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Weniger internationale Studenten

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Studiengebühren. Sie wecken Erinnerungen: an den bundesweiten Bildungsstreik 2009, besetzte Audimax-Hörsäle, an zahlreiche politische Diskussionen. Letztendlich dauerte es bis ins Jahr 2014, bis die allgemeinen Studiengebühren für staatliche Hochschulen und Universitäten in Deutschland abgeschafft wurden. Überall und für jeden? Nicht ganz. In Baden-Württemberg müssen Nicht-EU-Studenten seit 2017 eine Gebühr von 1500 Euro pro Semester zahlen. 

Aussetzung der Studiengebühren  

Der Senat der Hochschule Heilbronn findet das ungerecht und hat nun einen Appell an die Landesregierung und das baden-württembergische Wissenschaftsministerium geschickt, welcher der Heilbronner Stimme vorliegt. Darin fordert der Senat die Aussetzung der Studiengebühren, zumindest für das Sommer- und Wintersemester 2020/21

Die Begründung: Die Folgen der Corona-Pandemie würden insbesondere Studenten aus Entwicklungsländern hart treffen. Es herrsche eine besondere finanzielle Notlage, unter anderem, weil viele internationale Studierende in der Gastronomie jobbten, um sich das Leben und Studium in Deutschland leisten zu können.

Weniger Studenten aus Nicht-EU-Ländern 

Senatsmitglied Roland Schweizer hat den Appell initiiert: „Baden-Württemberg ist eines der reichsten Bundesländer Deutschlands und ist das einzige, das Gebühren für internationale Studierende erhebt“, bedauert er. Seit der Einführung der Studiengebühren sei die Zahl der Studenten aus Nicht-EU-Ländern an der Hochschule Heilbronn um 53 Prozent gesunken.

„Vor allem in den ärmeren Ländern hat das zu einem massiven Einbruch geführt“, so das Senatsmitglied. Kamerun sei zum Beispiel lange die größte Ländergruppe an der Hochschule gewesen, 2017 studierten 121 Kameruner in Heilbronn. In diesem Jahr, so steht es in dem Appell, sind nur noch 31 Studierende aus dem Entwicklungsland immatrikuliert, 75 Prozent weniger als drei Jahre zuvor.

Für Heilbronn sei das bedauernswert, so Schweizer, weil die Hochschule die Internationalisierung vorantreiben wolle. „Außerdem ist uns der Wissenstransfer mit anderen Ländern sehr wichtig“, sagt er. „Das brauchen wir, um unterschiedliche Perspektiven und Kulturen kennenzulernen.“

Aussetzung nur in Ausnahmefällen 

Auf Anfrage teilt das baden-württembergische Wissenschaftsministerium mit, dass eine Aussetzung der Studiengebühren nicht vorgesehen sei. Die Hochschulen hätten auf die Corona-Pandemie mit höchstem Engagement reagiert und digitale Vorlesungen sowie alternative Lehrmethoden bereitgestellt. „Da das Lehr- und Prüfungsangebot folglich auch in diesem Sommersemester bereitsteht, stand ein genereller Erlass der Gebühren nicht zur Debatte.“ 

Allerdings, betont Ministerin Theresia Bauer, gebe es Ausnahmen: „In den Fällen, in denen internationale Studierende aus gegebenen Gründen nicht hier studieren können, gibt es die Möglichkeiten, die Gebühren zu erlassen, zurückzuerstatten oder mit dem nächsten Semester zu verrechnen“, sagt sie. Das gelte zum Beispiel dann, wenn die Studenten wegen der Corona-Pandemie nicht einreisen können, das Studium unterbrechen müssen oder auf Online-Angebote nicht zugreifen können.

Stipendien für arme Länder 

Der Internationalisierung der Hochschulen stehen die Gebühren nach Ansicht des Ministeriums nicht im Weg, im Gegenteil: Mit den Einnahmen könne das Angebot für internationale Studierende optimiert werden. Zudem sei die Zahl der internationalen Studenten in Baden-Württemberg nach einem leichten Rückgang schon 2019 wieder stark angestiegen. Die Entwicklung werde weiter beobachtet. Für ärmere Länder gebe es gezielte Stipendien, mit denen das Leben und Studium gefördert werden soll.

Ob der Appell des Heilbronner Senats Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Roland Schweizer wünscht sich, dass das Thema bald im Landtag zur Sprache kommt und die Gebühren für zwei Semester ausgesetzt werden können. „Und das eine Jahr könnte man dann zum Nachdenken verwenden, ob man sie nicht ganz abschaffen will“, hofft er.

Studiengebühren in Deutschland 

Allgemeine Studiengebühren für EU-Bürger gibt es in Deutschland seit 2014 nicht mehr. In Baden-Württemberg wurden 2017 Gebühren für Nicht-EU-Bürger und für das Zweitstudium eingeführt. So zahlen internationale Studenten 1500 Euro pro Semester. Wer einen zweiten Bachelor oder Master will, muss mit Studiengebühren von 650 Euro pro Semester rechnen. Die Regelungen für das Zweitstudium sind je nach Bundesland unterschiedlich.

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