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Cliffhanger für Klarinette

Übersicht

Heißer Stoff, üppig synkopiert ist "Swamp Thang" (Stompin´ the Bayou), ein echter Knaller für das Finale. Ein Stück aus der Feder des Amerikaners Richard Meyer (1952-2012), das hierzulande zwar kaum bekannt ist, dennoch Erinnerungen an Cajun-Musik und Barbecue-Partys weckt. Mit dieser Zugabe bedankt sich das Junge Kammerorchester Tauber-Franken (JKO) unter Leitung von Thomas Conrad für den herzlichen Applaus. "Bühne frei" heißt es wieder. Der Abschied vom Sommer geht alljährlich einher mit dem Start in die neue Saison der beliebten Lauffener Veranstaltungsreihe. "Und die wollen wir mit unserer musikalischen Zukunft beginnen", begrüßt Bettina Keßler, Referentin für Kultur und Tourismus, das Publikum in der Stadthalle

Die Auftakt-Veranstaltung steht unter dem Motto "Strings meet Clarinet" ("Streicher treffen Klarinette"). Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel des JKO mit der Klarinettistin Laura Müller aus Nordheim. Die Solistin, 2002 in Heilbronn geboren, erhält seit ihrem neunten Lebensjahr Unterricht an der Musikschule Lauffen. Sie gewann 2018 bei "Jugend musiziert" einen zweiten Preis auf Bundesebene, ist Mitglied verschiedener Jugendorchester und wurde in die Begabtenförderung der Musikschule aufgenommen.

Klangbild

Technisch souverän und hochkonzentriert fühlt sich Müller in die Suite des Kanadiers Jim McGrath ein. Im Austausch mit den Streichern ergibt sich ein spannungsreiches Klangbild. Das viersätzige Werk zeichnet sich durch atmosphärische Dichte aus: "Hannah´s Dance", einem beschwingten Walzer folgt "Pastoral", das ruhig Stille und Tiefe des Wassers erkundet. Im Kontrast dazu das "Andante Misterioso" voll ausgelassener Kapriolen, bevor es "Veloce", also "schnell" ins Ziel geht. Geprägt durch seinen Hauptberuf als Filmmusiker überträgt McGrath filmische Stilmittel wie den Cliffhanger aufs Komponieren und erreicht damit überraschende Brüche mit atemberaubendem Effekt. 

Immer auf der Suche nach unbekannten Kompositionen stößt Thomas Conrad im Internet auf McGrath und kontaktiert ihn. In seiner Mail-Korrespondenz gesteht er "I make my living as a film composer, my concert music career is a labour of love." ("Geld verdiene ich mit Filmmusik, Konzerte schreibe ich aus Liebe").

Eine Randnotiz: Aus Liebe zum Tanz ist seine Tochter Hannah – ihr ist der erste Satz gewidmet – heute Profitänzerin in Berlin. Die Suite, die er bereits 2000 komponiert hat, scheint eher selten gespielt zu werden, zu Unrecht.

Mit Mozarts Divertimento F-Dur, komponiert im Alter von 15 Jahren, spielt sich das JKO warm. Das ist Unterhaltung auf höchstem Niveau: Leicht, aber nicht leichtfertig, kommt es schwungvoll und im Tonfall bestimmt daher. Es folgt ein Zeitsprung zum Impromptu des Finnen Jean Sibelius, in dem sich ruhige, kühle und teils dunkle Stimmungen des Nordens widerspiegeln. Nach der Pause zeigen sich die Talente im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren, unterstützt von fünf Dozenten, mit Antonin Dvorák Serenade E-Dur für Streichorchester in Hochform. Das Fazit des Leiters: "Ein Luxus, mit solch motivierten jungen Menschen arbeiten zu dürfen."

 

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