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Böller bleiben für einige der absolute Knaller

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Noch nie war das Böllern wohl umstrittener als an diesem Silvester. Klima-und Umweltschützer haben in Deutschland eine breite Diskussion darüber entfacht, ob das Feuerwerk nicht verboten oder wenigstens eingeschränkt werden sollte, vor allem wegen der Feinstaubbelastung, die in die Höhe schießt. Großstädte wie Berlin, Köln und München haben das Abfeuern von Feuerwerkskörpern teilweise begrenzt. In Berlin fiel die Entscheidung auch aus Sicherheitsgründen. Manche Gegenden der Hauptstadt erinnern an Silvester eher an Kriegsgebiete als an fröhliche Partys.

Auch in Baden-Württemberg kappen Städte wie Stuttgart und Karlsruhe den Feuerwerkfans an manchen Orten die Zündschnur. In der Region Heilbronn gibt es schon seit mehreren Jahren Beschränkungen und Verbote unter anderem in Bad Wimpfen, Eppingen, Jagsthausen und Öhringen. Allerdings nicht wegen Feinstaub, sondern aus Sorge vor der Brandgefahr in den historischen Ortskernen. 

Ginge es nach dem Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel, hätte auch die Käthchenstadt in diesem Jahr ein Böllerverbot verhängt. Rechtliche Bedenken verhinderten dies. Mergel appelliert dennoch an die Bürger, an Silvester ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen und in der Innenstadt auf ein persönliches Feuerwerk zu verzichten oder sich mit Nachbarn zusammenzutun.

Umfrage

Es scheint fast so, als werde es zunehmend sozial geächtet, es am Jahresende richtig krachen zu lassen. Doch nicht alle lassen sich den Spaß an der Knallerei vergällen. Bei einer Umfrage unter Böller-Käufern am Samstagmittag vor einem Supermarkt in der Heilbronner Innenstadt ergibt sich ein anderes Meinungsbild. "Ich habe kein schlechtes Gewissen, weil ich Böller einkaufe", sagt zum Beispiel ein junger Mann. "Ich mach  mir keinen Kopf über die Umwelt", gibt er unumwunden zu und fügt an: "Man lebt eben nur einmal." Ein anderer junger Mann erklärt: "Silvester ist doch nur einmal im Jahr. Da kann ich doch gar nicht so einen großen Schaden anrichten. Silvester ohne Böller wäre langweilig. Das ist wie Weihnachten ohne Essen und Geschenke." Das Feuerwerk sei zwar schädlich für die Umwelt, meint der Kunde. "Aber was ist nicht schädlich für die Umwelt?"

Ein 25-Jähriger kann verstehen, wenn die Böllerei in den Innenstädten verboten wird. "Weil ich gesehen habe, was letztes Jahr passiert ist, als die Leute Raketen an den Stadtbahnschienen am Heilbronner Rathaus gezündet haben." Ein schlechtes Gewissen befalle ihn dennoch nicht beim Böllerkauf. "Woher auch?" Wenn er sehe, wie viele Autos in der Stadt fahren würden, Flugzeuge Kerosin verbrennen und die Kreuzfahrtschiffe Schweröl verbrauchen, "dann sind die alle wesentlich schädlicher als das Feuerwerk an Silvester". Eine Mutter fühlt sich dagegen nicht gut beim Böllerkauf. "Für mich würde ich sie nicht kaufen", sagt die 37-Jährige. "Aber meine 16 und 18 Jahre alten Kinder würden dann rebellieren."

Geld verpulvert?

Die Firma Zink in Cleebronn widmet sich schon in der dritten Generation der Entwicklung, Herstellung und dem Verkauf hochwertiger Feuerwerke. An drei Tagen gibt es jetzt wieder wie jedes Jahr den Silvester-Werksverkauf. "Wir können nicht über mangelndes Interesse klagen", berichtet Geschäftsführer Arne von Boetticher. Die aktuelle Debatte sei dabei "erstaunlich wenig Thema". Die Zink-Kunden seien natürlich fürs Feuerwerk und würden über die momentane Anti-Diskussion den Kopf schütteln. Denn, so Arne von Boetticher, das Feuerwerk sei in Sachen Klimaschutz nicht relevant, der Kohlendioxid-Ausstoß "ist quasi nicht nachweisbar". Es gehe eher um die Feinstaubemissionen, die sich aber rund eine Stunde nach dem Abfeuern verflüchtigen würden.

Den Vorwurf, Geld zu verpulvern, erwidert der Geschäftsführer so: "Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er sich das kauft. Das möchte sich niemand verbieten lassen." Für die Kunden gehöre das Feuerwerk zu Silvester wie andere Laster – gutes Essen und Alkohol, erklärt der Zink-Chef. Klar koste das Böllern hohe Summen. Doch verglichen mit dem Bierkonsum seien sie fürs Feuerwerk deutlich geringer. 

 

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