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Rassismus im Netz

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Ein Facebook-Post hat in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt und auch Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger im Rahmen einer Rede zum Volkstrauertag zu einer deutlichen Stellungnahme gegen Rassismus veranlasst. In dem Anfang September veröffentlichten Post war Schokoladengebäck unter dem Namen "Merkelgast" für 1,80 Euro angeboten worden. Urheber des Posts war der Lauffener Bäcker Heiko Schuler.

Joachim Geese, FDP-Stadtrat in Lauffen, bestellte "zehn Merkelgäste". "Ich habe die Waren weder hergestellt noch angeboten, sondern habe das Bild im Internet gefunden und auf Facebook gepostet", sagt Heiko Schuler gegenüber der Heilbronner Stimme

Fremdenfeindlich

Wer das Wort "Merkelgast" bei Google eingibt, landet schnell auf AfD-Seiten und bei fremdenfeindlichen Kommentaren. Dass der Begriff in diesen Kreisen regelmäßig verwendet wird, habe er nicht gewusst, und als ihn jemand darauf aufmerksam gemacht habe, den Post wenige Minuten später gelöscht. Letzteres scheint jedoch unwahrscheinlich, da Joachim Geese seinen Kommentar erst 23 Stunden später abgegeben hat. In diesem Zeitfenster hat ein Bürger einen Screenshot gemacht und sich damit an die Lauffener Stadtverwaltung gewandt. 

Gedankenlos

"Mit der AfD habe ich nichts am Hut", beteuert der Bäcker. "Und ich habe auch nichts gegen unsere neuen Mitbürger. Wenn ich gewusst hätte, dass sich Menschen angegriffen fühlen, hätte ich das gelassen." Er habe sich keinerlei Gedanken dabei gemacht, das Bild lustig gefunden. 

Ganz und gar nicht lustig fand es der Bürgermeister, der am Volkstrauertag im Totengedenken an das Schicksal des jüdischen Volkes im Dritten Reich erinnerte, Achtsamkeit anmahnte und sich deutlich dagegen wandte, Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe zu verunglimpfen. "Wenn in unserer Stadt ein Handwerker ein Gebäck unter dem Namen 'Merkelgast' anpreist, fällt dies auch darunter." Dieser Facebook-Eintrag sei "unmöglich", erklärte Waldenberger.

Enttäuscht

Auch der in Lauffen praktizierende Mediziner Joachim Geese gab – während seines Urlaubs – einen Kommentar im Facebook-Post ab, kann sich nach eigener Aussage aber nicht mehr an das Bild erinnern und erklärt, dass dort ein Text gestanden habe auf den er reagierte, weil er ihn lustig fand. Eine Patientin habe Joachim Geese nach seinem Urlaub in der Praxis auf diesen Post angesprochen und sich von ihm enttäuscht gezeigt. "Mir war der Begriff nicht bekannt, und ich wusste nicht, dass es sich um eine AfD-nahe Bezeichnung handelte", erklärte Geese am 14. September in einem der Stimme vorliegenden Brief an den Arbeitskreis (AK) Asyl in Lauffen und bat um Entschuldigung: "Ich bedaure, dass ich durch diese Äußerung unsere Asylanten und auch Sie persönlich beleidigt habe", schrieb er an den AK Asyl und deren Sprecherin Rotraut Schmalzried. Diese nahm die Entschuldigung an: "Joachim Geese hat sich vertan, war sich der Wirkung nicht bewusst und hat sich entschuldigt." Damit war die Sache für die Grünen-Stadträtin erledigt. 

Unbedacht

"Das war eine unbedachte Äußerung von mir, und damit muss ich klarkommen", so Geese gegenüber unserer Redaktion. Der Hausarzt betreut seit Jahren Geflüchtete und habe sich nach eigenen Worten nie darum gekümmert, ob die Problemlösung durch Versicherungsleistungen abgedeckt war. Er unterstütze viele in persönlichen und rechtlichen Problemen und habe mit potenziellen Arbeitgebern gesprochen, um den Geflüchteten zu helfen, einen Arbeitsplatz zu finden. "Ich distanziere mich von der AfD und ihrer Gesinnung", schrieb er weiter in seinem Brief. 

 

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