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Unerschütterliche Fans

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Gefühlte 50 Grad, kein Wölkchen am Himmel: Der Innenhof am Wilhelm-Waiblinger-Haus ist gähnend leer, der schwarze Asphalt glutheiß. Den Fans der Indie-Band Der Film ist das egal.

Schmales Publikum

Was das aber wohl mit einem Musiker macht, der am helllichten Festival-Nachmittag seinen Auftritt hat und auf die geballte Ignoranz der Besucher trifft? Das ist eine ganz andere Frage. Wie, was das mit einem macht? Der Film ist glücklich, in das Line-up des zweitägigen Konzertmarathons des Viel & Draußen-Festivals gerutscht zu sein. Es ist ja nicht so, dass die Veranstalter Schlange stehen würden. 

In der elften Runde ist das Heilbronner Festival in diesem Jahr, längst sind die Abläufe optimiert, das Budget ist wie immer schmal, aber mit knapp 50 000 Euro durchaus solide aufgestellt. 57 Ehrenamtliche, die teilweise im Waiblinger Haus ihre Schlafsäcke ausgerollt haben, sind die unbesungenen Helden des Festivals.

Aber ob man den Besucherrekord des letzten Jahres knacken wird? Daniel Schütt, Leiter des Popbüros Heilbronn-Franken, blickt zum Himmel, seufzt. Bei so einem Wetterchen ist an der Bestmarke von 2200 Besuchern an drei Festivaltagen nicht zu rütteln. "Viel zu heiß.“ Neeve, eine Alternative-Indie-Pop-Band aus dem Raum Stuttgart, bereitet ihren Auftritt vor. Das Publikum? Es hält Siesta. 

Abkühlung am Abend

Rückblick: Der Poetry-Slam-Donnerstag hatte gut 400 Besucher angezogen, 2018 waren es noch 650. "Wir werden es verkraften“, kommentiert ein entspannter Daniel Schütt. Langsam trudeln die Besucher ein. Das Planschbecken ist jetzt heiß begehrt: Kneippen goes Pop. Das freundliche Security-Personal bespritzt jeden, der nicht bei drei weggesprungen ist, aus einer riesigen Wasserpistole, auch Wassereis erlebt eine Renaissance. Frieden in der Bahnhofsvorstadt. Eine Streife hält kurz am Festivalgelände, ein Routinebesuch zum Schichtwechsel. Alles ruhig, alles entspannt.

Das Filmteam von Pete Jones rückt an. Der walisische Sonnyboy hat offensichtlich Ambitionen. Wolken ziehen auf und ein Windchen, große Erleichterung. Endlich. Und was macht Pete Jones, der in der Region hängengeblieben ist? Artikulationsübungen im knackigen Bühnendeutsch der 30er Jahre. Ohne Unterlass wiederholt er die Namen von Wincent Weiss und Boris Johnson, zwei Gestalten, denen er offensichtlich nicht zugetan ist. Längst läuft die Kamera, das Pete-Jones-Trio spielt seinen kleinen Hit "Elephant“. Klammheimlich hat sich der Innenhof gefüllt.

Der harte Kern

Das Festival? Es lebt. Am Festival-Samstag, der traditionell den härteren Tönen gewidmet ist, stehen zehn weitere Bands auf der Bühne. Daniel Schütt? Er sucht den Kontakt zu Feuerwehr, Polizei und Deutschem Wetterdienst. Starkregen sorgt dafür, dass das Festival für eine Weile unterbrochen wird. Ein Drittel der Besucher, rund 250 unerschütterliche Fans, bleibt, tanzt den Regentanz und freut sich auf den Auftritt seiner Trash Metaller von The Prophecy 23

 

 

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