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Malend das Unbekannte erkunden

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Ein Widderhorn, Apfelschnitze, teils mit Honig beträufelt und ein Granatapfel mit seinen über 600 Kernen – das sind die drei Motive, die Marlis Glaser in die Luise-Bronner-Realschule (LBS) nach Heilbronn mitgebracht hat. Es sind Symbole für das kürzlich gefeierte jüdische Neujahrsfest Rosh Ha Shana. Über das gemeinsame Malen will die Künstlerin aus Attenweiler den 13 Schülerinnen und Schülern aus Klasse 8 bis 10, einer ist auch aus der Außenklasse der Paul-Meyle-Schule, jüdische Tradition und Kultur näher bringen. 

Porträts sind schon seit ihrer Studienzeit in Hamburg und Bremen ein Hauptbestandteil von Marlis Glasers Kunst. Am 4. Dezember wird sie der LBS ein Bild ihrer Namensgeberin überreichen: Luise Bronner musste im NS-Staat aus Heilbronn fliehen und ist doch immer ihrer Heimatstadt verbunden geblieben. "Sie zu kennen, heißt auch, ihre Werte und Kultur zu kennen", findet Glaser.

Eintauchen in Kultur

Auf Einladung des Freundeskreises Synagoge Heilbronn spricht sie am Abend über ihre Arbeit, doch nun geht es erstmal um die Schüler. "Ich will nicht, dass man nur an die verfolgten und ermordeten Juden denkt, sondern mitten in ihre Kultur eintaucht", erklärt die Malerin. Gerade das Neujahrsfest sei ein wunderbarer Feiertag. Im Monat davor gehe man in sich, überlege, was im abgelaufenen Jahr falsch gelaufen ist und bittet andere um Verzeihung. Früchte seien nicht nur Teil der Natur, sondern haben auch eine ethische Bedeutung und gerade das bräuchten die Menschen, ist Glaser überzeugt. 

Das Widderhorn, das Schofar, soll mit seinem durchdringenden Klang aufrütteln, erschüttern und der Mensch soll das auch zulassen. Die in Honig getunkten Apfelschnitze gehören ebenso wie der Granatapfel mit Segensspruch zur Tischzeremonie an diesem Tag. Das neue Jahr soll aufrütteln, süß und produktiv sein – für letzteres stehen die mindestens 600 Granatapfelkerne. "Nur wer sich selbst annimmt, besser erkennt, kann ein süßes Jahr erleben und sozial wirken", erläutert Glaser die Bedeutung.

Bewusst stehen hier Schüler an den Tischen, die das Projekt auch wirklich machen wollten, Interesse an Kunst und jüdischer Geschichte haben. "Eine Gruppe wird zum Beispiel wieder einen Stolperstein verlegen, die machen die Recherche dazu als fachübergreifende Kompetenzprüfung", erklärt Monika Pogodda-Cosic, die stellvertretende Schulleiterin. Für sie als Kunst- und Religionslehrerin ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Finanziert wird es vom Verein "Gegen Vergessen – für Demokratie". "Wenn da nur ein Granatapfelkern voll Wissen hängen bleibt, haben wir schon viel erreicht", denkt Pogodda-Cosic.

Maria kümmert sich mit kräftigen Pinselstrichen um ihr Schofar. "Normalerweise habe ich es nicht so mit Kunst, aber ich mag Schulprojekte und wollte etwas Neues ausprobieren", erzählt die 15-Jährige. Gerade die Informationen über jüdische Kultur haben sie interessiert, vor allem, weil ihre Schule nach einer interessanten jüdschen Frau benannt ist. "Die Bedeutung der Bilder hätte ich ohne Erklärung nicht erkannt."
Kunst und Stolperstein Stefani sitzt ihr gegenüber. Die 15-Jährige mag Kunst und ist Teil der Stolperstein-Gruppe. "Wir werden das auch in unsere Prüfung mit einbauen", kündigt sie an, während sie dutzende weitere Granatapfelkerne malt. 

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