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Hohe Corona-Dunkelziffer

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Mit Spannung waren die Ergebnisse der RKI-Studie aus Kupferzell erwartet worden. Am Freitag nun präsentierte das Forscherteam vom Robert Koch-Institut die Ergebnisse.

Die wichtigsten drei Aussagen: 85 Prozent der Corona-Positiv-Getesteten hatten Symptome entwickelt. Die Dunkelziffer der unerkannt gebliebenen Infektionen lag bei 3,9. Das heißt: Es hatten 3,9 mal mehr Menschen das Virus als gedacht. Und: Zum Zeitpunkt der Testungen, also im Juni, war das Corona-Geschehen im Hohenlohekreis bereits eingedämmt. Es hat keine weiteren versteckten Infektionsherde gegeben.

Die Infektionskette, die zum damals hohen Anstieg der Fälle geführt hatte, sei erfolgreich durchbrochen worden. Die Maßnahmen hätten gewirkt, erklärt Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises. Die Eckdaten der Studie, an der sich 2203 Bürger beteiligten: 7,7 Prozent der Kupferzeller hatten positive Antikörper. Im Verlauf der Studie wurden keine akuten Infektionen vorgestellt. Bei Frauen (8,7 Prozent) wurden häufiger als bei Männern (6,7 Prozent) Antikörper nachgewiesen. 

3,9 mal mehr Infektionen als bisher bekannt 

16,8 Prozent der positiv getesteten Menschen hatten keine typischen Krankheitssymptome. 83,2 Prozent hatten mindestens ein Symptom, also Fieber, Husten oder Kurzatmigkeit. Es wurden in Kupferzell 3,9 mal mehr Infektionen nachgewiesen als bisher bekannt. Und bei 28,2 Prozent der Erwachsenen mit positivem Corona-Test konnten keine Antikörper nachgewiesen werden. 

Besonders spannend wird für ihn das, was noch kommt: Die Auswertung der beiden Fragebögen, die die Teilnehmer ausgefüllt haben. Es sei aktuell noch zu früh, eine abschließende Bewertung der Ergebnisse zu treffen, sagte Neth. In den Fragebögen war das Verhalten der Probanden während der Pandemie abgefragt worden, sie machten Angaben zu Bildung, Beruf, Freizeitverhalten und Vorerkrankungen. 

Daraus ergibt sich für die Experten vom RKI vor allem die Aussage, dass es auch in Zukunft wichtig bleiben wird dann zu testen, wenn die Menschen Symptome zeigen. Die Studie konnte das gut belegen, da sich Hohenlohe ausgehend von einem Kirchenkonzert in Eschental am 1. März zu einem Corona-Hotspot entwickelt hatte.

2200 Menschen wurden getestet

Für die Studie hatte das Team um Professor Dr. Thoms Lampert im Juni über 2200 Menschen in Kupferzell abgestrichen und das Blut auf Antikörper getestet. Die Probanden waren willkürlich aus dem Melderegister der Gemeinde gewählt worden. An der Studie beteiligten sich 2203 Bürger. Es wurden Rachenabstriche gemacht und Blutproben genommen.

Abstriche, Blutproben und Fragebögen 

Lampert leitet die Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring. Vor Ort wurde die Studie von Dr. Claudia Santos-Hövener mit einem über 30-köpfigen Team umgesetzt. Wichtiger Bestandteil der Studie waren neben Abstrich und Blutproben die Fragebögen. Hier wurden Vorerkrankungen, das Verhalten während der Pandemie, aber auch die Nutzung öffentlichen Nahverkehrs und Freizeitverhalten abgefragt. Neben Lampert und Santos-Hövener war Professor Dr. Lars Schaade, Vizepräsident des RKI bei der Vorstellung der Studie in Kupferzell, die bundesweit großes Interesse hervorruft. Das zeigte das große Medienaufgebot vor Ort.

Für die Studie waren vier besonders stark von der Pandemie betroffene Gemeinden ausgewählt worden. In Kupferzell im Hohenlohekreis und in Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim sind die Untersuchungen vor Ort bereits abgeschlossen. Als nächster Studienort werden ab 8. September die Untersuchungszentren in Straubing in Niederbayern eingerichtet.

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