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Mehr als eine Reise

Übersicht

Nach einer einjährigen Planungsphase sind meine beste Freundin Noemi und ich am 30. Dezember vergangenen Jahres in den Flieger nach Neuseeland gestiegen. Wir landeten in Auckland und verbrachten drei Nächte in einem Hostel, bis unser erster Gastgeber uns abholte. Von da an verbrachten wir sieben Monate im Land der Schafe, Wasserfälle und Kiwis. Hauptsächlich arbeiteten wir auf ökologischen Farmen. Später kauften wir uns noch ein Auto, das uns bis zu unserer Abreise im Juli begleitete. Was genau wir gemacht haben, und warum es definitiv mehr als schnödes Work and Travel war, steht auf dieser Seite.

Die Arbeit 

Wwoofing klingt schon seltsam. Die meisten Leute sehen einen mit großen Augen an, wenn man davon erzählt. Es leitet sich von der weltweiten Bewegung "WorldWide Opportunities on Organic Farms" (WWOOF) ab, die ökologische Bauernhöfe mit Besuchern verbindet. WWOOF ermöglicht Erfahrungen des kulturellen Austauschs und der Weiterbildung, die auf Vertrauen und geldlosem Austausch basieren, mit dem Ziel, eine nachhaltige globale Gemeinschaft aufzubauen. Nach der Registrierung auf der Website hatten wir die Möglichkeit, Hosts im ganzen Land zu finden. Praktisch ist die Kartensuchfunktion, mit der man gezielt nach Hosts in bestimmten Gebieten Neuseelands schauen kann. Man sollte genau darauf achten, was gefordert wird, und ob man die Voraussetzungen erfüllt. Wir sind oft zwischen ein und vier Wochen geblieben.

Meistens ist das Ganze sehr flexibel und der Deal einfach: Man hilft auf der Farm mit und bekommt dafür Essen und Unterkunft. Wichtig ist es, sich die Erfahrungsberichte früherer Wwoofer durchzulesen. Der Begriff Farm ist zum Beispiel sehr dehnbar. Es handelt sich meist nicht um richtige Bauernhöfe. Oft sind es Menschen oder Familien, die ein paar Hektar Land haben und sowohl Gemüse und Obst, als auch  Nutztiere haben. In unseren sieben Monaten haben wir nicht nur Früchte geerntet und Tiere gefüttert. Vielmehr wurden wir mit den ökologischen Methoden der Landwirtschaft und Tierhaltung vertraut gemacht. Man lernt, wie lange man eine Pflanze zu wässern hat, wie sie heißt und welchen Nutzen man aus ihr ziehen kann. Außerdem wurde uns gezeigt, wie man fermentiert und wie man die große Ernte im Sommer so verarbeitet, dass man selbst im Winter noch davon zehren kann.

Neben all dem ist vor allem der Kontakt zu den Einwohnern unendlich wertvoll gewesen. Man sitzt mit den Leuten beim Essen am Tisch und führt sehr viele Gespräche, die nicht nur den eigenen Horizont, sondern auch das eigene Wissen bereichern. Ich habe mein Englisch dadurch stark verbessert und viele Leute kennengelernt, mit denen ich auch hier in Deutschland noch Kontakt halte. Für unsere Hosts haben wir natürlich auch geputzt, wenn es verlangt wurde, gekocht oder einfache Haushaltsdinge erledigt. Die Hauptaufgaben hatten jedoch mit Landschaftspflege zu tun. Dabei lag die geforderte Arbeitszeit bei vier bis sechs Stunden, wobei kürzer Arbeiten oft bedeutete, dass man härter arbeiten musste.

Viele Erfahrungen

Die Kultur war nicht das Einzige, was wir hautnah miterleben durften. Unsere Hosts haben uns nicht nur bei der Suche weiterer Hosts geholfen, sondern uns oft auch die besten Wanderwege und Aussichtspunkte verraten. Sie waren auch meist bereit, uns hinzufahren und abzuholen, solange wir noch kein Auto besaßen. Außerdem wurden wir oft wie ein Teil der Familie behandelt und durften uns im Haus an fast allem bedienen. Man bekommt ein echtes Heimatgefühl vermittelt, wenn einen Leute gut aufnehmen. Abgesehen von den Anreisekosten und den 40 NZD für die Registrierung auf der WWOOFing- Website, war alles gratis. Man zahlt weder fürs Essen, noch für die, meist supertollen Unterkünfte. Es ist schön, dem Land etwas zurückzugeben, indem man hilft, die Natur zu schützen und zu pflegen. Außerdem lernt man, selbstständig zu sein und entwickelt eine außergewöhnliche Freude am Arbeiten mit Tieren und Pflanzen. Mir hat es auch wahnsinnig geholfen, mich für ein Studienfach zu entscheiden. Am Ende wurde es nämlich Naturschutzbiologie.

Tipps

1. Kommunikation ist unglaublich wichtig, um sich mit den Hosts zu verstehen. Die haben oft eine andere Kultur, und außerdem reden sie Englisch. Wenn man unzufrieden ist, ist es kein Problem zu sagen, dass man gerne weiterreisen würde. Sei offen! Du kannst zu nichts gezwungen werden, solltest dich aber nicht dagegen wehren, auch einmal eine weniger
spannende Aufgabe erledigen zu müssen.

2. Lass dich auf das ökologische Leben ein! Es ist vielleicht ungewohnt, auf eine Komposttoilette zu gehen, oder die Plastiktüte nur zu leeren, anstatt sie mitsamt dem Inhalt in den Müll zu werfen.

3. Mit dem Bus reisen ist möglich, jedoch umständlich, um kleinere Orte zu erreichen. Ein gebrauchtes Auto bekommt man recht einfach.

4. Nutze die Gastfreundlichkeit der Hosts nicht aus. Neuseeländer sind oft sehr freundlich und wollen dir nicht direkt sagen, wenn ihnen etwas nicht passt. Versuche deshalb, dich häufig zu erkundigen, ob du noch etwas helfen kannst und stehe nicht planlos herum, wenn du dir unsicher bist, was zu tun ist.

5. Vergiss nicht, dein Wwoofer-Profil auf dem neusten Stand zu halten! Dazu gehört zum Beispiel dein Standort und dein Verfügbarkeitskalender. Außerdem sind Bilder, auf denen du arbeitest wichtig, um zu zeigen, dass du schon erfahren bist.

6. Für alle Literaturfreunde empfehle ich bei geistiger Unterforderung, die beim Arbeiten manchmal aufkommen kann, ein gutes und langes Hörbuch, wie zum Beispiel "Der Schwarm" von Frank Schätzing.

7. Wenn ihr euch beim Fliegen selbst einen Gefallen tun wollt, gebt beim Buchen an, dass ihr vegetarisches Essen möchtet. Das kostet weder extra, noch ist es eine kleinere Portion, ist aber deutlich appetitlicher als das normale Essen.

 

 

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