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Gretas Mission

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Greta – wer? Vor etwas über einem Jahr kannte kaum einer den Namen. Inzwischen dürfte es kaum noch einen Menschen auf diesem Globus geben, der noch nicht von der jugendlichen Klimaaktivistin gehört hat. Greta Thunberg ist 2019 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden und sie wurde vom Time Magazin zur "Person of the Year" erklärt. 

Schulstreik

Im November 2018 beginnen immer mehr Medien außerhalb Skandinaviens von einem kleinen Mädchen mit Zöpfen zu berichten, das sich jeden Freitag vors schwedische Parlament setzt und dort ein selbst gebasteltes Schild mit der Aufschrift "Schulstreik fürs Klima" in die Höhe hält. Ende Januar 2019 redet Greta Thunberg bereits den Staatenlenkern beim Weltwirtschaftsforum in Davos ins Gewissen: "Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es", fordert sie. 

Immer mehr Schüler weltweit folgen Gretas Beispiel. Unter dem Begriff Fridays for Future gehen sie für mehr Klimaschutz auf die Straße. In Heilbronn findet Ende Februar die erste Schülerdemo statt. Die Art des Protests wird von einigen Politikern und Lehrern zunächst heftig kritisiert. "Die Schüler wollen doch nur Schule schwänzen", lautet ein Vorwurf. Greta Thunberg lässt sich nicht von ihrer Mission abbringen. "Hört auf das, was die Wissenschaftler sagen", lautet ihre Botschaft, die sie unbeeindruckt von teils harscher Kritik an ihrer Person ein ums andere Mal wiederholt.

Mehrere Tausend Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz formieren sich im März als Scientists for Future hinter der Bewegung und unterstützen deren Ziele. Eltern und Großeltern gehen freitags mit auf die Straße und bauen so immer mehr Druck auf die Politik auf. Die deutsche Stimme von Fridays for Future, Luisa Neubauer, sagt beim ersten globalen Klimastreik am 15. März, zu dem Greta Thunberg nach Hamburg reist: "Das ist erst der Anfang. Es wird noch richtig krass werden. Wir streiken so lange, bis die Regierung einen Plan hat für unsere Zukunft und unseren Planeten."

Während in Deutschland der Frühling heiß und trocken beginnt, streitet die Bundesregierung über einen Ausstieg aus der Kohleverstromung – und legt sich schließlich auf 2038 fest. "Viel zu spät", kritisieren Umweltverbände und die jungen Klimaaktivisten. Mit der konkreten Umsetzung des Ausstiegs, die im Kohleausstiegsgesetz festgeschrieben werden soll, wird sich das Kabinett erst im Januar 2020 befassen.

Vor den Europawahlen im Mai versetzt ein junger Youtuber mit blauen Haaren die Union in Angst und Schrecken. In seinem Video "Die Zerstörung der CDU" geht Rezo hart mit der Klimapolitik der Konservativen ins Gericht und fordert dazu auf, bei den Wahlen nicht für die CDU, sondern für eine Partei zu stimmen, die den Klimaschutz unterstützt. Das Video wird millionenfach gesehen und die Grünen verzeichnen bei den Wahlen deutliche Gewinne. Von einem "Rezo-Effekt" ist in den Analysen nach der Wahl die Rede.

Weltklimakonferenz

Im August macht sich Greta Thunberg auf die Reise in die USA – per Segelboot. Ihr Ziel: New York, wo Ende September der Weltklimagipfel stattfindet. Mit einer wütenden Rede wendet sie sich an die Politiker und hält ihnen vor: "Wie konntet ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit euren leeren Worten?" Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der sich Thunberg kurz trifft, geht in ihrer Rede bei den Vereinten Nationen auf die Worte der Klimaaktivistin ein: "Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört", sagt sie. Donald Trump lässt sich auch kurz sehen. Er hat den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen auf den Weg gebracht. Bilder gehen um die Welt, auf denen Greta Thunberg den US-Präsidenten hasserfüllt anstarrt. 

Der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz, der ebenfalls in New York ist, sagt unserer Redaktion nach seiner Rückkehr zum Klimapaket, das kurz zuvor in Deutschland verabschiedet worden war: "Es bedeutet eine große Anstrengung und einen Schritt nach vorn, aber es ist noch nicht genug. Ich setze auf die nächsten Wochen und dass über das Parlament Verbesserungen erfolgen." Tatsächlich gelingt es den Grünen Anfang Dezember, über den Bundesrat Änderungen zu erreichen.

Auf EU-Ebene verkündet Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen "Green Deal", mit dem sie die Europäische Union bis 2050 in die Klimaneutralität führen will.

Bei der Klimakonferenz in Madrid schließt sich für Greta Thunberg der Kreis. Es gelingt ihr, rechtzeitig zur Konferenz per Segelboot nach Europa zurückzukehren. Nach Ende des Treffens fährt sie mit der Bahn zurück nach Schweden – und postet ein Foto aus einem überfüllten ICE der Deutschen Bahn. Es zeigt sie auf dem Boden sitzend, neben einem Berg von Gepäck. Dass die Konferenz von Madrid grandios scheitert, geht in der Aufregung um das Foto fast unter.

Verdienst

Das Thema Klimaschutz ist zum Jahreswechsel 2019/2020 tief im Bewusstsein der deutschen und europäischen Öffentlichkeit verankert. Das ist Greta Thunbergs Verdienst. Jetzt geht es an die praktische Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen – für jeden einzelnen und die EU als Ganzes. 

 

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