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Ziele des Kenia-Austauschs

Übersicht

Die Biologin und Lehrerin der Christiane-Herzog-Schule (CHS), Silke Fischer, hat 2009 eine Schulpartnerschaft mit der Bishop Sulumeti Girls High School, einem Mädchengymnasium im kenianischen Kakamega ins Leben gerufen. Diese beinhaltet einen regelmäßigen Austausch in beide Richtungen. Im Stimme-Interview spricht die 49-Jährige über ihre Erfahrungen

Andere Umwelt kennenlernen

Frau Fischer, was ist die Zielsetzung dieses Austauschprogramms?

Silke Fischer: Wir wollen den kenianischen wie deutschen Schülern ein realistisches Bild des Lebens des jeweils anderen vermitteln. In den Vorgesprächen wird oft deutlich, dass viele, die noch nicht im jeweils anderen Land waren, ein kolonial geprägtes Bild haben. 

Welche Erfahrungen sammeln die Schüler?

Fischer: Häufig gibt es die Erkenntnis, dass die kenianischen Teenager nicht viel anders ticken als unsere Deutschen und ähnliche Wünsche und Träume haben. Dass der Unterschied gar nicht so groß ist wie gedacht. Und dass der Begriff Entwicklungsland unscharf ist. Kenia ist uns in einigen Dingen überlegen, hat flächendeckend funktionierendes WLAN, eine große IT-Start-Up-Szene und einen deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien als Deutschland. 

Vorurteile abbauen

Wie profitieren die kenianischen Schülerinnen?

Fischer: Für diejenigen, die Deutsch lernen, ist dies eine große Chance, sich mit deutschen Schülern im direkten Austausch zu unterhalten. Sie bekommen eine Idee von unserem Leben hier, können Vorstellungen korrigieren und sehen, dass nicht alle Deutschen Rassisten sind. Die Nazi-Zeit ist dort noch ein verbreitetes Bild. Überrascht sind sie, dass Deutschland so grün ist. 

In welchen Themenfeldern können wir vom kenianischen Schulsystem lernen?

Fischer: Die duale Ausbildung verliert bei uns an Bedeutung. Das ist ein Problem, weil die mittelständische Industrie auf Praktiker und Handwerker angewiesen und dieses System für manche Schüler sinnvoller als ein Studium ist. Kenia baut die berufliche Bildung nun auf, während ihr Stellenwert bei uns in Deutschland sinkt

Projekte und Stipendium 

Welche Unterstützung leistet die CHS für die Partnerschule?

Fischer: Der Hauptpunkt ist der regelmäßige Austausch. Außerdem finanzieren wir über unseren jährlichen Spendenlauf ein Schulstipendium. Unser Alumni-Verein Connecting Youth finanziert über Spender ein zweites. 

Auch Infrastruktur wurde geschaffen.

Fischer: Ja, die Schul-Bibliothek. Das war ein Gemeinschaftsprojekt von CHS, Alumni-Verein und Afrika-Hilfeverein, den mein Ex-Kollege Raimund Pousset betrieben hat. Ein solches Großprojekt mit 25.000 Euro zu finanzieren verschiebt aber den Schwerpunkt. Wir sind ja ein Projekt zur entwicklungspolitischen Bildung und keine NGO. 9000 Euro für Toiletten zu sammeln, wie wir es nun tun, das ist aber in Ordnung. 

Was ist aus den kenianischen Absolventen geworden?

Fischer: Einige sind Lehrer geworden. Das liegt daran, dass das Lehramtsstudium das billigste ist. Das kostet 800 Euro pro Jahr. 

Austausch der CHS

Ihr wollt mehr zum Kenia-Austausch der CHS erfahren? Klickt hier, um mehr über die Erfahrungen beider Seiten zu lesen.

 

 

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