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Das eigene Weingut

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Sterben die Wengerter etwa aus? Die Zahl der Mitglieder im Weinbauverband Württemberg ist in 20 Jahren von 17 000 auf rund 10 000 zurückgegangen. Trotzdem blieb die Rebfläche mit 11 300 Hektar konstant: weil Haupterwerbsbetriebe, um wirtschaftlich arbeiten zu können, immer größer werden.

Familientradition

Nebenerwerbler indes brechen nach und nach weg, weil sich der hohe Aufwand für Hobbywengerter nicht mehr rentiert, die nachwachsende Generation ihr Geld woanders leichter verdient und den Feierabend anderswo verbringt.

Es gibt aber auch Ausnahmen. Eine davon ist Ferdinand Fröscher aus Forchtenberg. Der heute 29-Jährige hat sich mit 19 Jahren selbstständig gemacht und den Traum vom eigenen Weingut erfüllt. Sein "Rebenhof Ferdinand Fröscher“ umfasst heute stolze zwölf Hektar Rebfläche, überwiegend in Steillagen des Kochertals mit Inseln im Jagsttal. Basis seines aufstrebenden Betriebes im Zeichen eines gekrönten Frosches sind die 44 Ar Rebfläche seiner Großeltern Willi und Hilde, die später seine Eltern Volker und Brigitte übernahmen.

Der Startschuss

"Ich bin praktisch im Wengert aufgewachsen, die Kelter war mein Spielplatz“, berichtet der 29-Jährige. Weil ihm das von klein auf großen Spaß macht, absolviert er als 14-jähriger Realschüler ein Berufspraktikum im Weingut des Fürsten zu Hohenlohe-Oehringen, um dort mit 16 als Lehrling anzuheuern: unter dem legendären Betriebsleiter und Lehrmeister Siegfried Röll, wobei ihn das dritte Lehrjahr ins Staatsweingut Weinsberg führt.

Vor allem an der Berufsschule in Heilbronn "knüpfte ich Kontakte fürs Leben. Als Jungwinzer lebt man auch vom Austausch, von Tipps, neuen Ideen.“ Als wichtigen Impulsgeber nennt er Frank Winkler, der nicht nur mit der Mundartgruppe Annâwech Musik macht und eine Weinstube betreibt, sondern auch sechs Hektar Weinberge bewirtschaftete, die er Fröscher übertrug. "Das gab den Ausschlag.“ Drei Monate nach der Gesellenprüfung gründet Fröscher 2009 sein eigenes Weingut: mit 5000 Euro vom Sparbuch und mit einem 30 000-Euro-Darlehen von der Volksbank Hohenlohe kauft er sich die Kellerausstattung zusammen und mietet sich in der ehemaligen Metzgerei Tilb ein, wo er mit dem Jahrgang 2010 seine ersten 8000 Liter vinifiziert.

Schwere Rückschläge

Im Wengert, aber auch bei großen Hoffesten packt neben den Eltern mitunter die halbe Verwandtschaft mit an, zu der auch bald seine Verlobte Simone zählen dürfte, "wenn ich Zeit zum Heiern finde“. Der Spaß ist der fleißigen Familie Fröscher schon öfter vergangen: vor allem im Mai 2016, als es innerhalb von 24 Stunden 200 Liter regnet, Steillagen abrutschen und nach einem Hagelschlag aus zwölf Hektar nur noch 4850 Kilogramm Trauben übrigblieben, weniger als zehn Prozent einer normalen Ernte. Nicht viel besser sieht es im 2017 aus, als Frost und Hagel zuschlagen. "Der relativ große 2015er und Zukäufe haben mich gerettet.“

Ans Aufhören denkt das Energiebündel längst nicht mehr. Im Gegenteil. 2018 kauft Fröscher von der Stadt Forchtenberg für 240 000 Euro die historische Ortskelter, die er derzeit auf Vordermann bringt und mit Verkaufsraum, Besenwirtschaft und Gästebetten ergänzt. "Vom Kocher- und Jagsttal-Radweg kann ich touristisch etwas mitnehmen.“ Ansonsten verkauft der Rebenhof seine Weine – zu Preisen zwischen 5,80 und 15 Euro – im Umkreis von rund zehn Kilometern. Und: Als wäre die Bewirtschaftung von Steillagen in Zeiten des Klimawandels nicht schon schwer genug, denkt Fröscher weiter: "Ich stelle derzeit auf Bio um. Der Natur zuliebe, für mein Kochertal und weil es mir dabei besser geht.“

 

 

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