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Weihnachtszirkus ohne Wildtiere

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Bereits im Vorjahr hatte Zirkusdirektor Sascha Melnjak auf große Nummern mit Elefanten oder Raubkatzen verzichtet. Die Seelöwen aber, die beim letzten Gastspiel in der Manege noch ihre Kunststücke zeigten, dürften in diesem Jahr nicht mehr auftreten. Zum ersten Mal greift für den Heilbronner Weihnachtszirkus das von der Stadt erlassene Wildtierverbot. Das 21. Gastspiel hat am Mittwoch, 18. Dezember, Premiere auf der Theresienwiese

"Wir haben es gut hinbekommen ohne Wildtiere", sagt Melnjak. Statt Löwen und Elefanten bietet das neue Programm zwölf Hunde und drei unterschiedliche Darbietungen mit Pferden. "Bei Kindern haben Tiere im Zirkus einen hohen Stellenwert", erläutert der Zirkusdirektor die Herausforderung, ein spannendes Programm auch für kleine Zuschauer zusammenzustellen. "Kinder sind nicht in erster Linie von Körperbeherrschung fasziniert." Höchstleistungen der Artisten könnten sie häufig nicht ermessen. Bei den Nachmittagsvorstellungen machen Kinder 35 Prozent des Publikums aus.

Waghalsige Nummer

Eine Nummer ohne Tiere, die nach Ansicht von Sascha Melnjak Kinder ansprechen wird, ist der Auftritt der Simets aus Ungarn, die sich als Astronauten präsentieren. An einer drehenden Stahlkonstruktion, Senaphor genannt, zeigen die Artisten waghalsige Kunststücke. 

Besonders stolz ist der Zirkusmacher, dass erstmals gleich vier Preisträger in Heilbronn dabei sind, die beim berühmten Internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo mit der höchsten Ehrung ausgezeichnet wurden: einem Goldenen Clown.

Zu den Stars in der Manege zählen Merrylou und Jozsef Richter, die mit Pferden ein "Pas de deux" zeigen, mit dem sie die Trophäe gewonnen haben. "Sie gelten als das Traumpaar der europäischen Zirkuswelt", schwärmt Melnjak von dem deutsch-ungarischen Paar, den Heiratsantrag gab es in der Manege. Sie seien ein Beispiel dafür, wie sehr Persönlichkeit und Ausstrahlung den Erfolg im Zirkus bestimmen.

Merrylou stammt aus der deutschen Tierlehrerfamilie Cassely, die Elefanten hält. Gemeinsam treten beide auch in der Familiennummer als Jockeyreiter der "Troupe Richter" auf. "Ich bin froh, dass wir die Artisten nach Heilbronn holen konnten", sagt Melnjak. 2018 war die Truppe im Stuttgarter Weltweihnachtszirkus dabei. Ein Wiedersehen gibt es mit Robi Berousek und seiner Balancenummer auf der freistehenden Leiter. Im Vorjahr war der tschechische Artist in Heilbronn engagiert. Doch er verletzte sich gleich zu Anfang schwer am Knie. Ein doppelter Kreuzbandriss verhinderte auch seine Teilnahme in Monte Carlo. Nach langer Pause ist Berousek wieder aktiv und fährt nach dem Weihnachtszirkus auch ins Fürstentum. Wieder dabei ist Moderator Fabian Egli.

Flugtrapez

Dass Melnjak weltweit Artisten engagiert, kann zu Problemen führen: Diesmal wartet er auf das Visum für das Luftartistenduo aus Vietnam, die Antwort der Botschaft steht immer noch aus. Langsam wird es eng, demnächst sollten die Requisiten auf den Weg nach Heilbronn geschickt werden. Glücklicherweise gebe es mit allen anderen keine Probleme. Sechs Trampolinspringer kommen aus den USA, der Jongleur aus Chile, die Schleuder-Artisten aus Ecuador, die elfköpfige Flugtrapez-Truppe aus Argentinien. Melnjak hat das komplette Hotel Central am Bahnhof gemietet. 

Immer wieder neue Nummern zu engagieren, die sich im Stil und in der Disziplin unterscheiden, ist für Zirkusdirektor Sascha Melnjak seit langem eine Herausforderung – und ist durch das Wildtierverbot noch schwieriger geworden. Liebend gerne würde er weiterhin Artisten wie Alec Lacey engagieren: "Wir mussten uns mit dem Verbot abfinden, weil wir in Heilbronn noch ein paar Jahre weiter machen wollen mit dem Weihnachtszirkus." Er bleibe aber bei seinem Standpunkt: "Tieren geht es im Zirkus gut."

 

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