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Familien im Fokus

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Unbedingt nach Heilbronn, wollte Admir Ilazi. Zwar werde er erstmal von Heidelberg hierher pendeln, trotzdem möchte der Lehrer für Mathematik, Biologie und Technik gerne in der Region arbeiten. An der Luise-Bronner-Realschule hat er eine Stelle gefunden, die zu ihm passt. "Ich wollte das", erklärt er. Die Menschen seien herzlicher in Heilbronn, seine Kollegen sehr nett. "Es ist ein schönes Gefühl", sagt der 32-Jährige kurz vor dem Start ins Berufsleben

Admir Ilazi gehört zu den 173 neuen Lehrern, die künftig in den Schulen in der Stadt und im Landkreis Heilbronn unterrichten. 154 von ihnen haben am Montagmorgen ihren Amtseid abgelegt und treten den Dienst als Beamte an, der Rest bekommt Arbeitsverträge. Dringend gebraucht werden sie alle. "Es fehlt an Köpfen", sagt Christiane Ziemer. Ohne jene 13 Gymnasiallehrer, die sich in der Region für eine Grundschule entschieden haben, oder einige Quereinsteiger könnte manche Schule den Betrieb gar nicht aufnehmen, ist die Personalratsvorsitzende überzeugt. Insgesamt fehlen im Land rund 790 Lehrer, hatte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vergangene Woche in Stuttgart erklärt. Rund 5800 Stellen waren landesweit zum neuen Schuljahr zu besetzen.

Phänomen

Die Ministerin hatte ein "eklatantes geografisches Beharrungsvermögen" beklagt. Ein Phänomen, mit dem auch der Schulamtsbezirk Heilbronn kämpft. Viele junge Lehrer pendeln zunächst in die Region und stellen dann zeitnah einen Versetzungsantrag. Deshalb wurde Schulamtsdirektor Markus Wenz bei der Begrüßung seiner neuen Kollegen nicht müde, die Vorzüge der Region anzupreisen. "Es gibt die Option, hier heimisch zu werden", ergänzt Schulamtsdirektorin Dr. Stephanie Heitz

Zusammen mit der Agentur für Arbeit und der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken hat das Schulamt das sogenannte Dual Career Netzwerk entwickelt, um die Region als Arbeitgeber für junge Familien zu präsentieren. Mit DCN sollen Partner und Angehörige der Lehrkräfte unterstützt werden, beispielsweise bei der Jobsuche oder der Suche nach einem Betreuungsplatz für den Nachwuchs. Lehrer zu finden sei das Eine, so Heitz, aber man müsse auch die Attraktivität der Region zeigen: "Die Familie gehört dazu." Zum ersten Mal gab es deshalb bei der formalen Vereidigung ein Begleitprogramm.

Während die Lehrer nach der offiziellen Feierstunde die Formalitäten erledigten, gingen Familienangehörige auf Sightseeing-Tour. Im Doppeldeckerbus bekamen sie nicht nur einen besonderen Blick auf Heilbronn geboten, sondern gleich noch Informationen über den Wirtschaftsstandort und die Freizeitangebote. Am Nachmittag war dann für alle eine Führung über die Bundesgartenschau geplant.

Umzug

Corinna Schweizer braucht das Netzwerk nicht, ihr Mann ist bereits in der Region beschäftigt. Eigentlich habe sie zunächst in Ludwigsburg bleiben wollen, erzählt die Reutlingerin. Doch nach dem Vorstellungsgespräch an der Mörike-Realschule sei klar gewesen, dass sie umzieht. Die Stelle habe einfach gepasst, sagt die Lehrerin für Sport, Englisch und Kunst. 

Genauso freut sich Natascha Hagen auf die Arbeit an der Amorbachschule in Neckarsulm. Mit zwei kleinen Kindern startet sie in den Beruf. Als Mutter sei es schwieriger gewesen, eine Beamtenstelle zu finden, sagt die Bretzfelderin. Aber es hat geklappt: Sie übernimmt in Teilzeit eine achte und eine zehnte Klasse und stellt sich damit der Herausforderung, künftig Familie und Beruf zu vereinbaren. Die Region schätzt sie längst: "Ich bleibe", versichert die 30-Jährige.

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