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Kampf um den Verkehr

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Auf deutschen Straßen sind im vergangenen Jahr 445 Radfahrer tödlich verunglückt – 63 mehr als im Vorjahr und die höchste Zahl seit 2009. Der Fahrradclub ADFC macht als häufigste Ursache für schwere und tödliche Unfälle Kollisionen von Radfahrern mit motorisierten Fahrzeugen aus, etwa beim Abbiegen oder Kreuzen. In der Stadt Heilbronn wurde 2018 kein Radfahrer getötet. Allerdings gab es mit 161 Unfällen gut 30 mehr als 2017. In zwei Drittel der Fälle waren laut Polizei die Radfahrer Verursacher. Besonders häufig habe es gekracht, weil sie auf dem Gehweg fuhren oder den Radweg falsch herum nutzten. 

Mehr Platz fürs Rad

Der ADFC fordert in seiner Kampagne "MehrPlatzFürsRad" gute Radwege, sichere Kreuzungen und mehr Fahrradparkplätze. Wie ist es um die Infrastruktur in Heilbronn bestellt: Ist sie für Radfahrer durchgängig nutzbar? Wird ihnen genug Platz eingeräumt? Wo lauern Probleme? Dazu haben wir beim ADFC Stuttgart nachgefragt und die Stadt Heilbronn um Stellungnahme gebeten. Hier drei Beispiele, weitere Berichterstattung zum Thema folgt:

Schutzstreifen

Schutzstreifen: Das ist eine niedrige Kategorie der Infrastruktur für Radler. Schutzstreifen sind ein Teil der Fahrbahn, der durch eine unterbrochene Linie gekennzeichnet ist. In Heilbronn gibt es sie häufig, zum Beispiel von der Innenstadt in Richtung Bahnhof, in der Wollhausstraße oder im Bereich Finanzamt.

Motorisierte Fahrzeuge dürfen einen Schutzstreifen bei Bedarf überfahren oder darauf halten.
Das wirft in der Praxis Probleme auf. Beispiel: Eigentlich muss ein Autofahrer mindestens eineinhalb Meter Abstand halten, wenn er überholt. "Doch es gibt viele Schutzstreifen, wo der Autofahrer gar nicht mit so viel Abstand überholen kann", sagt Gudrun Zühlke, die ADFC-Landesvorsitzende. Statt in so einem Fall vorschriftsgemäß hinter dem Radler zu bleiben, neige so mancher Autofahrer zum Regelbruch.

Zühlke: "Er wird geradezu eingeladen, ein Delikt zu begehen." Also entweder mit zu geringem Abstand zu überholen oder die durchgezogene Linie zum Gegenverkehr zu überfahren. Schutzstreifen sind in ihren Augen nur "in ganz wenigen örtlichen Fällen eine gute Lösung".
Stadt-Pressesprecher Christian Britzke weist auf die "baulichen Zwänge in vielen Räumen des Straßennetzes" hin. Diese erlaubten es nicht, eine vom Kfz-Verkehr getrennte Rad-Infrastruktur anzubieten. "Hier wird, sofern möglich, der Schutzstreifen realisiert. Dort, wo es die Platzverhältnisse zulassen, haben separate und komfortable Rad-Infrastrukturen Priorität."

Halten

Halten auf dem Schutzstreifen: Das ist für Autos erlaubt – allerdings für höchstens drei Minuten. In der Theorie müssen die Fahrer im Fahrzeug bleiben und wegfahren, sobald sich ein Rad nähert. In der Praxis sieht es eher so aus, dass der Radfahrer dem auf dem Radstreifen haltenden Auto ausweichen und sich dafür in den fließenden Verkehr einordnen muss. Gudrun Zühlke spricht von "völlig rücksichtslosem Verhalten" der Autofahrer. Eigentlich müsse das Ziel sein, eine sichere, durchgängige Rad-Infrastruktur in der Stadt für Verkehrsteilnehmer von acht bis 88 Jahre zu schaffen, sagt Zühlke. "Wenn das Kind wegen eines haltenden Autos auf die Straße ausweichen muss, ist das nicht gegeben." Christian Britzke weist auf "verschiedene Kampagnen für ein Miteinander im Straßenverkehr" hin. 

Radweg

Radweg am Neckar: Gudrun Zühlke findet: "In Heilbronn ist in Sachen Rad-Infrastruktur nicht alles schlecht, aber die Stadt hat noch erheblich was vor sich." Durchgängige, sichere Verbindungen durch die Stadt seien nötig, findet sie. "Das achtjährige Kind muss sicher bis zum Ziel kommen." Ein großes Problem macht sie am Neckarufer aus. "Den Hauptradweg zur Gastromeile umzubauen, war ein maximaler Fehler der Verwaltung.“ Es sei "absolut blauäugig", davon auszugehen, dass sich in dem Bereich "alles irgendwie selbst regle". Zühlke sagt: "Die Heilbronner geben sich Mühe, aber das ging voll daneben. Die Hauptradroute muss dringend um die Gastronomie herumgeleitet werden."
Christian Britzke schreibt: "In der Unteren und Oberen Neckarstraße wurde die Beschilderung überprüft. Sie war teils widersprüchlich und nicht lückenlos. Um die Verkehrssicherheit für Fußgänger zu gewährleisten, wurde beschlossen, den Bereich als Fußgängerzone mit dem Zusatz ´Radfahrer frei` auszuweisen. Wir prüfen Alternativrouten für den schnelleren Radverkehr."

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