versorgen.“ Das bedeutet automatisch auch, dem Baum fehlen Nährstoffe, und er stirbt ab. 

Hitzebeständige Baumarten

Vor allem an der Peripherie des Waldes, wo die Pflanzen direkt der Sonne ausgesetzt sind, sind die Schäden am deutlichsten. Wird der Wald nun durch diesen ersten Schwung Fällungen lichter, vergrößert sich automatisch die Angriffsfläche. "Was dann nächstes Jahr ist, wage ich nicht, vorauszusehen.“

Die gefällten Bäume werden erstmal liegenbleiben. Zur Aufbereitung – zu mehr als Feuerholz taugen die Stämme eh nichts mehr – ist erstmal keine Zeit. Der nächste Schritt wird im Herbst die Aufforstung sein. Doch mit welcher Art? Darüber wird intern heftig diskutiert. "Die einheimischen Hölzer haben inzwischen Probleme mit dem Klimawandel, deswegen gibt es Überlegungen, stattdessen artverwandte wie die Douglasie oder die amerikanische Eiche zu pflanzen, die mit den trockenen Sommern besser zurechtkommen."

Nicht genügend Wasser bedeutet Stress für die Bäume, und das heißt, sie sind anfälliger gegenüber Krankheiten. Krankheiten, die hierzulande vor 15 Jahren noch keiner kannte. Kastanienminiermotte, Massariapilz an Platanen und Reißrindenkrankheit am Ahorn, die sogar für Menschen gefährlich sind – jede Art hat ihre eigenen Schädlinge. "Wenn einem ein bisschen was am Wald liegt, bekommt man Angst vor der Zukunft.“ 

Weitere Fällungen

Auch in der Stadt hat Neckarsulm einige Ausfälle zu verzeichnen, und damit ist sie nicht allein. "Wir haben für die nächsten Wochen Fällungen geplant“, kündigt zum Beispiel Christoph Lenz, Bauhofleiter in Möckmühl, an.

Das Eschentriebsterben an einigen Stellen und abgestorbene Fichten zwingen dazu. "Wenn man auf die Hänge sieht, sieht man direkt die trockenen Fichten – ein Zeichen für den Klimawandel.“ Selbst bei den Stadtbäumen trete das Problem schon auf. 

Grundsätzlich leiden die städtischen Bäume genauso an der Trockenheit wie die im Wald, berichtet auch Michael Förch, Bauhofleiter in Bad Friedrichshall. "Wir mussten deswegen aber noch keine fällen.“ Der Kontrolleur, der das Baumkataster abgeht, berichtet allerdings davon, dass immer mehr Totholz rumliegt, und das trotz regelmäßiger Pflegemaßnahmen.

Da braucht es eben nicht mal mehr einen Windstoß.

 

 

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