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Der Ruf des Abenteuers

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"Das Leben ist schön, also runter vom Gas!" – das lesen wir auf einem Straßenschild kurz vor der österreichischen Grenze. Unwillkürlich höre ich auf, zu beschleunigen – und so soll es auch die nächsten Tage bleiben. Was für eine schöne Botschaft – doch von vorne: Wir, das sind Elias und ich. Zwei Jungs, die schon immer gemeinsam ein Abenteuer erleben wollten. Und was eignet sich da besser, als eine Woche mit dem Auto zu einem Roadtrip aufzubrechen? Der Plan: Es gibt keinen. Wir hatten weder ein konkretes Ziel vor Augen, noch Lust darauf, damit unsere Freiheit unterwegs einzuschränken. Ganz nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel" begeben wir uns auf die Reise

Vertrauen

Ich erinnere mich an die schiefen Blicke unserer Freunde, wenn wir als Ziel immer "irgendwas im Süden“ angaben. Ist es denn so wichtig, genau zu wissen, wohin es geht? Als wir morgens losfuhren, wussten wir noch nicht, wo wir abends schlafen würden. Doch wir hatten Vertrauen in gute Menschen und eine Welt, die unsere Träume erfüllt. Und dafür wurden wir mehr als belohnt.

Um günstig zu Reisen, stellt sich zuerst die Frage, was du wirklich zum Leben brauchst. Nicht viel, das ist klar. Die Handys bleiben also für den Notfall im Kofferraum, alles andere daheim. Auch was das Essen angeht, muss sparsam nicht schlecht heißen. Morgens gab es Porridge mit Obst, mittags hielten wir hin und wieder auf Bergpässen an, um inmitten der Natur Nudeln auf einem kleinen Campingkocher zuzubereiten. Luxus war es auf keinen Fall, doch wen kümmert das?

Mit einem 20 Jahre alten VW Golf und einem astronomisch hohen Ölverbrauch führten uns die Wege in die Schweiz. Ja, ich kann hier wirklich nur von Wegen sprechen. Denn Mautstraßen haben wir komplett vermieden. Nicht nur, um Geld zu sparen – der Hauptgrund war, dass wir das Land entdecken wollten. Das bedeutete oftmals fahren auf holprigen, einspurigen Bergpässen, an Schluchten entlang, um Seen herum und über Berggipfel hinweg. Dauer? Ver-mutlich fünfmal länger als über die Autobahn. Abenteuerfaktor? Um ein Vielfaches höher. Denn nur dadurch, dass wir so langsam gefahren sind, konnten wir die Natur und die einheimischen Menschen wirklich hautnah erleben.

Sternenhimmel

Übernachtet haben wir meist auf Campingplätzen, manchmal aber auch bei uns bekannten Menschen, die gerade zufällig entlang unserer Route wohnten. Das war nicht immer kostenlos, und natürlich ist Wildcampen günstiger – solange wir nicht erwischt wurden. In vielen europäischen Ländern ist es allerdings nicht verboten, ohne Zelt unter den Sternen zu schlafen. Diese Übernachtungsmöglichkeit wollen wir bei der nächsten Reise ausprobieren. Der Weg an sich stellte uns vor eine richtige Herausforderung, denn wir hatten uns vorgenommen, kein Navi zu verwenden. Unsere einzigen Hilfsmittel war ein 1584 Seiten umfassender Strßenatlas und unsere unschlagbare Straßenkenntnis in kleinen Alpendörfern. Der Grund für diese Entscheidung: Wir mussten aus dem Fenster schauen, um unser Ziel zu finden und er-blickten dabei einige der schönsten Landschaften dieser Welt. Und ganz nebenbei würden wir nun jederzeit im Schlaf den Weg nach Italien finden. Italien, ja, mit der Zeit wurde klar, dass uns die großen Seen Norditaliens interessierten, und so wurden sie zu unserem Ziel.

Entschleunigung

Es ist schon erstaunlich – gerade unsere einfache Art zu reisen bescherte uns die verrücktesten Erlebnisse. So geschah es, dass wir in einer Woche das Ukulele spielen lernten, in einem eisigen Bergfluss in Italien badeten und am Lagerfeuer mit wundervollen Menschen Lieder sangen. Geplant war von diesen Erlebnissen keines – und das machte die Magie der Reise aus. Wenn ich unser Abenteuer eines gemeinsamen Roadtrips in einem Wort zusammenfassen müsste – es wäre spontan. Sei es eine kurzfristige Bergbesteigung, die Be-gegnung mit Einheimischen, oder einfach der gemütliche Abend mit der Ukulele am Laggo Maggiore – all diese wunderbaren Dinge geschahen nur, weil wir sie einfach getan haben. Weil wir uns Zeit genommen haben, weil wir uns auf die Abenteuer des Lebens eingelassen und Menschen vertraut haben. Wir hatten nicht viel dabei – doch wir haben gelernt, dass es nicht da-rauf ankommt, viel zu haben. Was wirklich zählt ist, dass du die kleinen Dinge im Leben wahrnimmst und dich an ihnen freust. Genauso, wie wir es einst auf einem Straßenschild vor der österreichischen Grenze gelesen haben …

 

Kurzer Steckbrief:

 

Reisedauer:                             7 Tage

Fahrzeit:                                  Etwa 44 Stunden

Zurückgelegte Distanz:            1565 Kilometer

Ausgegebenes Geld:                316,04 Euro

Durchquerte Länder:               5 (Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Italien)

Benutztes Wasser:                  35 Liter

Benzinverbrauch:                    96 Liter

Übrige Schweizer Franken:      zu viele

Erlebte Abenteuer:                  unzählbar

 

Die wichtigsten Tipps für einen Roadtrip:

 

- Plane nur das Nötigste, es kommt ohnehin alles anders.

- Sei gelassen, denn es gibt immer hilfsbereite Menschen.

- Nimm ausreichend Wasser, Öl und Benzin mit auf den Weg.

- Du wirst dich besser an die Erlebnisse erinnern, wenn du sie ohne Handy erlebt hast.

 

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