Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

"Es gehört zur Verantwortung, sie mit anderen zu teilen"

Übersicht

Mancher Jugendliche ist froh, wenn der Unterricht endet und er die Schule nicht mehr sehen muss. Las Rabaty, der das Abitur am Neckarsulmer Albert-Schweitzer-Gymnasium macht, hat sich für seine Schule engagiert. Auch in seiner Freizeit bringt er sich ein: Es passe nicht zu ihm, sagt der Bad Friedrichshaller, würde er sich aus allem raushalten. 

Bei "Schule als Staat" am Gymnasium waren Sie Wirtschaftsminister. Sehen wir Sie in ein paar Jahren als Minister in der Landesregierung?

Las Rabaty: Das ist eine interessante Vorstellung. Ich kann mir vorstellen, später etwas mit Politik zu machen. Aber mir ist die Tagespolitik derzeit nicht transparent genug, sie ist nicht nah genug am Bürger dran. Ich kann deshalb nicht sagen: Ich will genau zu der einen Partei gehen und dieses eine Amt haben. Meiner Ansicht nach muss es Veränderungen geben, kein stumpfes Weiterso. Es wäre schön, wenn sich noch mehr Jugendliche in der Politik einfinden würden. Aber dazu müssen sich die Parteien offener und transparenter für uns gestalten. 

Welche Veränderungen erwarten Sie?

Rabaty: Ich sehe keinen Sinn darin, wenn man eine Partei und ihr Programm hat, sie aber dem Bürger nicht transparent und offen gegenübertritt. Viele sagen doch: Wir sind für alle Bürger da. Aber wenn es Probleme in der Regierung gibt, kommen sie mit Floskeln und Phrasen. 

Im Kleinen haben Sie bereits in der Schülermitverantwortung SMV sowie beim Planspiel "Schule als Staat" Verantwortung übernommen. Konnten Sie Ihr Politikverständnis einfließen lassen?

Rabaty: "Schule als Staat" dauerte drei Tage, die Organisation aber eineinhalb Jahre. Auf jeden Fall konnte ich meine Ideen einbauen, auch wenn es nur eine kleine Simulation des Staatslebens war. In den Tagen und der Organisationsphase sind mir so viele Facetten entgegengekommen. Als Minister musste ich den Bürgern Rede und Antwort stehen, ihnen erklären, warum die Verfassung so aufgebaut ist und warum es solche Maßnahmen gibt, warum wir nicht alle Wünsche umsetzen können. Wir haben den Wechselkurs und auch die Abgaben festgelegt. Ich habe immer versucht, mich in jene Bürger hineinzuversetzen, die nicht in die ganzen Entscheidungen und Planungen eingebunden waren. Es kam eine große Verantwortung auf uns zu. Drei Tage, 700 Schüler: Die Veranstaltung muss gut, interessant und wertvoll ablaufen. 

Haben Sie diese große Verantwortung als große Last empfunden?

Rabaty: Es war für mich keine Pflicht, sondern eine Verantwortung den anderen Schülern gegenüber. Wir haben schließlich das Projekt vorangetrieben. Ich wollte niemanden enttäuschen, und da entsteht eine große Last. Sie hielt sich aber in Grenzen. 

Warum engagieren Sie sich?

Rabaty: Ich sehe mich nicht nur als 17-Jährigen an, der in Neckarsulm zur Schule geht. Das ist für mich zu kurz gedacht. Mir ist meine Zukunft wichtig, und ich kann einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Mir ist die Solidarität in der Gesellschaft wichtig. Ohne sie wären wir nicht so weit gekommen – gesellschaftlich und zwischenmenschlich. Es passt deshalb nicht zu mir, würde ich mich aus allem Geschehen raushalten. Wenn man in einer Gesellschaft lebt, ist es besonders wichtig, seinen Beitrag zu leisten, auf Missstände hinzuweisen und zu versuchen, Probleme mit anderen zu lösen. 

