Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Ein Sprachrohr für junge Leute

Übersicht

Die neue Vorsitzende der Landjugend Baden-Württemberg kommt aus Obersulm. Stefanie Vollert wurde Anfang Dezember in Böblingen gewählt. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt die 23-Jährige Auskunft darüber, wer die Landjugend ist, was sie tut und warum sie sich dafür engagiert. 

Frau Vollert, die Landfrauen sind durchaus ein Begriff. Aber wer ist die Landjugend, von der man nur äußerst selten hört?

Stefanie Vollert: Die Landjugend ist das Sprachrohr für Jugendliche und junge Erwachsene im ländlichen Raum. Sie ist jugendpolitisch und agrarisch tätig. 

Gibt es diese eigentlich nur in Baden-Württemberg?

Vollert: Nein, deutschlandweit mit verschiedenen Landesverbänden. 

Früher war der bäuerliche Nachwuchs eine größere Gruppe. Der Berufsstand schrumpft deutlich. Braucht es da überhaupt eine Nachwuchsorganisation?

Vollert: Ja, auf jeden Fall. Diejenigen, die es noch gibt, müssen umso stärker auftreten. Und es gibt ja auch noch die Jugend auf dem Land, die auch durch uns vertreten wird. 

Wie kamen Sie zum Verein?

Vollert: Vor etwa fünf Jahren kam der Kreisbauernverband Heilbronn-Ludwigsburg auf mich und andere junge Leute mit landwirtschaftlichem Hintergrund zu, ob wir die Landjugend nicht wieder in Schwung bringen wollten. Ich finde es wichtig, dass es einen Verein gibt, der uns vertritt. Es muss einen Zusammenhalt geben. Meine Eltern waren früher selbst in der Landjugend, und so habe ich Gutes davon gehört. 

Sie sind Technikerin für Weinbau und Oenologie. Inwiefern profitieren Sie von der Landjugend?

Vollert: Vom Angebot im Agrarbereich, von Vorträgen, Seminaren und Betriebsbesichtigungen. 

Es gibt landesweit 18 Kreisgruppen: Wo sind weiße Flecken?

Vollert: Unser gesamtes Verbandsgebiet ist durch Kreisgruppen abgedeckt, allerdings gibt es durchaus weiße Flecken. Vor allem Nordbaden ist eher dünn besiedelt. Hier haben wir uns als Ziel gesetzt, die Gruppen wieder zu beleben und in besserem Kontakt zu ihnen zu stehen. 

Im Landkreis Heilbronn sind nur in Bad Rappenau und Lauffen Ortsgruppen angesiedelt. Beweist das nicht ein geringes Interesse?

Vollert: Nein, es beweist eher, dass lange nichts getan worden ist und die Jugend nicht richtig nachgekommen ist. 

Landjugend hört sich im ersten Moment etwas verstaubt an. Müssen Sie als Landesvorsitzende nicht am Image arbeiten?

Vollert: Wer die Landjugend kennt, weiß, dass sie nicht veraltet ist. Für diejenigen, die zum ersten Mal davon hören, muss schon Imagearbeit geleistet werden. Ihnen muss man erklären, dass es sich nicht um einen altbackenen Verein handelt. 

Traditionspflege ist wichtig.

Vollert: Ja, im ländlichen Raum ist wichtig, dass Traditionen wie Brauchtumstänze, Tracht oder Maibaumstellen nicht verloren gehen. 

Überraschend ist, dass sich die Landjugend nicht nur landwirtschaftlichen Themen widmet, sondern sich auch politisch positioniert. So gibt es zum Beispiel die Absichtserklärung "gegen Rechts".

Vollert: Als junger Mensch ist es wichtig, sich für Politik zu interessieren und zu engagieren, dass man mitreden und mitbestimmen kann. Demokratie ist wichtiger denn je, gerade in Zeiten, in denen der Extremismus wieder stärker wird. Deshalb ist es für uns als Landjugend wichtig, sich gegen Rechts zu positionieren. Und in einer Zeit, die von Vorurteilen geprägt ist, kann jeder in Sachen Toleranz an sich arbeiten. 

Sie haben auch Forderungen an die Bildungspolitik: Junge Menschen seien nach der Schule nicht ausreichend aufs Leben vorbereitet.

Vollert: Mir geht es gerade selber so, zum Beispiel bei der Steuererklärung. Dinge, die man im alltäglichen Leben braucht, wie Versicherungen, Ernährung, Hauswirtschaft, darüber lernt man nicht viel. Dazu könnte es an den Schulen Arbeitsgemeinschaften geben oder außerschulische Aktivitäten. 

Wie wichtig ist denn der Dialog mit der Politik?

Vollert: Sehr wichtig. Wir wollen unsere Meinungen darlegen und die Meinungen der Politiker hören, vor allem im Bereich Agrarpolitik und Jugendbildung. 

Der Verein hat sicherlich eine Meinung zum ursprünglich geplanten Volksbegehren "Rettet die Bienen".

Vollert: Die Landesregierung hat ja jetzt das Eckpunktepapier vorgestellt. Die Landjugend hat Vorschläge gemacht. Artenschutz ist vor allem für die Landwirtschaft wichtig, weil wir von der Natur leben. Aber es muss einen Kompromiss geben, damit die Betriebe überhaupt noch wirtschaften können. 

Die Landjugend ist offen für jedermann. Gibt es aber überhaupt viele Mitglieder ohne landwirtschaftlichen Hintergrund?

Vollert: Ja, auf jeden Fall. Sie haben dann Bekannte und Freunde in der Landwirtschaft. Die Altersgrenze liegt bei 35 Jahren. 

Was haben Sie sich als Landesvorsitzende vorgenommen?

Vollert: Das Image der Landjugend zu verbessern, stärker in die Öffentlichkeit zu treten. Und den Zusammenhalt noch zu verbessern. 

Es geht bei der Landjugend nicht nur um Fachliches, sondern auch um Freizeitgestaltung.

Vollert: Der Landesverband organisiert zum Beispiel Skiausfahrten, Fackelwanderungen, Volleyballturniere, Bowlingabende oder Tanzkurse. Ich leite auch Freizeiten. 

Könnten Sie sich vorstellen, in der Stadt zu leben?

Vollert: Nein. Ich mag es, dass man die Leute auf der Straße kennt, viel Natur um sich herum hat. Ich mag die Gemütlichkeit eines Dorfes. 

Wie würden Sie die ländliche Jugend charakterisieren?

Vollert: Sie ist bodenständig, hilfsbereit, fortschrittlich, auf jeden Fall selbstständig, und ich denke naturverbunden. 

 

Galerien

Regionale Events

Würth feiert Jubiläum

Würth feiert 2020 Jubiläum mit den Würth Philharmoniker, Open Air und einem Tag der offenen Tür.