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"Ich wollte immer die Welt verändern"

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Matto Barfuss lebt in zwei Welten: in Afrika und Baden-Württemberg. Der gebürtige Sinsheimer, weithin bekannt als "Gepardenmann", nutzt seine Kunst, um Artenschutz zu betreiben und den Menschen in Afrika zu helfen. Er sagt: "Ich versuche, Faszination zu transportieren." 

Herr Barfuss, Sie werden als Künstler, Maler, Fotograf, Filmemacher, Artenschützer und Autor bezeichnet. Wie sehen Sie sich selbst?

Matto Barfuss: Ich sehe mich vor allem als kreative Person, die versucht, etwas auf dieser Welt zu verändern. Ich habe das Glück, eine Menge Talente mit auf den Weg bekommen zu haben. Ich will einfach mit tollen Bildern Geschichten erzählen. Egal ob gemalt, fotografiert oder gefilmt. 

Matto Barfuss der "Gepardenmann": Was fasziniert Sie so sehr an den Raubkatzen?

Barfuss: Ich glaube, ich bin in gewisser Weise auch eine Art Katze. Sehr eigensinnig und stur. Deshalb haben mich diese Tiere schon immer sehr berührt. Und Raubkatzen natürlich noch mehr. Das Erlebnis mit einer Gepardin und ihren fünf Jungen war Liebe auf den ersten Blick, das hat mein Leben sehr verändert. Ich mag den Begriff "Gepardenmann" tatsächlich gerne

Wie oft sind Sie in Afrika?

Barfuss: Ich bin vor zwei Wochen von meiner 90. Afrika-Exkursion zurückgekehrt, seit rund 25 Jahren dort unterwegs. Ich verbringe etwa ein halbes Jahr in Afrika, habe einen Wohnsitz in Botswana. Dort setze ich meine Filmprojekte um und betreibe eine Stiftung für Bildung und Artenschutz. 

Wie begegnen Ihnen die Einheimischen?

Barfuss: Ich folge dem von mir selbst geprägten Begriff "Leadership by listening". Es geht darum zuzuhören und zu versuchen, die Ängste der Menschen zu verstehen. Ziel ist, gemeinsam Ideen für die Zukunft zu entwickeln und Kompromisse zu finden. Ich denke, das kommt ganz gut an. 

Über den afrikanischen Kontinent sind viele Klischees im Umlauf. Welches stimmt, welches nicht?

Barfuss: Es gibt die ganze Bandbreite: von schrecklich schön bis schrecklich. Schlimm ist in vielen Ländern die politische Situation, aber auch die Lage von Menschen und Tieren. In manchen Regionen gibt es viel Korruption, zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, mancherorts herrscht Krieg. Es gibt aber auch Regionen, die große Chancen bieten. In Afrika wird auch die Frage eine Antwort finden, ob wir es schaffen, Natur langfristig zu erhalten und trotzdem eine hohe Lebensqualität für die Menschen zu erreichen. 

Ihre Kunst transportiert Botschaften: Naturschutz, Artenschutz, Faszination und Verletzlichkeit der Kreatur, Bewahrung der Erde. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie die Menschen so erreichen?

Barfuss: Das war eine Entwicklung für mich. Ich wollte immer die Welt verändern. Irgendwann beginnt man, sich Themen zu suchen, die einen selbst berühren. Das war bei mir Umwelt- und Artenschutz, aber auch die Vision, Mensch und Tier zusammenzubringen. Als ich 1989 barfuß über die Alpen bin, habe ich versucht, die Leute zu schockieren. Da habe ich aber gemerkt, dass die Schock-Strategie nicht funktioniert. Die Leute machen zu, verdrängen die Probleme. Das kann man ja auch verstehen, es gibt genug Schreckliches auf dieser Welt. Heute versuche ich, Faszination zu transportieren, verbunden mit der Frage: Ist es nicht wichtig, etwas derart schönes zu erhalten? 

Welche Rolle spielt die Aufklärung der Bevölkerung?

Barfuss: Das ist das A und O. Wenn die Bevölkerung den Artenschutz nicht damit verbindet, dass sich ihre Lebensqualität verbessert, funktioniert es nicht. Der Stellenwert des Artenschutzes spielt in Afrika nicht im Ansatz die Rolle, die ich mir wünschen würde. Man muss sehen, dass Afrika ein Spielball imperialistischer Strukturen ist. Wir reden viel über das Elektroauto und vergessen dabei, dass wir in Afrika Kobalt und Coltan ausbeuten – unter fatalen Umständen. Ich habe oft ein sehr schlechtes Gewissen, wenn ich in Afrika unterwegs bin. 

Ihre Mission sehen Sie in Afrika. Als Artenschützer brennt Ihnen beim Blick auf den Amazonas vermutlich das Herz. Welche Schäden richten die Feuer an?

Barfuss: Brandrodungen sind ja auch in Afrika ein Problem. Die Schäden sind enorm. Der Amazonas ist viel zu spät in den Fokus genommen worden, die Wälder brennen dort ja schon sehr lange. Die Brände führen zu einer enormen Verschlechterung des Klimas. Durch die Feuer wird Kohlendioxid frei, gleichzeitig fallen die verbrannten Bäume als Speicher aus. Ich fürchte, wir stehen bald vor der Frage, ob uns die Welt nicht um die Ohren fliegt, wenn wir nicht rasch etwas unternehmen.

Schauen wir vor die Haustür:In Baden-Württemberg läuft ein Volksbegehren zum Artenschutz. Was halten Sie davon?

Barfuss: Das halte ich für sehr wichtig. Wir müssen alles dafür tun, die Vielfalt zu erhalten. Was verschwunden ist, können wir nicht wieder zurückholen

 

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