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Fest im Sattel

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Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde – das kann Tabea Hirschmann nur bestätigen. Das Glück entsteht, wenn die 18-Jährige ihre Fortschritte erkennt oder wenn sie die Freiheit im Gelände genießen kann. Bereits mit vier Jahren hatte die Bad Rappenauerin das Vergnügen, zum ersten Mal auf einem Pferd zu sitzen. Damals ahnte sie noch nicht, wie bedeutend das Tier und die Sportart später für sie werden würden. Im Urlaub mit ihrer Familie besuchte sie mit ihrer Schwester Sara einen Bauernhof, auf dem Eltern ihre Kinder beim Ponyreiten führen durften. Sara hatte bereits Reiterfahrung. „Und was die große Schwester macht, möchte auch die kleine versuchen“, sagt Tabea. Bereits mit fünf Jahren erhält sie deshalb im nahegelegenen Stall Reitunterricht.
 

Zeitaufwendig

 
Ihr Hobby teilen die Schwestern auch mit ihrer Mutter. Vor vier Jahren kaufte Sonja den Wallach Anton und die Stute Florentine bei Yvonne Gutsche-Doebelin. In Bad Wimpfen leitet diese die Double Divide Ranch, in der rund 15 Pferde ausgebildet und trainiert werden. Tabeas Mutter wollte mit Anton und Florentine eine Reittherapie anbieten, doch die Idee ließ sich nicht umsetzen. Deshalb hat nun Tabea die Pferde für sich allein. Mittlerweile haben sich die Interessen der Schwestern verschoben: Wenn früher Sara das Pferdemädchen war, ist es heute Tabea. Vier- bis fünfmal pro Woche, jeweils zwei bis vier Stunden geht die Schülerin in den Stall, um den Wallach und die Stute zu reiten, zu pflegen, die Box auszumisten und um ihnen Kunststücke beizubringen. Das ist ein großer Zeitaufwand, doch für Tabea ganz normal. „Bei meinen Pferden kann ich Stress abbauen, es schafft für mich einen Ausgleich zur Schule“, sagt die junge Frau. Sie lässt auch das Wort Anstrengung fallen, die sie aber nicht mit Schulstress vergleichen kann, denn im Stall ist sie in ihrer Freizeit.
 
Die Haltung eines Pferdes bedarf einer umfangreichen Ausrüstung. So besitzt Tabea Helm, Sattel, Trense, Pads, Halfter, Führstrick, Putzkoffer, Decken und Bandagen. Jedes Pferd benötigt einen individuellen Sattel, dessen Größe der Sattler überprüfen muss. Der Hufschmied muss alle sieben Wochen erscheinen. Beim Putzen unterteilt man in Haut, Hufe und Fell, was mit großem Aufwand verbunden werden kann.  Manchmal merken Tabeas Pferde, wenn sie sich nicht wohlfühlt oder sie einen schlechten Tag hat. Allgemein wirken die Tiere stark auf sie ein und geben ihr Kraft. „Anton verfügt über Gelassenheit und überträgt es auf mich“, sagt Tabea. Doch auch Florentine wirke hin und wieder beruhigen. Pferde seien treue und liebevolle Tiere, hätten aber auch ihren eigenen Kopf. Tabeas Pferde unterscheiden sich sehr in ihrem Wesen.
 
Florentine ist freundlich gegenüber Menschen, ehrgeizig und lernwillig, sehr verspielt, etwas schreckhaft und würde keiner Fliege etwas zu Leide tun. Anton ist ebenfalls freundlich, jedoch sehr stur und zeigt es deutlich, wenn er nicht geritten werden möchte. Er macht nur Sachen, die ihm Freude bereiten. Er ist vor allem für Anfänger geeignet, da er im gesamten etwas ruhiger ist als Florentine, die direkt neben ihm in der Box untergebracht ist. „Ich habe kein Lieblingspferd, wenn man zwei Pferde hat ist das unmöglich.“ Für Tabea sind die Pferde wie Familienmitglieder, da sie eine starke Bindung zu ihnen hat und viel Zeit mit ihnen verbringt.
 
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Helfer

 
Unter anderem hat Tabea eine Reitbeteiligung und zwei Helfer, die sie beim Ausmisten unterstützen und im Gegenzug die Pferde reiten dürfen. Ihre Freundinnen finden es cool, dass sie zwei eigene Pferde hat, aber regelmäßig geht nur ihre Freundin Maja mit in den Stall. Obwohl ihr Freund Nick es nicht nachvollziehen kann, warum sie sich so regelmäßig und lange im Stall aufhält, akzeptiert er, dass sie reitet und hält sie nicht davon ab. Sie ist sich sicher, dass sie für ihn nicht auf die Pferde verzichten würde. Hufe klappern, Pferde traben, springen übern Wassergraben. Diese Zeile hat jeder wohl schon einmal gehört. Auch für Tabea ist „Bibi und Tina“ eine liebgewonnene Serie aus Kindheitstagen. Als sie selbst noch Reitunterricht nahm, konnte sie sich vor allem mit Tina gut identifizieren, weil diese einen eigenen Hof mit vielen Pferden besitzt und sie zu ihr hinaufschaute. Tabea erinnert sich schmunzelnd an die Wände in ihrem Kinderzimmer auf denen Poster aus der Wendy ihren Platz hatten. Eine Sache, die sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, ist die Relevanz der Pferde und des Reitens für sie persönlich. Mittlerweile bedeutet es für sie einiges mehr als früher.
 
Zu Beginn war es schlicht und ergreifend ein Hobby, doch mit der Zeit wurde es zu einer Leidenschaft, die aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken ist. In den vergangenen vier Jahren hat sie eine Beziehung zu den Pferden aufgebaut und vertraut ihnen blind. „Wenn man Reitunterricht hat, hat man nicht so einen engen Bezug zum Pferd, weil man mehrere reitet“, versichert die 18-Jährige, die bis zu ihrem 14. Lebensjahr Reitunterricht nahm. Das Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit. Um das ihrer Pferde zu gewinnen, zieht sie die Lektion des Kompliments heran. Dabei beugt sich das Pferd vor und ist somit auf einer ungewöhnlichen Höhe, da es normalerweise steht und aus dieser Position nicht flüchten oder losrennen kann.
 

Western

 
Ein guter Reiter muss in der Lage sein, mit seinem Pferd arbeiten zu können. Tabea ist aufs Westernreiten spezialisiert. „Was mich daran so fasziniert, ist, dass man viel mit der Stimme arbeitet, das Körpergewicht und die Beine einsetzt, um zu kommunizieren und die Pferde zu trainieren.“ Diese Art des Reitens kommt vom Rodeo, das in Amerika weit verbreitet ist. Während andere nach der Schule reichlich Bedenkzeit benötigen, um zu entscheiden, in welche Richtung sie einmal gehen möchten, hat Tabea schon einen Plan. Als ehrgeizige Reiterin strebt sie nach ihrem Abitur in diesem Jahr ein Auslandsjahr in Amerika an, bei Cowboys auf einer Ranch. „Ich möchte das Westernreiten vor Ort richtig erlernen und mich verbessern“, sagt sie zielgerichtet. 
     
Tabea träumt von einem eigenen Hof mit Westernstall. Einen Beruf mit Pferden kann sie sich gutvorstellen. Hauptberuflich möchte sie aber einen Weg als Grundschullehrerin einschlagen und nebenberuflich Reittherapie mit Kindern betreiben.

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