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Bilder gegen Rassismus

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Das Foto zeigt zwei junge Frauen. Sie stehen mit dem Rücken zur Kamera. Die eine breitet die Arme aus und schaut lächelnd über ihre linke Schulter, während die andere versucht, sie in den kleinen Teich zu stoßen.

Fremd- und Selbstdarstellung

"Wir wollten die berühmte Titanic-Szene darstellen“, erinnert sich Rabia Küçüksahin. Die Momentaufnahme wirkt unbeschwert, dahinter steckt jedoch eine klare Botschaft

"Du siehst was, was ich nicht bin“ – so lautet der Titel der Foto-Ausstellung. Den meisten Betrachtern fällt auf: Beide Frauen tragen ein Kopftuch. Das Projekt, initiiert von zehn Studierenden der Islamwissenschaften aus Frankfurt, ist aus dem Modellprojekt "Hessische Muslime für Demokratie und Vielfalt“ entstanden. Es beschäftigt sich mit der Fremd- und Selbstdarstellung von Musliminnen und Muslimen. Am deutschen Diversity-Tag am 28. Mai wurde die Ausstellung gegen Alltagsrassismus am Campus Sontheim der Hochschule Heilbronn eröffnet. Dafür sind die Studierenden extra aus Frankfurt angereist.

Selbstgemacht

Angefangen habe alles mit Workshops zur Fotografie. "Dann haben wir die Bilder gemacht“, erinnert sich Küçüksahin. Besonders wohlgefühlt haben sich dabei alle in der Natur. So entstanden die "Bilder aus eigener Hand“, wie der Untertitel verrät, innerhalb eines Jahres. 27 Farbbilder mit zehn Begleittexten hängen einen Monat lang in der Hochschule. 

Die Ausstellung nach Heilbronn geholt hat Annett Großmann, Professorin für Betriebsorganisation und technische Logistik. Sie traf Initiatorin Küçüksahin auf einem Kongress. Da wurde klar: Beide wollen das Thema an der Hochschule angehen. "Wir leben die Vielfalt hier alltäglich“, ist Großmann überzeugt. Auch Wibke Backhaus, Referentin für Gleichstellung und Diversität, zeigt sich begeistert. "Es ist ein Projekt von Studierenden, die hierbei selbst sprechen“, meint sie.

Toleranz

Die drei Projektmitglieder Rabia Küçüksahin, Hatice Dönmez und Jülide Sansar berichten auf dem Podium, welche Erfahrungen sie mit Alltagsrassismus gemacht haben. Dabei ist auch Dr. Masoumeh Moghaddam von SAP. Die Iranerin engagiert sich für kulturelle Vielfalt in der Firma. Nur mit gegenseitigem Austausch könne besseres Verständnis gefördert werden, so die Mathematikerin und Informatikerin.

"Die Menschen sollen ihre eigenen Bilder im Kopf hinterfragen“, sagt Küçüksahin. "Wir sprechen hier nicht für alle Muslime, sondern über uns, als Individuen.“ Sie wolle auch andere ermutigen, den Raum einzunehmen, den sie brauchen.

Auch Hochschuldirektor Oliver Lenzen will die Verantwortung als Hochschule ernst nehmen. "Toleranz muss ausgehalten und Vielfalt gelten gelassen werden“, so der Rektor. Neben Lehre und Forschung trage man immer eine gesellschaftliche Verantwortung. Die Fotos sollen inspirieren und ihre Betrachter zum Nachdenken bringen – und gleichzeitig eine Grundlage für Gespräche und gegenseitiges Zuhören fördern, da sind sich alle einig. 

Öffnungszeiten

Die Ausstellung im Foyer der Aula am Campus Sontheim ist bis zum 28. Juni montags bis freitags von 7 bis 22 Uhr und samstags von 7.30 bis 13 Uhr geöffnet.

 

 

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