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Festival-Feeling in der Telefonzelle

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 Es ist laut, man spürt den Bass, die Konzert-Bühne wird in Nebel getaucht, LED-Lichter tanzen wild umher. Ein Festival zu Corona-Zeiten? Nein. Auf dem Haigern bei Talheim steht am vergangenen Wochenende keine große Bühne, sondern nur eine Telefonzelle. Aber die hat es in sich: Wer sie betritt, wird über drei Songs auf dem Bildschirm, die Lichter und Special Effects wie den Nebel daran erinnert, dass in diesen Tagen eigentlich „Haigern live“ in vollem Gang wäre. Das Festival kann wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Also ist es nun eben nur ein „Festival in the box“ geworden, wie die Organisatoren die Telefonzelle nennen. 

Vorfreude auf nächstes Jahr

Chris Volpp von der Band Crazy Zoo ist am Samstag auch auf dem Berg. „Wenn man in der Telefonzelle steht, bekommt man richtig Vorfreude auf nächstes Jahr“, erzählt er. Auch eines der Lieder der Band „Alles wird gut“ kann man in der Box auswählen. „Das fühlt sich cool an, den eigenen Live-Auftritt da drin zu hören“, sagt er.

„Eine richtig geile Idee“, stimmen Timo Waldbüßer und Yvonne Sommer zu. Seit zehn Jahren besuchen sie regelmäßig das „Haigern live“: „Wir kommen aus Flein, dem Ort direkt hier unten, da gehört das Festival einfach dazu“, sagt Waldbüßer. Der 32-Jährige ist traurig, dass das große Event abgesagt werden musste. „Es fehlt schon ein bisschen.“ Gleichzeitig freut er sich, dass die Organisatoren doch etwas auf die Beine gestellt haben. „Das ist eine kleine Entschädigung“, sagt er. Einziges Manko der Festival-Box? „Es ist ein bisschen warm darin“, sagt Yvonne Sommer und lacht.

Die Idee

Neben der Telefonzelle strahlen auf dem Berg Sky-Beams grünes Licht in den Nachthimmel. „Das war die ursprüngliche Idee, mit dem Licht daran zu erinnern, dass hier jetzt Haigern live gewesen wäre“, erklärt Mitorganisator André Späth. Andere Festivals hätten ihre Aktivitäten ins Internet verlagert, zum Beispiel über Live-Streams „Letztendlich haben wir uns aber dagegen entschieden, weil es uns um das Live-Feeling mit den Menschen, Lichtern und Sound ging“, berichtet er. So sei dann der Plan mit der Telefonzelle zu den Sky-Beams dazu gekommen, nach Vorbild der sogenannten Telediskos in Berlin. 

„Sie ist deutlich besser geworden als ich am Anfang dachte“, gibt Späth zu. „Als sie ankam, war sie kaputt und dreckig.“ Zunächst hätten sie die ausrangierte gelbe Zelle zusammen mit Helfern und Sponsoren komplett entkernt, gespachtelt und grün lackiert. Letztendlich seien dann die LEDs, Boxen, ein Mini-Computer und Touchscreen hinzu gekommen. „Wir sind sehr zufrieden. Besser hätte die Telefonzelle eigentlich gar nicht werden können, auch von der Soundqualität her.“

Gelüftet und gereinigt

Lange Schlangen bilden sich am Wochenende nicht vor der Telefonzelle, „das wollten wir auch auf keinen Fall“. Wegen des Corona-Virus würde die Box viel gelüftet und gereinigt, vor dem Eintreten muss man die Hände desinfizieren

Neben den Organisatoren und den Bands, die eigentlich aufgetreten wären, kommen im Laufe des Wochenendes viele Haigern-live-Fans und Menschen auf dem Weg in den Biergarten vorbei. „Das Feedback ist bisher, dass den Leuten das Festival sehr fehlt, da steckt ja auch immer viel Herzblut drin“, sagt Späth. Nach dem Besucherrekord im vergangenen Jahr mit 36.700 Fans sei es für die Organisatoren natürlich wichtig, auch in diesem Jahr auf sich aufmerksam zu machen.

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