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Die erste Blutspende

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Es riecht nach Desinfektionsmittel. Heute ist Blutspende in der Stauseehalle in Mulfingen. Um 18 Uhr ist nicht mehr viel los, denn die meisten Spender waren wohl schon da. Nur noch wenige Liegen sind belegt. Helfer vom Deutschen Roten Kreuz versorgen die Leute mit zuckerhaltigen Getränken, Krankenschwestern betreuen die letzten Spender. Die liegen relativ entspannt da, nur die Fäuste arbeiten: Sie pumpen, damit das Blut schneller in die Plastikbeutel fließt.

Etwas Gutes tun

Ich (19) bin zwar heute das erste Mal als Spenderin da. Trotzdem ist mir das Prozedere nicht unbekannt. Als Kind habe ich meine Eltern oft begleitet. Deswegen war für mich früh klar: Ich will auch Blutspenderin werden. Das darf man ab dem 18. Geburtstag. Ich habe trotzdem fast zwei Jahre gezögert, weil ich doch ein wenig Angst hatte. Nicht vor dem Piecks. Aber davor, dass der Kreislauf nicht mitmacht.

Ich bin froh, dass meine Freundin mich überredet hat. Ohne sie hätte ich sicher wieder eine Ausrede gefunden. Sie macht mir Mut und verspricht: Es ist alles halb so wild. Sie spendet heute schon zum zweiten Mal Blut. Meine Schwester ist zudem als Unterstützung dabei. Ich bin zwar etwas nervös, freue mich aber auch, etwas Gutes zu tun.

Vorzeitiger Abbruch

Der Arzt Werner Baumann aus Bad Mergentheim merkt mir die Nervosität an: "Wer kein Lampenfieber hat, ist kein guter Schauspieler.“ Er beantwortet geduldig die vielen Fragen, die ich habe. Gemeinsam gehen wir den Fragebogen noch einmal durch, den ich zuvor ausgefüllt habe.

Er erklärt mir, dass das Blut nach der Abnahme in seine Bestandteile getrennt werde. Ich darf beispielsweise kein Blutplasma und keine Thrombozyten an Patienten spenden, weil ich Allergien habe. Beides wird in dem Fall zu Forschungszwecken verwendet. Und was ist, wenn der Spender eine ernsthafte Erkrankung wie HIV oder Hepatitis hat? Dann, erklärt Baumann, werde der Spender selbst oder dessen Hausarzt sofort informiert. Das Blut wird bereits am Tag nach der Abnahme getestet. Auch solche für Blutspenden nicht brauchbaren Konserven gehen an die Forschung.

Baumann nimmt sich viel Zeit für mich, so dass ich schließlich die letzte Blutspenderin des Tages bin. Ich bin nicht mehr so nervös wie zuvor, habe aber trotzdem noch großen Respekt. Ich gehe zum Rand der Halle. Dort ist meine Liege. Krankenschwester Monika Stolz aus Mannheim rät mir: "Schauen Sie jetzt lieber weg.“ Das tue ich auch. Als sie die Nadel in die Vene meiner Ellenbeuge schiebt, tut es – wider Erwarten – kaum weh.

Zu Beginn werden 30 Milliliter Blut für den Labortest abgenommen. Dann soll noch ein halber Liter Blut abgezapft werden. Doch nicht bei mir, die Spende muss nach 70 Millilitern abgebrochen werden. Nicht weil mir – wie befürchtet – schwindelig wird, sondern weil ich zu wenig getrunken habe. Das Blut läuft ganz langsam – zu langsam. Ich hätte mehr trinken müssen. Eineinhalb Liter Wasser haben nicht gereicht. DRK-Helferin Edith Haun aus Klepsau weiß: "Das kommt öfter mal vor. Nächstes Mal weist du es.“

Ein Privileg

Trotz dieser Enttäuschung bringt mich ein Helfer zum Lachen. Als ich nach einem Käsebrötchen frage, antwortet er: "Käse? Da sind Sie heute die Erste.“ Obwohl ich die letzte Spenderin bin. Denn meine Begleiterinnen dürfen nicht spenden: Meine Schwester muss dauerhaft Medikamente nehmen, und meine Freundin war im vergangenen Monat in China. Zu dritt haben wir gerademal 70 Milliliter gespendet, die nur für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden können. Aber immerhin waren wir nicht umsonst da. Trotz der mageren Ausbeute darf ich erst in acht Wochen wieder spenden. Und das werde ich auch tun.

Denn im Nachhinein war meine Angst unbegründet. Die Helfer kümmern sich gut um die Leute und nehmen sich Zeit. Und wenn ich einmal eine Bluttransfusion brauche, bin ich froh, wenn viele Menschen helfen. Das Beispiel meiner Schwester zeigt mir: Es ist ein Privileg, überhaupt Blut spenden zu können. Und es ist eine Chance, Gutes zu tun. Diese möchte ich nutzen. "Manchmal“, erzählt Baumann, "kribbele es bei den Spendern zwischen den Schultern“. Wachsen da vielleicht Flügel? "Was meinen Sie, wie dankbar die Patienten ihren Schutzengeln sind?“, sagt der Arzt.

 

 

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