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Partnerschule in Kenia

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Eine angespannte Aufgeregtheit liegt in den hunderten Blicken dunkelhäutiger Gesichter. Die Bishop Sulumeti Girls High School hat sich komplett im Garten in Kakamega versammelt, um die Neuankömmlinge zu begrüßen: 752 Schülerinnen in Uniform mit rotem Rock, weißem Hemd, roter Weste und Krawatte. Gemeinsam mit der 38-köpfigen Lehrerschaft samt Rektorin Jane Cheloti an der Spitze heißen sie die deutschen Schüler der Heilbronner Christiane-Herzog-Schule willkommen. 

Zehn Jahre Austausch

Gefördert durch das entwicklungspolitische Austauschprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (Ensa) feiert das Gymnasium der Landkreisberufsschule mit dem kenianischen Mädchengymnasium ein kleines Jubiläum. Die Biologin und Lehrerin Silke Fischer hat das Projekt vor zehn Jahren gemeinsam mit ihrem früheren Kollegen Raimund Pousset ins Leben gerufen. Jetzt ist sie hier mit ihrer jungen Kollegin Laura Eisenhauer und 17 Schülern, zwischen 17 und 19 Jahre jung, fast alle zum ersten Mal in Afrika. Drei Wochen lang.

Es ist eine Reise in eine andere Welt. Dies wird schnell sichtbar. "Dass die Straßen so schlecht sind und die Kinder auf dem Markt Klebstoff schnüffeln, das hat mich betroffen gemacht“, sagt die 18-jährige Sina Proft aus Flein. "Hier ist alles voll, es gibt viel Verkehr, und man muss aufpassen, dass man nicht umgefahren wird“, hat der 18-jährige Michael Schöllmann aus Heilbronn festgestellt. 

Andere Lebensumstände

Ja, die jungen Deutschen betreten einen neuen Raum. Kilometerlange staubige rote Lehmstraßen, denen der Asphalt fehlt, weil er gerade erneuert wird. Hohe Bodenschwellen inner- und außerhalb der Ortschaften zwingen zur Geschwindigkeitsreduzierung und lähmen den Verkehrsfluss erheblich. Aus alten Holzlatten zusammengezimmerte Straßenstände mit Wellblechdächern ziehen sich gemeinsam mit farbigen Läden aus Stein wie ein endloser Wurm durch die belebten Dörfer und Städte. Hier wird die Armut greifbar. Aus Lautsprechern dröhnt laute Musik, es riecht nach Abgasen der Motorräder, Autos, Sammeltaxis und Lkws.

Vom pulsierenden Leben da draußen bekommen die Schüler in der Sulumeti High School nichts mit. Die Einrichtung ist benannt nach Bischof Philipp Sulumeti. Ende der sechziger Jahre arbeitete der junge Geistliche in einer katholischen Gemeinde im Odenwald, wurde in der Familie von Raimund Pousset aufgenommen und erhielt als Abschiedsgeschenk von der Gemeinde einen Mercedes. Da er sich als Geistlicher mit diesem Wagen schlecht in der armen kenianischen Heimat sehen lassen konnte, wurde der Wagen verkauft, Philipp Sulumeti kaufte stattdessen Land und baute in Kakamega, im Westen Kenias, eine Schule

Gemeinschaftlich helfen

Seitdem entwickelt sich das Internat. "Diese Schule wäre nicht auf diesem Stand, wenn wir nicht die Unterstützung der Christiane-Herzog-Schule hätten“, ist Rektorin Jane Cheloti, die die Schule seit einem Jahr leitet, überzeugt. Auf dem großzügigen Campus mit vielen Grünflächen sind Schlaf- und Klassenräume, ein Verwaltungsgebäude für Büros, Lehrerschaft und Schulleitung, eine Mensa, ein Küchengebäude und eine mit Geldern der CHS gesponserte Bücherei. 25.000 Euro hat das 2011 begonnene und 2017 eingeweihte Gebäude gekostet. Für diese Unterstützung sind die Kenianer sehr dankbar.

Die jungen Mädchen durchlaufen die Schule in vier Jahren. Jetzt sind die Deutschklassen der 31-jährigen Purity Bagada mittendrin. Es ist eine spannende Erfahrung, zu sehen, wie sich die Deutschen und die Kenianerinnen in nur wenigen Tagen durch den Austausch näherkommen.

Unterrichtsbesuche, Präsentationen in gemischten Zweierteams über die unterschiedlichen Lebenswelten auf Deutsch und Englisch, gemeinsames Essen, Ausfahrten zum Sonnenaufgang in den Regenwald von Kakamega, der Besuch einer Klinik, in der Frauen mit Scheidendarmfisteln behandelt werden und viel Raum für den intensiven Austausch sorgen für ein besseres Verständnis auf beiden Seiten.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

"Die Menschen hier sind sehr offen, und man bekommt schnell das Gefühl, als wäre man schon einmal hier gewesen“, sagt die 19-jährige Lea Seeger aus Ilsfeld. "Ich finde es schön, von Kenia zu lernen. Die Leute sind zufrieden mit dem, was sie haben“, meint Clara Matulla (18) aus Bad Rappenau. Das könnte man tatsächlich glauben, weil Kenianer viel und gerne lachen.

Auch die Kenianerinnen lieben die Partnerschaft. "Ich mag diesen Austausch sehr und die Gespräche und möchte wissen, was in Deutschland passiert“, erzählt die 17-jährige Winnie Odima. "Ich muss hoffen, dass ich weiter an dieser Schule bleiben kann.“ Ein Schuljahr kostet etwa 450 Euro für Unterbringung, Verpflegung und Unterricht. Ihre Träume unterscheiden sich gar nicht so sehr von denen der jungen Deutschen, sind manchmal jedoch ein wenig exotischer. Doch der Weg dürfte für sie ein ganzes Stück weiter und hürdenreicher sein. Winnie Odima möchte Astronautin werden. "Mich interessiert, was dort oben im All vor sich geht.“ 

 

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