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Das Wort gewinnt

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Die Anfänge liegen im Jahr 1986. In Chicago fand vor 33 Jahren der erste Poetry-Slam statt, in den 1990ern verbreitete sich das Phänomen dann weltweit. Das Veranstaltungsformat, bei dem mehrere Künstler bei einem Poesie-Wettstreit mit selbstverfassten Texten gegeneinander antreten, hat auch 2019 seinen Reiz nicht verloren. "Das Besondere ist, dass sich viele Spielarten von Literatur treffen, die man eigentlich nicht miteinander vergleichen kann. Dadurch entsteht ein Schmelztiegel", sagt Philipp Herold.

Heidelberger

Der Slam-Poet weiß, von was er spricht. Schließlich steht der gebürtige Heidelberger seit knapp zehn Jahren auf Bühnen in ganz Deutschland. "Die Zuschauer sind beim Poetry-Slam hin- und hergerissen, ob sie die tiefere Lyrik oder die erheiternde Prosa besser finden. Außerdem ist Poetry-Slam ein richtig gutes Sprungbrett in die Kleinkunst geworden", sagt Herold. 

Am Samstag wird der 28-Jährige den 80. Heilbronner Poetry-Slam auf der Bundesgartenschau moderieren. Ab 20:15 Uhr treten auf der Bühne Schaufenster der Region sechs Poetry-Slamer und -Slamerinnen gegeneinander an. Mit dabei sind Theresa Hahl (Bochum), Marius Loy (Esslingen), Daniel Wagner (Heidelberg), Meral Ziegler (Düsseldorf), Kaleb Erdmann (Leipzig) und Jule Eckert (Berlin). Der Slam wird präsentiert von der Heilbronner Stimme und Pro Region sowie musikalisch umrahmt vom Pete Jones Trio aus Neckarsulm. 

Marius Loy aus Esslingen hatte seinen ersten Slam-Auftritt im Sommer 2013. Seit etwa einem Jahr ist er, Jahrgang 1991, als freischaffender Künstler selbstständig und gibt Workshops über Poetry-Slams und kreatives Schreiben an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. "Poetry-Slam ist egalitär. Im Gegensatz zur Exklusivität des klassischen Literaturbetriebes, ist die Zugänglichkeit für den Zuschauer ebenso von Bedeutung, wie das Versprechen an alle Poeten und Poetinnen gehört und anerkannt zu werden“, sagt Marius Loy.

Ob tagespolitisches Geschehen oder die "generationell empfundene Quarterlifecrisis" – auf ein Thema will sich der Poetry-Slamer nicht festlegen: "Meine Texte fußen in meinem persönlichen Erleben, den Dingen, die mir im Alltag begegnen und allem, was mich beschäftigt", sagt Marius Loy. Bei einer Sache ist er jedoch konsequent: „Ich schreibe fast ausschließlich Bühnenlyrik.“

Inszenierung

Seit 2009 ist Theresa Hahl Teil der deutschsprachigen Spoken-Word-Szene. Auch sie arbeitet als freischaffende Künstlerin und war für das Goethe-Institut bereits in Indien und Afrika, um dort Lyrik- und Poetry-Slam-Projekte durchzuführen. "Die Umsetzung und Inszenierung des gesprochenen Wortes", fasziniert Hahl, die 1989 in Heidelberg geboren wurde und inzwischen in Bochum lebt, am Poetry-Slam. Für den langanhaltenden Erfolg hat sie eine einfache Erklärung: "Es ist billiger als Kino und das Publikum darf etwas entscheiden."

Doch was muss man mitbringen, um ein (guter) Poetry-Slamer zu werden? "Auf jeden Fall eine gehörige Portion Selbstbewusstsein", sagt Philipp Herold. „Und ich finde es wichtig mit seiner Kunst ehrlich rüberzukommen." Authentisch sein und dem Publikum gleichzeitig eine Fläche zur Identifikation bieten – so fasst es der 28-Jährige zusammen.

 

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