Wie kam es dazu?

Rabaty: Meine Eltern haben mich so erzogen und mich stets darauf hingewiesen, auch mal etwas aus der Sicht anderer zu betrachten und nicht stur auf einer Meinung zu beharren. Hinzu kam noch mehr. 

Was meinen Sie?

Rabaty: Vor der Flüchtlingskrise hatte ich den Eindruck, dass Menschen mit Migrationshintergrund und solche ohne aufeinander zugehen und versuchen, den anderen zu verstehen. In den Jahren 2015 und 2016 kam der harte Schnitt. Meinungen, die beide Seiten über Jahre voreinander versteckt hatten, treten seither wieder hervor. Das kann ich nicht akzeptieren. Ich habe selbst einen Migrationshintergrund, für mich ist diese Entwicklung besonders schade. Jeder hat Verantwortung: Wenn alle nur wegschauen, kann niemand eingreifen, wenn etwas passiert. 

Wie versuchen Sie, die Gräben zuzuschütten?

Rabaty: Ich achte nicht darauf, ob jemand einen Migrationshintergrund hat oder nicht. Das ist mir egal. Im Freundeskreis schaue ich, dass ich bei Missverständnissen zwischen den Kulturen oder einer Diskussion eine Meinung vertrete, die ein Miteinander hervorbringt. Man sollte bei den Fakten bleiben und nicht Gefühltes vertreten. 

Werden Sie ernst genommen?

Rabaty: Es kommt auf den Menschen an. Manche gehen auf die Diskussion ein und möchten die Sichtweise des Gegenübers verstehen, andere beharren stur auf ihrer Meinung und lassen sich auch nicht umstimmen. 

Wie geht die Gesellschaft mit der Meinung Jugendlicher um?

Rabaty: Ich sehe viele Jugendliche, die sich engagieren und wichtige Meinungen vertreten. Sie wollen die Gesellschaft positiver und offener gestalten. Genauso gibt es welche, die sich bewusst abkapseln oder konservativ denken. Manchmal fallen wir leider in alte Denkmuster zurück und predigen das eine, machen etwas anderes. Das ist gesellschaftlich vorgegeben. 

Woran denken Sie?

Rabaty: Wir wollen, dass es der Umwelt besser geht, dass sich Konzerne und die Politik ändern. Trotzdem sehe ich Jugendliche, die Plastiktüten kaufen und nicht auf den Luxus verzichten wollen, den wir haben. Es braucht hier schon Eigeninitiative. 

Werden Sie dieser Verantwortung gerecht?

Rabaty: Nehmen wir den Klimaschutz. Ich allein kann nichts unternehmen, es braucht viele, die mitmachen. Wenn ich der einzige unter 20 Freunden bin, dann ermattet mich das. Manchmal stecke ich in der Zwickmühle: Kaufe ich ein Bioprodukt oder das günstigere? 

Wie entscheiden Sie?

Rabaty: Ich bin kein Heiliger. Aber in den letzten Monaten denke ich schon zwei Mal nach und kaufe dann das teurere Bioprodukt. 

Weil Sie im Frühjahr das Abitur machen, treten Sie jetzt in der SMV kürzer. Vermissen Sie die Verantwortung?

Rabaty: Vermissen ist sicherlich das falsche Wort. Es war ein positives Gefühl, diese Verantwortung zu tragen. Es ist aber genauso wichtig, mit ihr umgehen zu können. Wenn man merkt, dass es einem zu viel wird, muss man abgeben können. Es gehört genauso zur Verantwortung, sie mit anderen zu teilen, wenn es an der Zeit ist. Ich erkenne an, dass andere die Aufgaben schneller erledigen können. 

 

Galerien

Regionale Events

Würth feiert Jubiläum

Würth feiert 2020 Jubiläum mit den Würth Philharmoniker, Open Air und einem Tag der offenen Tür.