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Arved Fuchs : Klimawandel ist begrenzbar

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Es sind erschütternde, aber auch Mut machende Bilder, die Polarforscher Arved Fuchs mit nach Heilbronn bringt. Auf Einladung der Experimenta spricht der engagierte 66-Jährige am Dienstagabend über neue Wege, dem Klimawandel zu begegnen – und zeigt in der Bildungscampus-Aula zunächst erschreckende Aufnahmen von seinen Arktis-Expeditionen mit dem Segelboot. 

400 Zuhörer hören ergriffen zu, als er Fotos von abgerutschten Siedlungen in Alaska erklärt, wo der Permafrostboden durch die Klimaerwärmung auftaute und Menschen umgesiedelt werden mussten. Zuletzt war er in Grönland, wo die Eisdicke immer dünner wird, wo das früher dichte Meereis mehr und mehr verschwindet; wo Gletscher immer schneller fließen und beim Übergang ins Meer abbrechende Süßwassereisberge produzieren.

Gigatonnen verloren

Die Arktis erwärme sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt, erklärt Fuchs. Der Grund: Die dicke Eisdecke wirkt wie ein Spiegel, wirft die Sonnenstrahlung ins All zurück. Fehlt das Eis und der Spiegel, erwärmt sich das Meer – und die Arktis schmilzt weiter ab. "Es ist ein Frühwarnsystem der Natur", sagt er. Fuchs berichtet von einem Professor für Vermessungstechnik, der kürzlich Grönland querte und feststellte, dass er 30 Meter unter dem Niveau einer Tour im Jahr 2002 lief. Wenn Grönland komplett abschmelze, würde der Meeresspiegel nach Angaben von Fuchs um sieben Meter steigen. Laut einem Bericht des "Spiegel" ist der jährliche Eisverlust der weltweit größten Insel auf 286 Gigatonnen pro Jahr angestiegen. Das ist fast die sechsfache Wassermenge des Bodensees. 

In freier Rede trägt der 66-Jährige die bitteren Wahrheiten vor, für die die gesamte Menschheit verantwortlich ist. Die C02-Produktion sei auf Rekordniveau, so hoch "wie seit 800.000 Jahren nicht". Erschrocken sei er auf einer Expedition, dass man Plastikmüll in entlegensten Fjorden finde, "überall, in unglaublichen Mengen". Die Intensität der Wirbelstürme werde größer, da sie sich aus warmem Wasser speisen. "Sie kommen zunehmend nach Europa", mahnt er und verweist auf den hohen volkswirtschaftlichen Schaden.

Für Resignation lässt Fuchs aber nicht viel Platz. Er will aufrütteln, damit viele zur Lösung des Problems mit beitragen. In Island sah er ein Projekt, mit dem man CO2 in Methanol-Kraftstoff umwandelt. Auf den Färoer-Inseln wolle man bis 2030 alles auf erneuerbare Energien umstellen, baue in Treibhäusern Gemüse an, um Importe zu verringern. "Dort stehen die Menschen dahinter", sagt er, hätten eine positive Einstellung, die er in Deutschland oft vermisse. Man müsse "made in Germany vorantreiben", auch bei der Brennstoffzellentechnik. Beim Umgang mit Fleisch, Plastik, beim Autofahren, Fliegen solle man zurückhaltender werden. Auch beim Buchen von Kreuzfahrten könne man vorab prüfen, ob ein Schiff mit stark klimaschädlichem Schweröl oder umweltfreundlicherem Flüssiggas fahre.

Wille nötig

"Wir haben keinen Planeten B", mahnt Arved Fuchs . Man könne das Problem lösen, die Erderwärmung begrenzen. "Wir müssen es aber auch wollen", sagt er – um die negativen Folgen nicht künftigen Generationen aufzubürden. Am Ende erhält er viel Applaus. Der Weinsberger Dr. Martin Rüttler lobt den "bemerkenswerten" Vortrag. Fuchs wirke glaubwürdig, weil er alles selbst erlebt, gesehen, gerochen habe – im Gegensatz zu vielen Politikern. Rüttler ist für ein Umsteuern. Er fände es sinnvoll, wenn man für jedes Produkt ein CO2-Maß angebe – "um es greifbar zu machen", welche Belastung es für das Klima habe. 

 

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