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Dramatischer Appell für mehr Klimaschutz

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Die Erderwärmung hat in Deutschland bereits erheblichen Schaden angerichtet. Das geht aus einem Bericht der Organisation Germanwatch hervor, der am Mittwoch auf der Weltklimakonferenz in Madrid vorgestellt wurde. Er sieht Deutschland auf Platz drei der am meisten von Extremwettern betroffenen Länder, hinter den Philippinen und Japan auf Platz eins. 

Dass die Bundesrepublik auf Platz drei landet, liegt vor allem am Hitzesommer 2018. Die Hitzewelle im vergangenen Jahr sei demnach für 1.234 Todesfälle verantwortlich gewesen. Weil es zu wenig regnete, seien bis in den Herbst zudem 70 Prozent der Böden ausgetrocknet. Die Bundesregierung hatte betroffenen Landwirten daraufhin Millionen-Entschädigungen zugesagt.

Den Klima-Risiko-Index legt Germanwatch seit 1999 jährlich vor. Er fußt auf Daten des Rückversicherers Munich Re und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Verglichen werden durch Extremwetter verursachte Todesfälle und Sachschäden. Langfristig betrachtet waren seit 1999 Puerto Rico, Myanmar und Haiti besonders geschädigt, meist durch starke Überschwemmungen und Hurrikans. Afrika ist aufgrund mangelhafter Datenlage unterrepräsentiert.

In der Region war das Jahr 2018 das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. An der Wetterstation in Öhringen wurde eine Jahresmitteltemperatur von 12 Grad gemessen, was 2,9 Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Neben Hitzewellen können auch Unwetter und Starkregen wie im Mai 2016 im hohenlohischen Braunsbach durch die Erderwärmung begünstigt werden.

Ist die Region dafür gerüstet? Die Heilbronner Berufsfeuerwehr habe sich schon immer auf Wetterereignisse wie Hochwasser vorbereitet, sagt der Kommandant der Heilbronner Berufsfeuerwehr, Eberhard Jochim. Es seien zu diesem Zweck kontinuierlich Geräte beschafft worden, zum Beispiel eine Maschine zum Abfüllen von Sandsäcken, spezielle Pumpen für Hochwasser und besondere Aggregate zur Stromversorgung. "Allein die Lage am Fluss macht eine gute Ausrüstung erforderlich. Auch Starkregen kommt regelmäßig vor", so der Kommandant.

Extremwetter und das Artensterben könnten künftig noch zunehmen. Die Europäische Umweltagentur (EEA) mit Sitz in Kopenhagen sieht Europa beim Kampf gegen Klimakrise und den Verlust der Artenvielfalt vor Herausforderungen beispiellosen Ausmaßes. Zu diesem Ergebnis kommt die Institution in ihrem Fünfjahresbericht, in dem sie Anstrengungen der Politik und die daraus folgenden Aussichten für die Umwelt bewertet. Demnach sei ein radikaler Kurswechsel nötig, um die Klimakrise zu bekämpfen.

Probleme

Europa könne seine Klima- und Umweltziele nicht erreichen, wenn es "weiterhin hauptsächlich auf Förderung von Wirtschaftswachstum und Eindämmung der damit verbundenen schädlichen ökologischen und sozialen Nebeneffekte setzt", heißt es in dem Bericht. "Im nächsten Jahrzehnt werden ganz andere Antworten auf die Umwelt- und Klimafragen gebraucht als die der vergangenen 40 Jahre", fasst es Hans Bruyninckx, Direktor der Umweltagentur, zusammen. Die EEA fordert die EU-Länder auf, langfristige Strategien und verbindliche Ziele festzulegen, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker zu berücksichtigen und den Einfluss der EU international zu nutzen. 

Der Bericht zeichne ein katastrophales Bild, hieß es in einer Reaktion des Naturschutzbundes Nabu. Der Zustand der Natur in Europa sei besorgniserregend. "77 Prozent der wichtigen Lebensräume in der EU sind in einen schlechten Zustand, 60 Prozent der in der EU geschützten Arten sind bedroht." Dramatische Rückgänge gebe es etwa bei Vögeln und Schmetterlingen.

 

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