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Luftfilter für niedrigere Abgaswerte

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Jetzt stehen sie alle – die 26 grau-grünen Würfel in der Weinsberger Straße, die aufeinandergetürmt an Verstärkerboxen bei Konzerten erinnern. 

26 Luftfilter hat die Stadt Heilbronn im Projekt Luftreinhaltung in der Straße mit der amtlichen Luftmessstation installiert, um die zu hohe Belastung mit Stickstoffdioxid im Jahresmittel unter den Grenzwert zu drücken. Markant prägen die Säulen den Straßenraum, engen den Gehweg ein, flankieren den Mittelstreifen. Auf Fundamenten sind die Filter verankert, erreichen eine Höhe von gut vier Metern. Man wolle die Luftqualität in der Straße verbessern und „Fahrverbote für Diesel-Pkw in Heilbronn verhindern“, räumt die Stadt offen ein. Es fällt auf, dass die meisten Filter in direkter Nähe der Messstation aufgebaut sind, es ballt sich ganz schön in der Mitte der Straße. 

Säulen engen Ausfahrten ein 

Das gefällt nicht jedem. Gastwirt Horst Mayer, Betreiber der Weinstube Weingand, ist alles andere als begeistert. Die Filter „machen keinen schönen Eindruck“, von oben blicke man auf viele Kabel. Und: Die Boxen seien zu nah an der Ein- und Ausfahrt zwischen den engen Häusern platziert.

Es hätten sich schon Gäste beschwert, beinahe sei ein Unfall passiert, für Zulieferer sei es sehr eng. Dass sich bei ihm am Lokal die Säulen ballen, etwas weiter weg aber Platz wäre, versteht er nicht. Eine Säule etwas versetzen oder „wenigstens einen Spiegel für Autofahrer im Mittelstreifen anbringen“, erhofft sich Mayer von der Stadt. Zum Ziel der Luftverbesserung sagt er: „Wenn es was bringt, ist es schon okay.“ Aber: Die Luftbelastung durch Verkehr sei ja nicht nur in der Weinsberger Straße ein Problem.

Auf zwei Jahre ist das Projekt angelegt. 1,7 Millionen Euro kostet es, wobei das Land mit 1,4 Millionen den Löwenanteil übernimmt. Die Stadt steuert 253 000 Euro bei.

Aktivkohleschicht filtert Stickoxide 

Andere Bürger waren verwundert, was da am Straßenrand emporwuchs. Sie habe zuerst an Straßenschmuck gedacht oder dass es etwas gegen Corona bringen soll, erzählt Anwohnerin Zorka Andreeva. Sie findet die Säulen „interessant“. Und wenn dadurch die Luft besser werde, finden sie und Tochter Neli (13) das gut. 

Die Frage, ob der Aufwand gerechtfertigt ist, ob die Filter eine nachhaltige Wirkung entfalten, ist zuletzt öfter gestellt worden. In Stuttgart laufen 53 dieser Filter schon seit Längerem, am Neckartor, in der Hohenheimer und Pragstraße.

Bis zu 4800 Kubikmeter Luft soll ein Filterwürfel je Stunde einsaugen. Stickoxid-Moleküle bleiben in einer Aktivkohleschicht hängen, Feinstaub wird in einem elektrostatisch aufgeladenen Medium gebunden. Nach Angaben von Hersteller Mann+Hummel müssen die Filter der Schadstoff-Staubsauger acht Mal im Jahr ausgetauscht werden.

Neckartor als positives Vorbild 

Das Landesverkehrsministerium sieht die Filter an Schadstoff-Hotspots als geeignet an, um als Brückentechnologie die Belastung mit Luftschadstoffen zu reduzieren. Sie stellten einen wesentlichen Beitrag dar, Problembereiche „zu entschärfen“. Bei Messungen am Neckartor mit laufenden und ausgeschalteten Filtern habe sich eine Verringerung der Stickoxidbelastung von vier bis fünf Mikrogramm je Kubikmeter Luft ergeben.

Luftfiltersäulen seien aber kein Ersatz für andere Maßnahmen wie schadstoffarme Fahrzeuge oder der Umstieg auf nachhaltigere Mobilitätsformen, sagt ein Sprecher. Am 1. Juli sollen die Luftfilter angeschaltet werden. Das zweite Halbjahr können sie dann komplett wirken – und die Luft um die Messstation verbessern. Bisher lag der Wert im Corona-Jahr knapp unter der Grenzwertschwelle

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