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Hochschul-Nachbarn im Clinch

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Die Dualen Hochschulen in Heilbronn und Mosbach sehen beide ihre Zukunft gefährdet, und sie geben sich dafür gegenseitig die Schuld. Der Knackpunkt: Mosbach besteht darauf, dass Heilbronn weiter keine Studiengänge anbietet, die sich mit dem Angebot in Mosbach überschneiden. Im Heilbronner Umfeld sieht man in dieser Abmachung inzwischen eine Gefahr für Wirtschaft und Standort. Nun soll die Landesregierung in Stuttgart entscheiden. Die Wogen schlagen hoch

Als die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) 2014 Heilbronn in die Selbstständigkeit entließ, sagte man Mosbach zu, dass damit keine Konkurrenz entstehen soll. "Studienprofile", die sich mit dem Mosbacher Angebot überschneiden, wurden mit der "Konkurrenzklausel" einer "Errichtungsverordnung" ausgeschlossen. In Stuttgart diskutierte der Aufsichtsrat der DHBW zuletzt mehrfach über das Thema. Nun kam er mehrheitlich zu dem Schluss, dass die Landesregierung die Klausel aufheben soll. Die Entscheidung liegt beim Kabinett. Auch das Wissenschaftsministerium in Stuttgart sieht die Vorgabe von 2014 als überholt an.

Sinneswandel

Damit schrillen im Neckar-Odenwald-Kreis (NOK) die Alarmglocken. Landrat Achim Brötel kann den Sinneswandel von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) nicht nachvollziehen: "Noch im Mai 2018 hat sie mir mitgeteilt, sie sehe keinen Anlass, die Wettbewerbsklausel zu ändern." Das Thema könnte Brötel zufolge eine "Koalitionsfrage" werden. Zahlreiche Politiker, unter ihnen Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), haben sich in der "Rhein-Neckar-Zeitung" für die Beibehaltung der Regelung ausgesprochen. 

Auf Heilbronner Seite sieht man den Sachverhalt anders. Was Heilbronn verwehrt bleibe, sei nicht irgendein Studiengang, sondern der gesamte Bereich der Digitalisierung, erklärt Harald Unkelbach, Präsident der IHK Heilbronn-Franken und DHBW-Aufsichtsratsmitglied. "Natürlich wollen wir Mosbach nicht schaden, deswegen dränge ich darauf, dass Studienangebote abgestimmt werden", sagt er. In Heilbronn-Franken gebe es einen Bedarf von 250 bis 300 dualen Studienplätzen mit digitalen Komponenten, wie eine IHK-Erhebung zeige. "Das geht bis Crailsheim. Dieser Bedarf kann von Mosbach gar nicht gedeckt werden", sagt Unkelbach.

Handel ohne IT?

Die DHBW in Heilbronn ist ab diesem Herbst mit vier Studienangeboten am Start, Mosbach mit 22, dazu sieben an der Außenstelle Bad Mergentheim. Stark ist Heilbronn im Bereich Handel, keine Überraschung mit den großen Einzelhandelsfirmen vor der Haustür. Für die Heilbronner Rektorin Nicole Graf ist das allerdings nicht konsequent: "Beim Handel gibt es bereits die Überschneidungen mit Mosbach, die uns im Zukunftsbereich Digitalisierung verwehrt bleiben." 

Drei Studiengänge mit IT-Komponenten wurden für Heilbronn entwickelt, die wegen der fehlenden Zustimmung aus Mosbach bisher keine Chance auf eine Genehmigung hätten, etwa im Bereich Wirtschaftsinformatik oder "Digital Commerce Management". 

Trotz der Differenzen haben sich die Studierendenzahlen an beiden DHBW-Standorten positiv entwickelt. Die Interpretation fällt aber unterschiedlich aus. Für IHK-Präsident Unkelbach beweisen sie, dass die Bedenken in Mosbach unbegründet waren und sind. Für NOK-Landrat Brötel ist es der Beleg, dass die Errichtungsverordnung funktioniere. "Allerdings hat man sich in Heilbronn wohl mehr versprochen", sagt Brötel, und legt nach: Die hohen Erwartungen habe der neue DHBW-Standort nicht erfüllt.

 

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