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Mahnwache gegen Rassismus

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Geschätzt 100 bis 150 Menschen haben sich am Samstagnachmittag auf dem Heilbronner Kiliansplatz versammelt, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Es sind vorwiegend Jugendliche und junge Menschen gekommen, dazu ein paar Anhänger von der Antifa, den Jusos und der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands. Organisiert wurde die Kundgebung von Fridays for Future Heilbronn

Eine Vermieterin in Heilbronn sah vor einer Weile ein Wohnungsgesuch zweier Studenten und lud sie ein. Als sie die Tür öffnete, staunte sie, weil zwei Schwarze vor ihr standen. Hätte sie das vorher gewusst, hätte sie sie vielleicht nicht eingeladen, aber so lernte sie die beiden kennen und gab ihnen die Wohnung. Diese Begebenheit erzählte kürzlich ein Pfarrer in Böckingen.

Erfahrungen von Betroffenen

Catherine Nzimbu Mpanu-Mpanu-Plato hat andere Erfahrungen gemacht: „Für schwarze Menschen ist es nicht leicht, eine Wohnung oder eine Arbeit zu finden“, sagt sie am Samstag bei der Kundgebung. Gülistan Ates skandiert antirassistische Parolen. Auf dem Boden liegen Transparente mit Sätzen wie: „Rassismus ist keine Meinung.“ Grit Harfensteller hält ein Schild in der Hand: „We all bleed the same colour.“ „Rassismus sollte kein aktuelles Thema mehr sein“, meint Harfensteller. Ist es aber. Die 15-jährige schwarze Teilnehmerin Lohann erinnert sich etwa an rassistische Beleidigungen im Kindergarten und in der Schule in Heilbronn. „Es ist an der Zeit, etwas in den Köpfen der Menschen zu bewegen“, sagt sie. 

Nachdem im Mai in den USA der Afroamerikaner George Floyd bei seiner gewaltsamen Festnahme von Polizisten getötet wurde, wollten sie ein Zeichen setzen. Ahmadou Bah, einer der Redner des Tages, mahnt: „Was mit Floyd passiert ist, sollte ein Weckruf sein, dass wir zur Menschlichkeit zurückkehren.“ Und der Schüler Niklas Rosche, einer der Organisatoren der Demonstration, sagt: „Es gibt in jeder Stadt ein Problem mit Rassismus. Auch in Heilbronn.“

Rechtsextremistische Straftaten nehmen zu

„Der Rechtsextremismus erlebt eine Revolution“, betonte jüngst Landes-Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2019. So stieg die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Straftaten in Baden-Württemberg von 1375 im Jahr 2018 auf

1549 im Jahr 2019. Die darin enthaltenen Gewalttaten fielen von 48 auf 39. Im Vergleich dazu gab es 2019 486 linksextremistische Straftaten (2018: 334), darunter 112 Gewalttaten (2018: 60).

„Es hat in den vergangenen Jahren eine Zunahme an rassistischen Denkweisen in der Gesellschaft gegeben“, sagt etwa Seán McGinley, Geschäftsführer vom Flüchtlingsrat in Baden-Württemberg auf telefonische Nachfrage. Dabei würden Menschen nicht unbedingt wegen ihrer Nationalität, sondern vermehrt wegen ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Kulturkreisen abgewertet und als Gefahr dargestellt. Gegen Ende der Kundgebung rief der Co-Organisator Obai Algahed alle Teilnehmer auf, sich auf den Boden und damit ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. 

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