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Vitamin C für den guten Zweck

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Der Satz sitzt: "Guten Morgen, wir kommen von der evangelischen Jugend und verkaufen Orangen für den guten Zweck. Wollen Sie welche?", spricht Alicia Müller in die Gegensprechanlage des Hauses, an der sie und ihre Mitstreiter gerade geklingelt haben. Ein Mann kommt herunter, nimmt eine der Früchte, steckt dafür fünf Euro in die Spendenbox und verursacht strahlende Augen. Die Evangelische Jugend Leingarten (EJL) ist wieder zugunsten von Brot für die Welt in Leingarten unterwegs. 

Die Kinder und Jugendlichen treffen sich bereits um kurz vor 9 Uhr in der Festhalle. Weil das Lorenzgemeindehaus umgebaut wird, ist der Ausgangspunkt erstmal ein gemeinsamer und nicht auf Großgartach und Schluchtern aufgeteilt. "So ist es auch einfacher, weil die Orangen ja nur an einen Ort geliefert werden", stellt Michael Ziegler, einer der Leitungskräfte der EJL fest. Rund 1,2 Tonnen fair gehandelte Früchte vom Weltladen in Heilbronn sollen die Jungscharen heute unter die Leute bringen, für 80 Cent pro Stück. Das Volumen hat sich im Laufe der Jahre nicht geändert, die Zahl der Helfer schon. "Als wir so in der vierten, fünften Klasse waren, waren hier morgens 120 Kinder, da gab es ein richtiges Geschachere um die besten Gebiete", erinnert sich Jonathan Brahme.

Aktion ausweiten

An diesem Tag sind es gerade mal 28 plus 32 Mitarbeiter, weniger als in den Vorjahren. "Wir werden vielleicht überlegen müssen, ob man die Aktion ausweitet, also nicht nur Jungscharen, sondern auch andere Gruppen beteiligt", sagt Ziegler. Nach einer kleinen Andacht mit Gebet und Gesang werden die Rucksäcke mit Orangen gefüllt. Jede Gruppe hat einen Plan ihres Gebiets, und dann geht es auch schon los. Von der Erstklässler-Jungschar sind nur Joshua und Leon dabei. "Es ist gar nicht so, dass die anderen keine Lust hatten oder wegen des Wetters nicht kommen, sondern die Kinder haben so viele Termine und andere Hobbys heutzutage, das ist irre", sagt Alicia Müller, eine der Gruppenleiterinnen. So ziehen sie also zu siebt los, zwei Kinder und fünf Mitarbeiter. Ihr Gebiet beginnt direkt an der Festhalle. Man teilt sich auf, um effektiver voranzukommen. Nicht an jedem Haus öffnet jemand die Tür. 9 Uhr am Samstagmorgen, manche schlafen noch, andere sind schon zum Einkaufen unterwegs. An der zweiten Tür öffnet ein junger Mann mit zwei kleinen Töchtern. Daniel Gysin war früher selbst in der EJL aktiv, auch bei der Spendenaktion und nimmt natürlich ein paar Orangen. "Ich glaube, bei mir haben die noch eine Mark gekostet", sagt er grinsend. Das Verkaufen habe immer viel Spaß gemacht und für die Kinder sei es eine schöne Möglichkeit, um sich für andere einzusetzen. "Da gab es immer auch ein bisschen Wettbewerb, wer die meisten schafft."

Schockierend

In diesem Jahr fließen die Einnahmen an das Projekt "Rechtsbeistand für die Unberührbaren" in Indien. Diese stehen ganz unten im indischen Kastensystem, das zwar offiziell abgeschafft, tatsächlich aber vielerorts noch sehr verbreitet ist. "Das war auch für die Kinder schockierend, zu sehen, wie diese Menschen an Mülldeponien leben, sich daraus ihre Unterkünfte bauen und schauen, was sie zu Geld machen können", berichtet Ziegler von den Vorbereitungen. Das bedeutet aber auch: Joshua, Leon und ihre Mitstreiter sind hochmotiviert. 

 

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