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Das unterschätzte Instrument

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Blockflöte spielen? Das kann doch jeder! Zumindest glauben das viele. Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen dem schrillen Gepfeife einer Klasse, der Blockflöten ausgeteilt werden, und dem Spiel eines erfahrenen Flötisten. Es erfordert langjährige Erfahrung, um bestimmte Techniken umsetzen zu können, und schwere Stücke zu meistern. Trotzdem gibt es nur wenige Jugendliche, die über viele Jahre hinweg das Instrument spielen. Doch es gibt Ausnahmen. Jana Binniker und Hannah Gollda aus Neckarsulm, die seit zehn Jahren gemeinsam bei Andrea Buckert-Kwasnitza  Unterricht nehmen, beweisen es.

Der Auslöser

Jana wollte eigentlich mit dem Klavier spielen anfangen. Doch: "Wir hatten nicht den Platz, um das Klavier unterzubringen“, sagt die Zehntklässlerin. Mittlerweile spielt sie seit sechs Jahren zusätzlich Klavier. Das Interesse an der Blockflöte hatte seinen Ursprung in der Früherziehung. Dort werden Kindern verschiedene Instrumente erklärt.

Da für die beiden Freundinnen klar war, dass sie gemeinsam unterrichtet werden wollen, erschien ihnen die Blockflöte als das beste Instrument. "In dem Alter hat außerdem jeder Blockflöte gespielt“, fügt Hannah hinzu.

Die beiden 15-Jährigen haben bis heute viel Spaß daran. "Das Flötespielen beruhigt mich“, erklärt Jana. Der Hauptgrund für die langjährige Begeisterung der Mädchen ist aber auch die Flötenlehrerin, die sie von Anfang an begleitet.

"Sie ist einfach sehr sympathisch“, bekräftigt Hannah. „Häufig können die Lehrer einem nicht alles beibringen. Sie hingegen schon.“ Bei ihr haben die Schülerinnen außer der klassischen Sopran-Flöte auch die Alt-, Tenor- und Bassflöte kennengelernt. Es ermöglicht ihnen einen Wechsel zwischen verschiedenen Klangvariationen.

Ein schlechtes Image

Nervige Sprüche anhören, müssen die Obereisesheimerinnen sich zum Glück fast nie. "Manchmal gibt schon jemand seinen Kommentar ab, zum Beispiel, dass wir doch zu alt seien“, erzählt Jana. "Aber, dass ich Blockflöte spiele, ist ja nicht das Erste, was ich erzähle, wenn ich jemanden treffe.“

Gleichzeitig finden die beiden es trotzdem schade, dass die Blockflöte ein so schlechtes Image hat. "Es gibt viele anspruchsvolle Stücke. Die Tonerzeugung bestehe nicht nur aus einfach Reinpusten“, so Jana. „Man braucht eine flexible Zunge und es gibt einige Techniken, die trotz jahrelanger Übung keiner von uns beherrscht“, ergänzt Hannah. "Für die Bassflöte mussten wir sogar neue Noten lernen.“

Jüngste Preisträgerinnen

Diese Anstrengungen machten sich bei wichtigen Wettbewerben bezahlt. 2011 nahmen die Gymnasiastinnen erstmals am Wettbewerb "Jugend musiziert“ teil. Mit sieben und acht Jahren zählten die Blockflötenspielerinnen damals zu den jüngsten Preisträgerinnen. Mit 23 Punkten wurden sie, wie einige ihrer Mitspieler, nur aufgrund ihres Alters nicht zum Landeswettbewerb weitergelassen.

Drei Jahre später stellten sie erneut ihr Können unter Beweis. Mit ihrer Auszeichnung beim Regionalwettbwerb wurden sie dieses Mal zum Landeswettbewerb zugelassen. "Das hat schon Spaß gemacht“, stellt Hannah fest. "Aber ich bin einfach kein großer Fan von Wettbewerben. Auftritte im Allgemeinen mag ich nicht so sehr.“ Aus diesem Grund haben die 15-Jährigen bisher keine weiteren Wettbewerbspläne.

Für einen guten Zweck

Bis heute spielen sie oft im Kreis der Familie. Jana musiziert mit ihrer Schwester, die die Geige beherrscht. "Wir treten bei Hochzeiten oder anderen Familienfesten auf. Außerdem spielen wir passende Lieder in der Weihnachtszeit.“ Im Advent flötet sie mit Hannah auch für einen guten Zweck. Bereits seit mehreren Jahren besuchen die Freundinnen die Gruppe "Frauenselbsthilfe nach Krebs“, die Krebserkrankten und Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite steht. Es ermöglicht ihnen, etwas Gutes zu tun. "Wir machen den Frauen dort eine große Freude, was uns dann wiederum auch viel Spaß macht“, erklärt Jana.

Neben all den Wettbewerben, Quartetts und Duetts kommen die Schülerinnen zum selben Schluss: "Wir haben damit angefangen und immer weiter gemacht, weil es ein Hobby war, das wir uns als Freundinnen geteilt haben. Wir wissen jetzt viel mehr voneinander, weil wir vor dem Unterricht Zeit zum Reden hatten, was in der Schule nicht der Fall war. Das hat unsere Freundschaft stärker gemacht.“
 

Der Tag der Blockflöte

 Heute, am 10. Januar, ist der Tag der Blockflöte – das Instrument, das vermutlich die meisten in Kindheitstagen mal in den Händen hatten und mehr oder minder willig spielen gelernt haben. Angeblich wurde dieser Ehrentag erstmals 2007 durch ein Online-Portal gefeiert. 

 

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