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Feuershow fürs gute Gewissen

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"Bohemian Rhapsody" schallt aus den Lautsprechern, während bunte Lichtstrahlen im Raum umhersausen. Im Rhythmus des Queen-Klassikers scheinen sie zu tanzen, sich zu wiegen, die Musik in Licht umzuwandeln. Dann ist es so weit: Der Song steuert seinem Höhepunkt entgegen, das markante Rock-Intro ertönt und mit ihm sprühen Flammen aus kleinen schwarzen Boxen am Boden in die Höhe. Was für ein Spektakel. Nur, dass es sich bei den vermeintlichen Flammen nicht um Feuerwerk, ja nicht mal um Feuer handelt. 

Das wird offensichtlich, als der Niedernhaller Pyrotechniker Michael Unger ohne zu zögern seine Hände in die vermeintliche Flamme hält – kein schmerzverzerrtes Gesicht, keine Brandwunden, auch sein Sweatshirt hat kein Feuer gefangen.

Granulat

Aber wie ist das möglich? "Vereinfacht gesagt, wird ein Granulat über ein Gebläse durch eine Keramikröhre nach oben geschossen und lädt sich dabei auf", erklärt Unger. Was oben herauskommt, sind kalte Funken, aber eben kein Feuer. Von dem Spektakel bleibt am Ende nur ein bisschen Staub auf dem Boden, der mit einem herkömmlichen Besen aufgekehrt werden kann. 

Weder den beißenden Geruch normaler Feuerwerkskörper noch die üblichen Rauchschwaden erzeugt das Gerät. Ein nicht unwesentlicher Vorteil, denkt man an die Klimadiskussionen rund um das Thema Feuerwerk. Kein Wunder also, dass die patentierte Technik der chinesischen Firma Showven gerade den Markt revolutioniert. Und der Niedernhaller erzählt nicht ohne Stolz: "Ich bin derzeit der einzige in ganz Süddeutschland, der diese Technik vertreiben darf."

Dabei ist er nur zufällig darauf gestoßen. "Das war auf der Musikmesse in Frankfurt", erzählt Unger. Ein Bekannter, bei dem er früher Feuerwerk bezogen habe, habe dort die neue Technik namens Sparkular vorgestellt. Sofort ist Unger Feuer und Flamme. Die erste Bestellung tätigt er an Ort und Stelle. Seitdem hat der Pyrotechniker viel in Sparkular investiert und ist überzeugt: "Diese Technik ist die Zukunft."

Verbrennungen

Bei Indoor-Veranstaltungen und in der Bühnentechnik sei es bereits auf dem Vormarsch und werde sich sehr schnell durchsetzen, davon ist Unger überzeugt. Es sei keine Genehmigung oder eine sonstige Anmeldung nötig und die Verletzungsgefahr gehe gegen null. Dass Pyrotechnik bei Bühnenshows eine echte Gefahr darstellen kann, hat 2016 Schlagersängerin Andrea Berg schmerzlich erfahren und schwere Verbrennungen davongetragen. "Das kann mit Sparkular nicht mehr passieren", sagt Michael Unger. Gerade in Hallen bestehe dann auch keine Brandgefahr mehr. 

Aber kann die neue Technik langfristig auch herkömmliche Feuerwerke ersetzen? Gerade im Hinblick auf die vielfach kritisierte CO2-Bilanz – sei es an Silvester oder zu sonstigen Anlässen? "Ein Feuerwerk geht derzeit nicht CO2-neutral", stellt Unger klar. Denn unter anderem Raketen seien noch nicht zu ersetzen. Durch eine gezielte Kombination bei Großfeuerwerken aus Lasershow, Sparkular und herkömmlicher Pyrotechnik ließen sich aber durchaus 30 Prozent an Emissionen einsparen.

Und was ist mit dem Normalbürger? Wird der irgendwann kaltes Feuerwerk statt Böller und Co kaufen können? "Irgendwann vielleicht schon", meint Unger. Absehbar sei das aber noch lange nicht. Es gehe auch um jede Menge Jobs in der Pyro-Branche. Ein Schritt in die richtige Richtung sei das umweltschonende Funkenspektakel aber allemal.

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