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Neuordnung im K3

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Es tut sich was im Heilbronner Einkaufszentrum K3, einem Sorgenkind des Einzelhandelsstandorts Heilbronn. Vor zwei Jahren verkauften die europaweit agierenden Investoren Isaac und Pinchas Schapira das Objekt an die Schweizer Pensionskasse Profond mit Stammsitz in Zürich. Centermanagement und Hausverwaltung verblieben bei der Firma Cemagg. Zurzeit sind umfangreiche Bauarbeiten im K3-Innern im Gange. Große Veränderungen stehen an. Für den glücklosen Ankermieter Toys „R“ US soll nun der erfolgreiche Sportartikelriese Decathlon mehr Kunden an den Berliner Platz locken. Darüber hinaus soll ein zweiter größerer Frequenzbringer helfen, das Center aufzupeppen. Wer das ist, verraten die Eigentümer nicht

Opfer der Flächenneuordnung ist der Kiosk im K3-Erdgeschoss. Kioskpächterin Karin Schurg berichtet, dass das Centermanagement ihr ins Gesicht gesagt habe: "Wir brauchen Ihre Fläche." Sie wirft Cemagg und den neuen Eigentümern vor: "Die wollten uns einfach draußen haben." Und das, obwohl die 63-Jährige mit ihrem Kiosk namens "Piccolo" samt Lotto-Annahmestelle schon seit 19 Jahren im K3 residiert und in dieser Zeit ein sehr inniges Verhältnis zu den vielen Kunden aufgebaut hat. Darum liefen Schurgs Kunden Sturm gegen das kalte Aus ihres beliebten Ladens. Schon über 1000 Unterschriften hat Karin Schurg für den Erhalt des Kiosks in einem Buch neben der Kasse gesammelt. Auch im Internet hagelt es Solidaritätsadressen und böse Worte gegen die Centerpolitik. Einige Kunden haben laut der Pächterin einen Sitzstreik angekündigt oder wollen sich anketten, um sich für den Kiosk einzusetzen. 

Vergiftetes Angebot

Wegen der Unterschriftenaktion, wie die Pächterin vermutet, habe sie mittlerweile eine Ersatzfläche im K3 angeboten bekommen. Der Textilhändler NKD ziehe auf die Fläche des Nettomarktes um, der wiederum in das Untergeschoss wandern soll. In die frei werdende Fläche von NKD käme Gastronomie. Auch der Kiosk soll nun auf der alten NKD-Fläche Platz finden. Doch für Karin Schurg ist das ein vergiftetes Angebot: "Das ist die heißeste Fläche, da brennt den ganzen Tag die Sonne drauf. Außerdem wurde mir ein Zehnjahresvertrag angeboten. Ich bin aber schon 63. Die wissen genau, dass ich nicht unterschreibe. So dumm bin ich nicht."

Welche Optionen hat Karin Schurg noch? Ihr jetziger Vertrag ist jährlich kündbar, so dass sie beim nächsten Kündigungstermin im November 2020 draußen wäre, ohne Ersatz. "Dann bin ich und drei Mitarbeiter arbeitslos." Oder sie geht zum Ende des Jahres "und ich bekomme vielleicht noch eine Abfindung". Oder sie geht tatsächlich in die angebotene K3-Fläche.

Suboptimal

Zu all dem wollen die neuen Eigentümer jetzt nichts sagen. Eine Stimme -Anfrage beantwortet Centermanagerin Madeleine Sperandio so: "Ihre Anfrage kommt leider zirka einen Monat zu früh. Noch sind einige Details zu klären." Sobald diese abgeschlossen seien, "stellen wir das neue K3 vor". 
Firmenchef Nicolas Härdtner ist jedoch "nicht unzufrieden" mit den Plänen für seine Bäckereifiliale. Diese soll gegenüber zum Decathlon umziehen. Zwar falle künftig der Sitzbereich weg. "Aber der war bisher ja eh nicht gut frequentiert."

Die Stadtbibliothek im K3 wird bekanntlich erweitert, bekommt eine Etage der Gaststätte Alex zugeschlagen. Bibliotheksleiterin Monika Ziller hofft, dass alle Umbauten im K3 zu einer Aufwertung des Zentrums führen. "So wie es bisher war, war es suboptimal."

Rathaus-Sprecher Christian Britzke berichtet, dass der Stadtverwaltung die Umbaupläne vorgestellt worden seien. "Wenn das so umgesetzt wird, kann man das begrüßen." Die Flächenneuordnung möchte Britzke nicht näher kommentieren.

Eva Schnepf von der Händlervereinigung Stadtinitiative stellt grundsätzlich klar, dass man "um alles froh sein muss, was da passiert. Das K3 ist so, wie es ist, eine Katastrophe für den Handel." Das Zentrum sei als Magnet geplant gewesen. "Doch es kam nie so richtig ins Laufen." Eva Schnepf hat Verständnis für den Protest der Kioskpächterin: "Wenn ich betroffen wäre, würde ich auch Amok laufen."

 

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