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Tour-Abschluss von Sarah Connor in der Porsche-Arena in Stuttgart

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Arg ungewöhnlich ist es nicht, dass bei einem Konzert ein paar Tränen beim Künstler fließen. Tendenziell am Schluss. Getragen von der Euphorie der Fans, gerührt, dankbar, erleichtert. Bei Sarah Connor kommen sie am Dienstagabend in der Stuttgarter Porsche-Arena etwas früher. Genau genommen: bei Song Nummer 1.

Als sie - sexy in hautenger schwarzer Lederhose und mit schwarzem Hut - am Ende des Laufstegs quasi langsam über eine versteckte Treppe plötzlich von unten auf die Bühne tritt, steht sie direkt vor ihm: dem Fanclub in der ersten Reihe, der ihr bis zu diesem letzten Konzert der Tour hinterhergereist ist. Treue, die die 39-Jährige sichtlich rührt. Den kurzen Texthänger bei "Hör auf deinen Bauch", der folgt, nimmt sie mit Humor und schiebt hinterher: "Manchmal erfinde ich auch neue Strophen."

Nahbar

Damit hat sie ihre Fans eigentlich schon in der Tasche. Selbstironie - eine Anspielung auf ihren einstigen Fauxpas beim Singen der Deutschen Nationalhymne - macht sympathisch. Nahbar. Überhaupt plaudert Sarah Connor mit ihren Fans, als säße man gemeinsam beim Feierabendbier. Was nicht heißt, dass hier nicht gesungen wird. Im Gegenteil. Zweieinhalb Stunden Show packt sie auf die Bühne. Keine Sekunde langweilig, und sogar für Sarah Connor selbst werden viele Momente zur Überraschung.

Sie ahnte es schon zu Beginn: Manchmal würden der Crew an so einem letzten Tour-Abend komische Dinge einfallen... Jägertee im Wasserglas zum Beispiel. Aber Sarah bleibt entspannt. "Ich hab heute kinderfrei, ihr auch? Dann bekommt ihr einen Schluck", sagt die Vierfach-Mami. Auch der Fanclub bietet einiges auf - Konfetti, mitgetanzte Choreographien, Bonbons, die beim Wort Süßigkeitentag in "Mein Jetzt, mein Hier" auf die Bühne segeln oder Papierflieger zu "Flugzeug aus Papier".

Arena wird zum Chor

Dass sie Musikerin und längst kein Popsternchen mehr ist, zeigt sich auch daran, wer mit ihr auf der Bühne steht: Band, Streicherformation und ein Backgroundteam mit Gospelsängern. Genau dieses Repertoire sorgt dann auch dafür, dass die Songs zu kleinen Feuerwerken mit Spannungsbogen werden. Leise, als Akustikversion oder A-cappella beginnend, wie "Bonnie & Clyde" oder "Schloss aus Glas", enden sie in einem herrlich vollen Stimmen- und Instrumenten-Finale.

Bei "Vincent", in dem sich alles um einen jungen Mann dreht, der seine Homosexualität entdeckt und sich schließlich traut, sie zu leben, wird die Arena zum Chor. Sarah Connors Hit-Single steht symbolisch für alle Pubertierenden, die auf der Suche sind nach Orientierung und Identität. Der Fanclub schwingt Regenbogenfahnen, während Sarah singt: "Es ist nur Liebe und da hilft keine Medizin."

Man muss an diesem Abend erneut feststellen, dass Sarah Connor die deutschsprachigen Lieder ausgesprochen gut stehen. Dass aber auch jene englischen Songs, mit denen sie einst bekannt wurde, immer noch Teil von ihr sind, zeigt sie in einem Medley. "Eine Zeitreise durch die Herzkraftwerke meines Lebens", wie sie sagt. "From Zero to hero", "Music is the key" oder "Living to love you" gibt es zu hören. Und auch zwei englische Coversongs: "What a man" und "Oh happy day" werden mit ihren Musikerkollegen zu Stimmungsnummern mit Tanzpotential. Was da auf der Bühne passiert, steckt die Fans an.

Den Soul hat Sarah Connor - bekennender Aretha Franklin-Fan - aber auch bei ihren eigenen Songs in der Stimme. Und die nutzt sie, um ihre Texte über Mut und Vertrauen, über Liebe und Zweifel zu transportieren. Einfach: Lieder über das Leben. Gerne auch mal mit politischem Statement wie in "Ruiniert".

Zwischendrin wird: geschnackt, wie Sarah Connor es so schön nennt. Und zwar immer locker und humorvoll. Zum Beispiel mit Nenat aus dem Publikum, der ein Ständchen von ihr bekommt - zum Nicht-Geburtstag. Der wäre nämlich am 3. November gewesen, dem eigentlichen Stuttgarter Konzerttermin, den die Sängerin wegen Krankheit absagen musste. Die Fans haben es ihr nicht übel genommen. Auch zum Ersatztermin haben sie in die Porsche-Arena gefunden, und - das merkt man schnell - so ein letzter Tour-Abend ist denn wirklich etwas Besonderes.

Die Crew kommt schließlich geschlossen auf die Bühne, tanzt zu "Oh happy day" und auch die Zuschauer stehen schon eine ganze Weile und feiern mit. Tränen gibt es jetzt keine mehr. Nur noch: Party mit Sarah.

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