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Starker Schlepper in Not

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Was passiert nach der Buga eigentlich mit ...? Diese Frage stellen sich wenige Tage vor dem Ende der Bundesgartenschau viele Besucher: mit Blick auf Möbel, Schirme und allerhand andere kleine und größere Buga-Utensilien. Wie berichtet wird ein Teil tatsächlich öffentlich versteigert. Aber was passiert denn mit dem historischen Neckarschlepper? Diese Frage treibt vor allem Fans und Freude eines Schiffes um, das an der nördlichen Kraneninsel unweit der Trauweide vor Anker liegt. Noch

SOS! Stimme- Leser Henner Steidel hat in Erfahrung gebracht, dass die Zukunft des über 100 Jahre alten Gefährts offen ist. Er warnt davor, es aufs Abstellgleis zu schieben oder gar zu verschrotten. Schließlich handele es sich mit seiner Ausstellung im Schiffsbauch um ein "schwimmendes Monument" der Neckarschifffahrtsgeschichte, das als Anschauungs- und Lernobjekt erhalten bleiben sollte. Im Übrigen beruhe Heilbronns Reichtum nicht unwesentlich auf seiner Lage am Neckar und den damit verbundenen Transportmöglichkeiten. 
Steidels Tochter Isabell, die im Mai mit 21 Jahren zur Stadträtin gewählt worden war, hat das Thema im Gemeinderat prompt auf die politische Ebene gehoben. Doch bei der Buga und im Rathaus weiß man dazu nicht viel zu sagen.

Stilllegung?

"Der Hafenschlepper gehört der Stadt“, erklärt Buga-Sprecherin Doris Keicher. Derzeit würden „Optionen zur weiteren Nutzung geprüft“. Rathaussprecherin Claudia Küpper kann zumindest die schlimmsten Befürchtungen vom Tisch wischen. „Es ist keinesfalls angedacht, das Schiff zu verschrotten.“ Die "Hafenamt Heilbronn", so der offizielle Name, soll auch künftig genutzt werden. In welcher Weise? "Das wird derzeit geprüft." Bis 30. Oktober habe die Buga GmbH das Recht, den Schlepper zu nutzen, dann gehe er an die Stadt zurück. "Voraussichtlich wird er zunächst in den Osthafen verlegt." 
Wolfgang Baars aus Bad Wimpfen, der das Schiff vor dem Untergang bewahrt hat und mit einer schlagkräftigen Truppe sowie mit Berufsschülern in Peter Geigers Werft auf Vordermann brachte, bedauert, dass die Stadt in dieser Frage noch "schwimmt". Das Schiff könnte doch als mobile Schifffahrtsausstellung weiterbetrieben werden. Heilbronn sollte sich am Museumsschiff Greundiek in Stade bei Hamburg ein Beispiel nehmen (siehe Kasten).

Unterbelichtet

Ausgerechnet in der Stadt mit dem größten Neckarhafen, Heilbronn, sei das große Kapitel Neckarschifffahrt "unterbelichtet", beklagt Baars. Seit Schließung des Museums im Milchhof würden dazu im Deutschhof nur wenige Exponate gezeigt. Die Neckarstadt müsse sich "besser positionieren" und das große Kapitel "Kultur im Wasser" angemessen aufarbeiten, etwa im Schulterschluss mit der Hafenstadt Mannheim. 

Neckaresel

Wolfgang Baars und andere Schiffsmänner wie Roger Staudt, Heinz Haferkamp und Eugen Emmig standen während der Buga auf dem Schlepper Rede und Antwort und berichten über das Auf und Ab der Neckarschifffahrt. Solche 250 PS starken Schlepper haben bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu 1000 Tonnen tragende Frachter, die ursprünglich keinen Motor hatten, flussaufwärts gezogen. Ihre Vorläufer waren die sogenannten "Neckaresel", genauer gesagt "Kettenschlepper". Der sperrige Name "Hafenamt Heilbronn" ist von der früheren Wirkungsstätte abgeleitet. Zuvor hatte das 1910 in der Nähe von Rotterdam gebaute Schiff andere Namen getragen: "Schlepper XI" und "Magdalena". 1955 ging es in den Besitz der Reederei Schwaben über. Seit Ende der 1970er gehört es der Stadt. Vor wenigen Jahren war der Schlepper ausgemustert worden und fast in Vergessenheit geraten. Erst durch die Buga tauchte es dank der Sanierung durch das Schiffsmänner-Team um Baars aus der Versenkung auf.

 

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