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Vier Monate in einer anderen Welt

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"Es war ein schrecklicher Start", erinnert sich Vanessa Gemmrig. Sie hatte sich soeben von ihrer Familie verabschiedet und war tränenüberströmt über den Frankfurter Flughafen bis zu ihrem Terminal gelaufen. Zu dem Zeitpunkt ist die Angst vor dem, was sie erwartet, groß. Für vier Monate wird sie am anderen Ende der Welt leben. Nach dem 14-stündigen Flug landet sie müde und völlig erschöpft in Argentinien, wo sie die nächsten Wochen ihrer Freiwilligenarbeit nachgehen wird, bevor es dann nach Peru und Mexiko geht. 

Kulturschock

Als sie in ihrer Wohnstätte in Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens, ankommt, hält sie ihre Bleibe anfangs für einen schlechten Scherz. "Ich hatte erst einmal einen Kulturschock", erzählt sie. Ihr neues Zuhause mit den Graffiti bemalten Wänden und den Metallgittern vor dem Eingang ähnelt einem Gefängnis. Ohnehin schon von starkem Heimweh geplagt, landet sie ausgerechnet in einem Ghettoviertel. "Ich dachte, ich kann hier nicht richtig sein", sagt sie. Sie muss sich zuerst daran gewöhnen, dass die Leute auf offener Straße "Asado", argentinisches Fleisch, grillen. "Die Zustände in Südamerika sind anders als in Europa. Es gibt sehr viel Armut. Am Anfang hatte ich Angst, dass es mich herunterzieht, aber ich war neugierig auf die fremde Kultur", gesteht sie. Fünf Stunden am Tag unterrichtet sie Englisch an einer argentinischen Grundschule. "Die Verständigung war anfangs schwierig, da dort keiner Englisch spricht", erinnert sie sich. Sie besichtigt allerdings auch die schöneren Gegenden Argentiniens wie etwa das Künstlerviertel in Buenos Aires und die Salzwüste "Salinas Grandes". Besonders die Iguazú Wasserfälle, die zu den sieben Weltwundern gehören, begeistern sie. "Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich so etwas mal sehe", sagt sie fasziniert. 

Herzlichkeit

Als nächstes reist sie nach Cusco, eine Stadt in Peru, und betreut dort für fünf Wochen Kinder in einer Kindertagesstätte. "Die Kinder sind sehr dankbar und freuen sich über jede Kleinigkeit", sagt Gemmrig. Oft hätten deren Eltern weder Zeit noch Geld für die Kleinen. Die Armut in Peru sei extrem: "Auf den Straßen sitzen viele Menschen in Decken eingemummelt und betteln mit ihren Kindern. In einem Land wie Peru habe ich zu schätzen gelernt, was ich daheim habe", sagt die 20-Jährige. An den Wochenenden unternimmt sie Ausflüge auf den Machu Picchu, eine Ruinenstadt der Inkas, zum Red Valley mit der faszinierenden roten Berglandschaft, und sie wandert 5038 Meter hoch auf den Rainbow Mountain. Ihr nächstes Ziel ist Mexiko. Neben dem Schulunterricht, den sie dort gibt, lernt sie surfen, besucht eine Krokodilauffangstation in Chacahua und die "Hotsprings", die heißen Quellen im Dschungel. Für ihre Freiwilligenarbeit bezahlt sie für die drei Länder, die sie besucht hat, jeweils 1000 Euro an eine Vermittlung, die für die Unterkunft, den Sprachkurs und die Verpflegung sorgt und Ansprechpartner ist. Die Investition hat sich für sie gelohnt, sie würde jederzeit wieder nach Südamerika reisen. 

 

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