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Fahren am Limit

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Es vergeht kaum ein Tag, an dem betrunkene Autofahrer keinen Crash verursachen. Im Jahr 2018 ist bei 349 Unfällen in Stadt- und Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis Alkohol im Spiel. Landesverkehrsminister Winfried Hermann, der ADAC und die Deutsche Verkehrswacht treten für ein striktes Alkoholverbot ein.

"Bei schweren Verkehrsunfällen gehört Alkohol mit zu den häufigsten Unfallursachen", sagt Rainer Köller, Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums. Mit dem gestiegenen Alkoholpegel ginge häufig eine überhöhte Geschwindigkeit einher. Dies gelte insbesondere für die hiesigen Kreis-, Landes- und Bundesstraßen. Schwere Lkw-Unfälle auf der Autobahn ließen sich meistens auf Übermüdung und sonstige Ursachen zurückführen, "nicht unbedingt auf Alkohol".

Entgegen der Fahrtrichtung unterwegs

Meldungen über Trunkenheitsfahrten reißen nicht ab. In der vergangenen Woche berichtet die Polizei beispielsweise über eine 73 Jahre alte Fahrerin in Heilbronn, die betrunken auf der Oststraße entgegen der Fahrtrichtung fuhr und mit einem anderen Auto zusammenstieß. Ein 26-Jähriger geriet mit seinem Fahrzeug auf der Strecke zwischen Kirchhausen und Bonfeld ins Schleudern, streifte einen entgegenkommenden Wagen und überschlug sich. Ein Atemalkoholtest ergab nach Angaben der Polizei einen Wert von mehr als 1,7 Promille.

Ein Bier in geselliger Runde, ein Viertele in der Besenwirtschaft zum Essen - nicht wenige halten sich auch danach noch für sichere Autofahrer. Und wenn doch ein bisschen mehr getrunken wird, finden sich Schleichwege. "Es ist ja nicht weit bis nach Hause", denkt sich mancher und steigt ins Auto.

Entsetzen rufen Unfallmeldungen wie jene nach der Todesfahrt in Luttach in Südtirol hervor, bei der ein Volltrunkener sieben junge Menschen tötete. Der Ruf nach null Toleranz gegenüber Alkohol im Straßenverkehr ist danach auch in Deutschland zu hören.

In Tschechien und Polen gilt: null Alkohol

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Hier gilt wie in vielen europäischen Ländern eine Promille-Grenze von 0,5. Nur in Tschechien und Polen besteht ein konsequentes Alkoholverbot für Autofahrer. "Grundsätzlich sollte die klare Regel gelten: Wer fährt, trinkt nicht. Und wer trinkt, fährt nicht", sagt Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann. Die Gefahren durch Alkohol im Straßenverkehr würden allzu oft unterschätzt, teilt eine Sprecherin seines Ministeriums weiter mit. Nicht nur für Auto-, sondern auch für Radfahrer und Fußgänger steige das Unfallrisiko bereits unter geringem Alkoholeinfluss.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verdoppele sich das Risiko eines Verkehrsunfalls für Pkw-Fahrer bereits bei 0,3 Promille, bei 0,8 Promille liege das Risiko um das 4,5-fache höher und bei 1,5 Promille sei mit einem 16-fach höheren Unfallrisiko zu rechnen. Ergo: "Die Umsetzung eines Alkoholverbots im Straßenverkehr würde die Chance bieten, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten aufgrund von Unfällen unter Alkoholeinfluss signifikant zu reduzieren", heißt es in Stuttgart.

Eine klare Position vertritt der Automobilclub ADAC. "Unter Alkoholeinfluss zu fahren, geht gar nicht", sagt Sprecherin Katrin van Randenborgh. Wer alkoholisiert fährt, gefährde sich und andere. 2018 seien 17,2 Prozent der alkoholisierten Unfallbeteiligten zwischen 18 und 24 Jahre alt gewesen, weitere 25 Prozent zwischen 25 und 34 Jahre alt. "Frauen fallen deutlich seltener als Männer durch Trunkenheit bei Verkehrsunfällen auf", sagt van Randenborgh. Deren Anteil habe 2019 bei nur gut 13 Prozent gelegen.

Stuttgart will Vorschriften verschärfen

Der Auto-Klub wie auch Hermanns Verkehrsministerium fordern stärkere Kontrollen. Darüber hinaus wolle man auch für Fahrradfahrer eine Verschärfung der Vorschriften, sagt eine Ministeriumssprecherin.

Teile der Bevölkerung unterstützen ein vollständiges Alkoholverbot für Autofahrer, sagt van Randenborgh. "Ohne Frage würde es eine klare Botschaft senden: Null Toleranz." Das Landesverkehrsministerium verweist auf eine bundesweite Umfrage von Infratest dimap aus dem Oktober 2012. Demnach sprechen sich 80 Prozent der Deutschen für ein generelles Alkoholverbot für Kraftfahrer aus. "Für Fahranfänger in der Probezeit und für Fahrer unter 21 Jahren gilt bereits eine Null- Promille-Grenze", sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Die Grenze werde von der betroffenen Zielgruppe akzeptiert und habe zu einem überproportionalen Rückgang bei Alkoholfahrten und bei alkoholbedingten Unfällen geführt.

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