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ICE-Verbindung gekappt

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Heilbronn war stolz auf seinen neuen, temporären ICE-Anschluss. Wenigstens während der Buga-Zeit sollte die Stadt so wirken, als wäre sie ein wichtiger Punkt im Liniennetzplan der Deutschen Bahn AG. Doch mit jedem Tag, an dem die Verbindungen kurzfristig gestrichen werden, wächst die Ernüchterung und die Wut der Fahrgäste. 

Spontane Ausfälle

Mittwoch, 13 Uhr, Bahnsteig 2 auf dem Heilbronner Hauptbahnhof. Die Anzeigentafel zeigt den ICE 714 aus Stuttgart mit Ziel Köln, Abfahrt 14.10 Uhr. Keine Verspätung, also alles gut? Nein. Online ist schon seit dem Morgen der Ausfall dieser Verbindung vermerkt. Übrigens so, wie an den vergangenen neun Tagen. Wer nun gehofft hatte, dass der Zug doch fährt, wird enttäuscht: Um 13.10 Uhr wechselt die Anzeige: "Zug fällt heute aus.“

Das Muster ist offenbar immer das gleiche: Bis zum Vortag wird der ICE über Heilbronn auch online jeweils als gültige Verbindung angegeben. Der einzige Hinweis darauf, dass er möglicherweise nicht fährt, erfolgt nur indirekt: Die Auswahl des Sparpreises ist nicht möglich. Reguläre Tickets lassen sich dagegen buchen, sogar die Sitzplatzreservierung wird angeboten. Die Bahn spielt so Blindekuh mit Pendlern und Reisenden. Je nachdem, wo man die Informationen abklopft, kommt man der Wahrheit näher oder auch nicht.

Keine Auskunft

Das bleibt nicht verborgen. Mehrere Hinweise auf die Zugausfälle erreichten unsere Zeitung in der vergangenen Woche. So auch von Sonja L. aus Obersulm, die mit ihrem Sohn in Heilbronn in den ICE steigen wollte. Sie hatte die Sitzplätze am Vortag noch reserviert, bis sie am Abfahrtstag plötzlich den Hinweis über ihre Bahn-App erhält, dass die Verbindung ausfällt. "Das ist schade, weil ja auch Werbung dafür gemacht wurde, dass Heilbronn wenigstens zur Buga den ICE-Halt bekommen hat.“ 

Unsere Zeitung fragte bereits am Freitag, 5. Juli, bei der Bahn-Pressestelle in Stuttgart nach, welche Ursache die Ausfälle haben, wie lange noch mit Ausfällen zu rechnen ist, wie mit dem ICE weiter geplant wird. Zuerst mündlich, dann auf ausdrücklichen Wunsch schriftlich. "Das geht dann schneller“, erklärte die Bahn-Sprecherin. Nicht zum ersten Mal hat die Bahn-Pressestelle allerdings eigene Vorstellungen davon, was schnell bedeutet. Die Mail wurde jedenfalls innerhalb von vollen sechs Tagen weder beantwortet, noch gab es eine Info, warum die bis Montagnachmittag erbetene Antwort nicht möglich ist.

Fahrzeuge nicht verfügbar

Aktiver sind die Bahn-Zuständigen in den einschlägigen Internet-Foren. Dort schreibt ein Offizieller: "Hauptsächlicher Grund für den Ausfall ist die unzureichende Verfügbarkeit der ICE-3-Fahrzeuge. Leider ist auch in der nächsten Zeit noch mit dispositiven Zugausfällen zu rechnen. Ein Datum, ab wann sich die Situation entschärft, ist noch nicht absehbar.“

In dem Forum kündigt er aber an, dass der ICE 715, der morgens von Köln über Heilbronn nach Stuttgart fährt, auch an diesem Donnerstag und Freitag nicht verkehren wird. Buchbar ist der Zug über bahn.de trotzdem – ohne Hinweis auf den offensichtlich vorhersehbaren Ausfall. Und auch die Nachmittagsverbindung steht weiterhin zur Verfügung, obwohl ein Klick auf Details des ICE 714 verrät: "bis 4. Okt 2019 Mo - Fr; nicht 11., 12. Jul“. Also auch dieser Zug fährt an diesem Donnerstag und Freitag nicht.

Probleme ohne Hinweise

In den Foren sind auch Hinweise zu finden, dass mehrere ICEs wegen der Hauptuntersuchungen nicht zum Einsatz kommen können. Dass neue Fahrzeuge nicht rechtzeitig geliefert wurden. Dass angeblich trotzdem jeden Tag von neuem versucht wird, die Verbindung zu bedienen und am Vortag deshalb noch kein Ausfall vermerkt werden kann. 

Diese Informationspolitik des Konzerns ist ebenfalls Thema in den Foren. Ein anonymer Nutzer schreibt: "Vielleicht machen Sie sich auch nur ein Späßchen daraus, die hier fragenden Kunden noch etwas mehr aufzumischen.“ Er empfehle dringend, die "deeskalierende Wirkung von transparenter und unmittelbarer Information“ zu bedenken. Trotz der Enttäuschung würde Sonja L. gerne nochmals versuchen, in Heilbronn in den ICE zu steigen. "Aber ob er überhaupt noch einmal fährt, das weiß man ja nicht.“ Immerhin: Ab Sonntag, 21. Juli, gibt es wieder Sparpreise für die Nachmittagsverbindung.

 

 

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