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Klimaschutz an der Schule

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Umweltbewusstsein beginnt im Kleinen, im Alltag, zu Hause, aber auch in der Schule. Die Töchter der Familie Majores aus Untereisesheim, über deren Engagement in Sachen Klimaschutz die Redaktion in loser Folge berichtet hat, besuchen das Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) in Neckarsulm. Im Gespräch mit Direktor Marco Haaf stellen Nele (15) und Leni Majores (13) fest, dass nicht alle Lehrer und Schüler bewusst handeln. Manches wird schon umgesetzt – aber es ist längst nicht genug

Unnötiger Müll

Was läuft denn in der Schule so in Sachen Klimaschutz?

Nele: Es gibt nicht viel, das wir im Alltag tun. Aber beim Projekt "Schule als Staat“ sind wir nachhaltig. Da gibt es richtiges Geschirr, und der Müll wird extra bezahlt.

Haaf: Das sieht man ja auch beim Bäcker, wo jedes Brötchen in eine Tüte kommt. 

Leni: Die dann sofort wieder weggeworfen wird, weil das Brötchen gleich gegessen wird. 

Ist Fridays for Future ein Thema am ASG?

Nele: Nein, darüber wird eigentlich gar nicht geredet. In meiner Klasse ist da niemand dabei. 

Haaf: Es gibt zwei Schüler, die mitstreiken. Die Hürde ist anscheinend doch groß, weil man dafür erst nach Heilbronn fahren müsste. 

Umweltfreundliche Mobilität

Stichwort Transport: So genannten Elterntaxis sind an vielen Schulen ein Problem. Wie kommen die Gymnasiasten ans ASG?

Nele: Wir fahren mit dem Bus

Haaf: Ihr könntet auch mit dem Fahrrad kommen, die Stadt Neckarsulm hat einen fortschrittlichen Schulwegeplan. Deshalb sind Elterntaxis bei uns kein Thema. 

Leni: Viele Schüler sind aus Neckarsulm, die laufen dann zur Schule. 

Schulgebäude sind oft die eigentlichen Klimasünder. Wie sieht es da aus?

Haaf: Am Gebäude könnte man sicher am schnellsten am meisten machen. Wir haben einen wahnsinnig hohen Stromverbrauch, weil wir zwei alte Heizpumpen haben. Es gibt drei unterschiedliche Heizsysteme. Oder die Jalousien, die immer zur falschen Zeit hoch- oder runterfahren. 

Leni: Das merkt man zum Beispiel im Frühling, wenn in den Fluren die Heizung noch läuft. 

Nele: Dann wird über das Fenster die Temperatur geregelt. 

Abfall einsparen

Haaf: Das stimmt. Aber wir haben auch schon viel getan. Zum Beispiel haben wir die Zahl der Kopien an der Schule in den vergangenen Jahren halbiert. Das spart unglaubliche Mengen an Papier und wirkt sich finanziell aus. 

Leni: Wir nutzen deshalb unsere Arbeitshefte wieder mehr. 

Nele: Und es gibt Whatsapp-Gruppen, in die Lehrer Informationen stellen können. 

Haaf: Es werden tatsächlich weniger Elternbriefe geschrieben, dafür gibt es Mailinglisten. Auch an die Kollegen geht fast kein Papier mehr. Auf Verwaltungsebene haben wir da bewusst einiges abgeschafft. Zudem haben wir die Getränke umgestellt. 

Nele: Tetrapacks gibt es nur noch beim Bäcker. Wasser kann sich jeder in seine Flasche füllen. Das machen eigentlich alle. 

Leni: Aus dem Kaffeeautomaten kommen aber noch Plastikbecher. 

Haaf: In der Mensa wird frisch gekocht, da entsteht eigentlich relativ wenig Müll, weil Frischware verwendet wird. 

Leni: Uns ist trotzdem aufgefallen, dass in der Küche sehr viel Verpackungsmüll anfällt. Das dürften pro Tag bis zu vier Müllsäcke sein. Außerdem fliegen viele Servietten in den Müll, weil sich Schüler nicht nur eine, sondern gleich fünf nehmen. 

Regeln zum Recycling

Haaf: Wie könnte man das regeln? 

Leni: Einfach nur eine Serviette pro Essen verteilen. 

Nele: Derjenige, der den Nachtisch austeilt, könnte die den Schülern mitgeben. 

Wo müsste es noch Verbesserungen geben?

Haaf: Die Mülltrennung ist schlecht. Das ist in den Klassenzimmern fast nicht möglich. 

Leni: Es gibt zwar zwei Mülleimer in jedem Zimmer, aber beim Restmüll ist oft auch Papier drin. 

Nele: Man müsste alle Schüler noch mehr darauf aufmerksam machen. Manche Lehrer weisen uns zwar darauf hin, aber da müsste mehr kommen. 

Haaf: Da spielt sicherlich auch das Recyclingsystem des Landkreises eine Rolle. Gäbe es die gelben Säcke, könnten wir viel besser trennen. Vielleicht könnten wir Plakate aufhängen, damit an den Mülleimern besser getrennt wird. Aber es gibt auch andere Überlegungen, zum Beispiel bei Studienfahrten nicht mehr zu fliegen. Aber bei dem Vorschlag gab es einen Aufschrei unter den Schülern. 

Studienfahrten ohne Flug

Nele: Ich finde Fliegen auch angenehmer, aber man könnte mal darüber reden. 

Leni: Ins Schullandheim fahren wir ja auch mit dem Bus

Nele: Oder mit der Bahn

Leni: Bei uns in der Klasse fahren schon mehr in Urlaub, als dass sie fliegen. 

Haaf: Da hat sich schon was verändert. 

Leni: Das liegt aber auch an den Eltern.

Haaf: Das stimmt, die haben viele Möglichkeiten. 

Eltern müssen mithelfen

Nele: Zum Beispiel für zu Hause Glasflaschen kaufen. Ich gehe auch nicht zum Bäcker, sondern bringe mein Essen mit. 

Haaf: Alle müssen an einem Strang ziehen, damit sich das Bewusstsein verändert. Eltern könnten sagen, wer mit dem Fahrrad zur Schule fährt, bekommt einen Teil des Geldes, das die Fahrtkarte kosten würde. Das ist auch ein Erziehungsprozess. Bei uns müssen die Schüler zum Schwimmen ins Aquatoll laufen. Das ist gesund und spart Kosten. 

Nele: Es ist ja auch nicht weit. 

Haaf: Manche Eltern wollen ihre Kinder trotzdem lieber fahren. Den Druck muss man als Schule dann auch aushalten. Wir haben jetzt die Pausen angepasst, damit die Schüler genug Zeit für den Weg haben. 

Leni: Es gibt aber Schüler, die bekommen trotzdem extra dafür eine Busfahrkarte

Haaf: Da habe ich manchmal das Gefühl, das Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Dabei gibt es viele Dinge, wo jeder selbst anfangen könnte, etwas für das Klima zu tun. Aber manche schreien laut, und dann scheitert es an der Umsetzung. Ich wünsche mir ehrliches Engagement

Thema Umwelt im Unterricht

Nele: Bei uns hat meine Mutter damit angefangen, aber inzwischen achte ich auch selbst mehr darauf, was ich kaufe. 

Haaf: Das ist wichtig, man muss es ins Bewusstsein rücken. 

Nele: Ich würde vorschlagen, dass wir den Film "Plastic Planet“ anschauen. Aber das müssten dann auch wirklich alle machen, sonst bringt es nichts. 

Haaf: Wünscht Ihr euch mehr Umwelterziehung im Unterricht

Nele: Ja, das wäre gut. 

 

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