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Zehn Jahre Haft für Brandstifter von Kirchardt

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Er hat die Gemeinde Kirchardt Mitte Mai mit vier Brandstiftungen binnen zwölf Stunden in Angst und Schrecken versetzt. Jetzt hat das Heilbronner Landgericht den Täter bestraft. Zu zehn Jahren Haft verurteilt es den 38 Jahre alten Angeklagten gestern. Als Motiv geben die Richter eine Mischung aus Frust, Neid und Hass an. 

Versuchter Mord und schwere Brandstiftung wirft das Gericht dem Leiharbeiter aus Polen vor, der in der zweiten Nachthälfte und am Folgemorgen in einem Hausanbau, einer Kfz-Werkstatt und in geparkten Autos direkt neben Wohngebäuden Feuer gelegt hatte. "Es hätten Menschen sterben oder sich sehr schwer verletzten können", stellt der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth fest. Er nennt es perfide, auf diese Art mit Ängsten von Menschen zu spielen. In einem Fall, wo in einem Anbau großes Spielzeug und ein Kinderfahrrad standen, habe der Angeklagte genau gewusst, dass dort kleine Kinder leben. "Es war Ihnen egal", sagt der Richter. Und nimmt dem Angeklagten nicht ab, dass er nach sehr viel Wodkakonsum von dem gesamten Geschehen nichts mehr weiß. Gleichwohl hat der 38-Jährige die Verantwortung für die Brände übernommen.

Klares Signal

Das Motiv hinter den Taten? Der Mann, der die Schule abgebrochen hat, sich mit Jobs über Wasser hielt und in Polen wegen Gewalttaten mehrere Jahre in Haft saß, kam über eine Anzeige einer Baufirma in der Region Heilbronn als Leiharbeiter nach Kirchardt. Gleich nach seiner Ankunft trank er viel Alkohol, schwänzte ganze Arbeitstage und lieferte offensichtlich schlechte Arbeit auf Baustellen ab. Die Firma kündigte ihm nach rund zwei Wochen – und zahlte ihm wegen der schlechten Arbeit keinen Lohn. Er hatte nicht mal Geld für eine Rückfahrt nach Polen. Der Frust über seine Situation, eine Art Hass auf die Firma und Neid auf den Besitz anderer Bürger im Umfeld seiner Wohnunterkunft waren nach Ansicht des Gerichts Auslöser für die Brandstiftungen. Mit einem Feuerzeug zündete er offenbar Gegenstände oder Autoreifen an. Das Gericht nahm einen Alkoholpegel zwischen zwei und drei Promille beim Angeklagten an, attestierte ihm eine schwere Abhängigkeit. Aber: Mit dem Urteil wolle man auch "ein klares Signal nach außen" setzen, sagt der Richter. Der Angeklagte habe den Tod von Menschen in Kauf genommen. Und: Der ganze Ort habe nach den Taten "in Angst und Aufruhr gelebt". 

Hinter Gittern soll der Angeklagte nach drei Jahren Haft eine Alkoholtherapie machen. Besteht er sie nicht, hat er keine Chance, vor Ablauf von zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen zu werden.

Kind leidet

Ein Opfer der Brandstiftungen berichtet im Gericht, dass sein dreijähriger Sohn unter dem Verlust der ganzen verschmorten Spielsachen stark gelitten habe. Er habe auch gefragt: "Kommt der wieder?" Die Eltern erzählten dem Kind am Ende, dass ein technischer Defekt die Ursache war. "Ich bin froh, dass uns und meinen Kindern nichts passiert ist", sagt der Vater. Die Familie wird psychologische betreut

Die Schadenssumme reduzierte sich nach Angaben der Opfer und der Versicherungen auf insgesamt 150.000 Euro. Nicht jedes zerstörte Einzelobjekt wurde von Versicherungen übernommen – das Inventar in einer Werkstatt war zum Beispiel nicht versichert.

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