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Workshop Medizitechnik

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Wer sich schon einmal den Arm gebrochen oder die Hand verletzt hat, kennt das Problem. Schon beim Brötchen schneiden am Frühstückstisch ist die Verzweiflung groß. Wie schaffe ich es, dass das leidige Ding nicht wegrutscht? Einhändig die Butter aufs Brot zu schmieren und nicht daneben, wird plötzlich zur ganz großen Kunst

Produkte, die helfen

28 Schüler des Robert-Mayer-Gymnasiums (RMG) testen an diesem Morgen wie das ist, im Alltag mit nur einer Hand zurechtzukommen. Damit die Achtklässler nicht intuitiv die zweite Hand zur Hilfe nehmen, ist ein Arm am Körper festgebunden. Sie nehmen an einem erstmalig stattfindenden Produktentwickler-Workshop zum Thema Medizintechnik teil, organisiert von der Initiative Junge Forscher.

Das Frühstücksbrötchen mit Butter, die Wasserflasche mit Schraubverschluss – das sind alles plötzlich unüberwindbare Hindernisse für die Achtklässler. Ganz schön frustrierend, findet Eirini (14): "Das jeden Tag zu machen, könnte ich mir nicht vorstellen.“

Empathie entwickeln

Für Menschen wie Andreas Gartung (37) aus Hannover ist diese Situation nicht nur temporär. Mit 26 hatte er einen Schlaganfall, seitdem ist er halbseitig gelähmt. "Es kann jeden treffen“, sagt er über den Schicksalsschlag. Ohne Hilfsmittel ist der Alltag für ihn kaum zu bewältigen. Auf seiner Internetseite und bei Youtube testet er verschiedene Produkte für das Leben mit einer Hand wie beispielsweise die Einhändergabel, mit der man auch schneiden kann. Den Schülern in Heilbronn erklärt er, wie sie ein gutes Hilfsmittel entwerfen: "Der Trick ist, sich in den Nutzer hineinzuversetzen.“ 

Die Übung zu Anfang, die das Leben mit einer Hand simulieren sollte, hat die Jugendlichen zum Nachdenken gebracht. "Noch nie“, hat sich Felix (14) darüber Gedanken gemacht, wie Menschen mit Handicap im Alltag zurechtkommen. Mit Johannes (14) und Lenn (14) tüftelt er an einem Prototyp für einen Teller, der das Brötchen am Wegrutschen hindert, sodass man es auch mit einer Hand schneiden und schmieren kann. Aus Sperrholzplatten, Kleber und Nägeln bauen sie einen Einhand-Teller. Das Brötchen wird auf die Nägel aufgespießt.

Praktische Erfahrung

Ornela (14) arbeitet mit ihrer Gruppe an einer ähnlichen Idee. Sie könnte sich auch vorstellen später im Bereich Medizintechnik zu arbeiten, weil sie gerne Menschen wie Andreas Hartung helfen würde.

Dass sich Mädchen mehr mit Medizin identifizieren können als mit Autos, weiß Michael Straub aus Erfahrung. Am Robert-Mayer-Gymnasium unterrichtet er Naturwissenschaft und Technik (NWT). Ihm ist wichtig, dass die Schüler auch am Gymnasium praktische Erfahrungen machen, den Workshop sieht er als gute Ergänzung der Theorie. "Ich sehe NWT als Chance für die Schüler, auch mal eine Stichsäge in die Hand zu nehmen und ein Produkt selbst zu erschaffen.“ Außerdem sei durch den Workshop die Hochschule keine fremde Welt mehr.

Mirjam Falge, die Leiterin des Workshops, ist sich sicher, dass die Schüler einen besseren Zugang zum Thema finden, wenn sie keine Produkte für einen fiktiven Nutzen erschaffen. Durch das Gespräch mit Andreas Gartung haben sie einen ganz anderen Zugang zum Thema. 

 

 

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